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Giles saß gemütlich auf seiner Couch, die dampfende Tasse Tee vor sich auf dem Tisch und schmökerte in einem Originalmanuskript aus der Gründerzeit des Rates. Sicher kannte er die Geschichte des Rates. Seine Großmutter hatte sie ihn immer und immer wieder erzählt und sein Vater hatte ihn gezwungen sie zu studieren. Aber es konnte nie schaden, sich hin und wieder weiterzubilden oder seinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Und gerade jetzt, wo er die Zeit dazu hatte, fand er es passend sich ein wenig wieder in die alte Geschichte um Wächter und Jägerinnen einzulesen.
Das Telefon läutete und Giles seufzte. Nie hatte man seine Ruhe. Nicht einmal am Wochenende. Er legte das Manuskript zur Seite und nahm den Hörer ab.
"Giles?" Giles lauschte gespannt. Zunächst kniff er die Lippen aufeinander und wurde dann recht blass.
"Wenn du meinst. Ich erwarte dich dann." Und mit einem sehr ernsten Blick legte er wieder auf. Das Manuskript und der Tee waren vergessen. Giles hatte kein gutes Gefühl, was den angekündigten Gast betraf.
Am Montag traf sich Buffy vor der Psychologievorlesung mit Xander und Willow in der Cafeteria.
"Hi Leute! War einer von euch heute schon bei Giles?" begrüßte Buffy die zwei.
"Nein, wieso? Ist was mit Giles?" Willow war Buffys ernster Gesichtsausdruck nicht entgangen.
"Das wollte ich euch gerade fragen. Ich war vor ein paar Minuten bei ihm, aber er öffnete nicht und ganz ungewöhnlicherweise war die Tür abgeschlossen. Ich dachte mir, vielleicht wüßtet ihr was. Merkwürdig. Das letzte Mal, als Giles sich seltsam verhielt, hatten wir es mit einem Dämon aus seiner Jugendzeit zu tun. Brrrrrrr. Daran will ich gar nicht denken."
"Ja, daß war nicht gerade lustig." Auch Willow erinnerte sich nur mit Schrecken daran, wie Eyghon in Sunnydale aufgetaucht war und Giles und ihnen das Leben schwer gemachte hatte.
"Ich kann ja gleich noch mal bei ihm vorbeigehen und nach dem Rechten sehen." bot sich Xander an.
"Würdest du das wirklich tun?"
"Na ja, ich bin zwar ein vielbeschäftigter Mann...aber wenn du mich so nett darum bittest...?" Und weg war Xander.
"Machst du dir wirklich sorgen um Giles," wollte Willow wissen, nachdem sie ihren Kaffee leer getrunken hatten und Richtung Vorlesungssaal gingen.
"Nicht wirklich ernsthaft. Aber ... na ja, Giles geht jeden Morgen joggen. In seinem Alter kann das schnell zu Überanstrengungen führen und ich will lieber kein Risiko eingehen, daß mein Ex-Wächter und Freund im Wald nach Luft japsend liegt."
Willow kicherte, bei der Vorstellung von Giles im Trainingsanzug auf dem Trimm-dich-Pfad.
"Na ja, vielleicht war er ja nur mal einkaufen?" mutmaßte Buffy.
"Du machst dir bestimmt ohne Grund sorgen," versuchte Willow Buffy zu beruhigen.
Xander klopfte jetzt schon zum dritten Mal wie wild an Giles Haustür, aber es rührte sich nichts im Inneren. Er spähte durch das Fenster neben der Tür, aber er sah niemanden.
<Was, wenn Giles da drinnen einen Herzinfarkt erlitten hatte? Oder Spike sich befreit hatte?> Xander war wild entschlossen, Giles zu Hilfe zu eilen, egal ob es übereilt war oder nicht. Er sah nach oben. Ein Fenster war geklappt und mit ein wenig Glück, konnte er sich auf den schmalen Balkon schwingen. Er nahm gerade Anlauf, als er von irgendjemand oder etwas zurück gerissen wurde.
"Hey!" Xander rappelte sich entrüstet hoch und klopfte den Dreck aus seiner Hose. Erst dann nahm er sich die Zeit, sich nach dem Übeltäter umzusehen. Er war recht erstaunt, als ein alter Mann mit Gehstock auf ihn zu stürmte. Er konnte dem schwachen Schlag entgehen und sah dabei Giles vor dem Haus seinen Wagen abschließen.
"Giles! Giles um Himmels willen, helfen sie mir mal!" Nicht das Xander mit dem Alten da nicht alleine fertig geworden wäre, aber immerhin hatte es der Unbekannte geschafft, ihn mit einem Ruck von den Füßen auf den Boden zu befördern . "Was ist denn jetzt schon wieder!" Giles schien sichtlich genervt zu sein.
"Rupert, dieser junge Taugenichts und Dieb, wollte bei dir einbrechen. Ruf die Polizei, ich halte ihn solange auf," und RUMMS landete der Stock auf Xanders Oberarm.
"Hey, AUA, das hat weh getan. Sie sollten damit nicht so rumfuchteln, wenn sie nicht wissen, wie man damit umgeht," Xander rieb sich den Oberarm. "Ja, sie rufen vielleicht wirklich die Polizei, wegen eines tätlichen Angriffs."
"Er hier ist kein Dieb, sondern Xander," erklärte Giles dem alten Mann.
"Oh, 'der' Xander? Tut mir leid junger Freund." Der Unbekannte streckte Xander die Hand entgegen.
"Darf ich vorstellen, Xander - mein Vater: Sir Damon Giles."
"Sein Vater?!" Buffy starrte Xander entgeistert an und Willow verschluckte sich fast an ihrem Milchkaffee.
"Giles hat einen Vater?" Anya verzog fast angewidert das Gesicht. "Und ich fing schon an zu vermuten, daß dieser Mann nicht von dieser Welt ist."
Xander sah sie scharf von der Seite an, aber das schien Anya nicht zu bemerken oder gar zu stören.
Oz und "Dingoes ate my Baby" waren im Bronze auf der Bühne und gaben ihr Bestes.
"Und...?" Willow sah Xander auffordernd an.
"Und...was?" Xander sah entgeistert zurück.
"Na, was will Giles alter Herr hier in den Staaten?" Willow rutschte ungeduldig auf dem Stuhl hin und her.
"Er hat nicht viel gesagt. Er hat mich zuerst mit seinem Stock verdroschen und dann ganz ehrfurchtsvoll meine Hand geschüttelt. Giles hat mich an der Tür abgewimmelt und mir einen schönen Tag gewünscht. Das war's!"
"Merkwürdig," Buffy zog ihre Stirn in Falten und dachte nach. Giles hatte ihnen nichts von dem Besuch seines Vaters erzählt. Entweder wollte er nicht, daß sie davon erfuhren oder er hatte es selbst nicht gewußt.
"Hat Giles nicht mal erwähnt, daß sein Vater auch ein Wächter war?" Willow schlürfte an ihrer Tasse und sah dabei zu Oz, während sie mit einem Ohr der Unterhaltung folgte.
"Und seine Großmutter," ergänzte Buffy. "Ich glaube morgen werde ich mal bei ihm vorbeischauen. Wer kommt mit?"
"Also ich muß morgen meinen neuen Job als Tellerwäscher bei Burger King antreten. Tut mir leid. Aber ich hoffe auf detaillierte Berichterstattung."
Xander spielte unter dem Tisch mit Anyas Knie, die mehr Xander aufmerksam zu sah, als sich über Giles sorgen zu machen.
"Was ist mit dir Will?"
"Ich muß eigentlich für diesen Philosophiekurs lernen..."
"Verstehe. Dann geh ich eben alleine." Irgendwie schienen alle an Giles und Eyghon zu denken und wenig Lust zu haben, erneut mit Giles Vergangenheit konfrontiert zu werden.
"Was soll das heißen?" Giles knallte seine Tasse auf den Tisch, daß das Porzellan klirrte. Sein Vater saß selbstsicher in Giles Sessel und schlürfte seinen Tee.
"Genau daß, was ich sagte. Der Rat ist der Ansicht, daß du dich lange genug ausgeruht hast und nun wieder für uns arbeiten sollst."
"Ihr habt mich gefeuert, schon wieder vergessen?"
"Wir hielten es für eine angepaßte Strafmaßnahme für deine Nachlässigkeit und Starrköpfigkeit." Damon sah seinen Sohn mißbilligend an. "Ich habe dich bestimmt nicht dazu erzogen, den Rat in Frage zu stellen. Deine Großmutter und ich haben dem Rat treu gedient und ich erwarte das gleiche von Dir. Ich habe mich nicht umsonst nach oben gedient, um wegen deiner egoistischen und egozentrischen Einstellung uns gegenüber, alles zu verlieren oder aufs Spiel zu setzten."
"Wie könnte es anders sein. Du bist zwar mein Vater und solltest eigentlich auf meiner Seite stehen, aber das hast du ja sowieso nie getan. Warum erwarte ich das eigentlich von Dir?" Giles seufzte. "Und als was soll ich dem Rat dienen?" Giles fühlte sich in seiner Haut recht unwohl. Er war mit Leib und Seele Buffys Wächter gewesen. Zum einen, weil er nichts anderes kannte und zum anderen weil er Buffy sehr mochte und sich für sie verantwortlich fühlte. Er hatte seine Verantwortung dem Rat, seiner Jägerin und der Menschheit gegenüber immer verstanden, aber es war einfach grausam von einem einzelnen Menschen zu verlangen, sein Leben nicht zu leben, sondern sich dem Rat der Wächter zu verkaufen. Nicht umsonst hatte er Buffy viel mehr Freiheit gegönnt, als es ihm zugestanden hätte und nicht umsonst hatte der Rat letztendlich ihn seiner Pflicht entbunden. Und was sollte er schon dazu sagen? Er hatte sich befreit gefühlt. Und nun das, die Rückbeorderung.
"Als Ausbilder. Nicht als Wächter einer Jägerin, sondern die eines neuen Wächters." Damon griff in die Innentasche und zog einen Umschlag hervor. "Hier, deine neuen Anordnungen." Er reichte Giles den Umschlag. Giles zögerte einen Augenblick und nahm dann seinem Vater den Brief aus der Hand. Er entnahm dem Umschlag einen einseitigen, maschinengeschriebenen Brief. Er überflog ihn. Langsam senkte er den Brief und sah skeptisch seinen Vater an.
"Das ist nicht euer Ernst, oder? Der Rat muß sich da irren...", als er das Kopfschütteln seines Vaters bemerkte, beließ es Giles dabei und bohrte nicht weiter. Der Rate hatte beschlossen und so sollte es sein. Er war wieder im Geschäft.
"Na endlich, ich dachte schon, sie würden überhaupt nicht mehr den Weg zur Tür finden." Buffy drängte sich an Giles vorbei ins Innere, obwohl es so schien, als hätte Giles alles andere lieber, als Buffys Gesellschaft. Aber sie hatte eine Mission: Giles ausspionieren. Dafür fiel zwar ihr Englischkurs aus, aber Oz paßte für sie mit auf.
"Was willst du hier?" Giles klang unfreundlich, übermüdet und das kam selten vor.
"Tschuldigung. Habe ich da jemanden auf dem falschen Fuß erwischt? Also eigentlich bin ich hier, weil Xander gestern im Bronze was recht Interessantes zu erzählen hatte." Buffy drehte sich um ihre Achse und sah sich in Giles Wohnung um. Nichts deutete auf den Besuch hin. Sie sah zu Giles, neugierig und voller Erwartung.
"Ich versteh nicht ganz..."Giles war noch mit seinem Morgenmantel bekleidet und wie Buffy entsetzt feststellen mußte, unrasiert. Sie konnte sich nicht erinnern Giles je so nachlässig angetroffen zu haben und das um zehn Uhr morgens.
"Ihr Vater, Giles!" Buffy wurde ungeduldig. Klar sie war neugierig, anderseits wollte sie nicht zu Prof. Walsh Vorlesung zu spät kommen. Sie hatte es nicht gerne, wenn man einen ihrer Kurse verpaßte.
"Ach so, das...ähm...ja...interessiert dich das denn?" Giles war um die Durchreiche in seine Küche gegangen und begann einen Wasserkocher mit Wasser zu füllen.
"Überrascht sie das? Sie haben mir nie viel von sich und ihrer Familie oder gar ihrer Vergangenheit erzählt. Klar interessiert mich das. Bitte, Giles. Jetzt lassen sie sich doch nicht alles aus der Nase ziehen."
"Mein Vater ist gestern aus London hier angekommen. Er wird für die nächsten zwei Wochen hier bleiben." Giles setzte den Wasserkocher auf die Herdplatte und kramte in seinem Geschirrschrank herum. Und Buffy war kein Deut schlauer.
"Und? Xander sagte was von einem Adelstitel oder so..."
"Na ja, da hat er wohl etwas übertrieben, mein Kind."
Buffy wirbelte herum. Aus Giles Gästezimmer (die Tür stand noch offen) war ein alter Mann von Mitte siebzig getreten. Durch und durch Brite, wie Buffy amüsiert feststellen mußte: vollständig gekleidet mit einem schwarzen Anzug, Weste, Krawatte, goldener Krawattennadel, polierten Schuhen und einem schwarzen Gehstock mit goldenem Knauf. Damit hatte er wohl Xander verprügelt. Buffy mußte grinsen.
"Darf ich vorstellen? Buffy, mein Vater Sir Damon Giles, Dad - Buffy." Giles hantierte mit dem Rücken zu den beiden weiter in der Küche und Buffy konnte Giles Kühle und Reserviertheit deutlich spüren.
"Aha, die Jägerin." Damon kam näher und schüttelte Buffy die Hand. Buffy fühlte sich auf einmal unter dem musternden Blick des alten Herren recht unwohl.
"Und sie waren also tatsächlich ein Wächter, so wie Giles? Cool." Buffy wandte sich schnell wieder Giles in der Küche zu.
"Und, werden sie ihren Vater an die beschaulichen Sehenswürdigkeiten von Sunnydale führen? Wir haben nämlich wirklich ein paar interessante Flecken hier. z.B. unsere abgebrannte Highschool, unter der der Höllenschlund schlummert, den berühmten Friedhof, Spikes berüchtigte Lagerhalle, den Trophäenschrank des Bürgermeisters..." plapperte Buffy drauf los, ohne Giles steigendes Unbehagen zu bemerken.
"Buffy! Das reicht." unterbrach sie Giles. "Mein Vater ist nicht hier um Urlaub zu machen, sondern...uhm ja, sondern wegen des Rates."
"Wegen dem Rat? Dem Rat der Wächter? Sind sie etwa noch aktiv? Ich dachte, sobald der nächste Wächter übernimmt, kann sich der andere zur Ruhe setzten?"
"Das stimmt soweit. Ich bin nicht mehr aktiv. Aber man hat mich in den Vorstand des Rates der Zwölf gewählt."
"Und das bedeutet?" Buffy sah fragend zu Giles und wieder zurück zu Giles senior.
"Er gehört dem obersten Gremium an. Die sogenannten "Zwölf". Er darf Entscheidungen fällen." klärte sie Giles auf.
"Wow, daß heißt sie haben indirekt ihren eigenen Sohn gefeuert?" Buffy verstand langsam, warum Giles wenig über seinen Vater sprach.
"Wir sahen das mehr als Strafmaßnahme. Jetzt ist es an der Zeit, daß Rupert seinen Dienst wieder antritt."
"Moment mal, ich habe gekündigt, oder? Ohne Jägerin auch kein Wächter." Buffy sah wenig Vergnügen darin, dem Rat erneut erklären zu müssen, daß sie nicht mehr von ihm Befehle entgegen nahm.
"Oh, mit dir hat das nichts zu tun. Du bist für uns in deinem Kampf gegen das Böse zu wichtig, als das wir dich zu irgendetwas zwingen wollten oder gar könnten. Rupert und dieser Wyndam-Pryce haben dich einfach falsch angepackt, da konnte nichts anderes dabei herauskommen. Und dann spielt da auch noch diese antiautoritäre, moderne Erziehung mit, die man heute so gerne promotet. Nein, Rupert soll als Ausbilder tätig werden."
"Eine neue Jägerin? Giles, sie haben mir immer etwas vorgefasselt, daß ich die Auserwählte bin und..."
"Nicht als Wächter. Als Ausbilder eines neuen Wächteranwärters." teilte ihr Giles senior mit.
Giles folgte der Unterhaltung kommentarlos, während er das Frühstück zubereitet und sich hin und wieder laut räusperte oder lauter als nötig mit dem Geschirr klapperte. Es war eindeutig, wer hier das sagen hatte.
"Heißt das, sie müssen zurück nach ...nach England!" Panik schwankte in ihrer Stimme. Giles gehörte zu ihrem Leben wie, ja wie ihre Eltern, Willow, Mr. Godo, ihr Jagen. Es war unvorstellbar Giles in England zu wissen, während sie hier alleine versuchte die übernatürlichen Kräfte zu bezwingen. Giles war zu ihrem Ersatzvater geworden, Freund und Berater. "Nein, keine Angst. Rupert wird seine Aufgabe hier erfüllen. Der Wächteranwärter befindet sich hier in Sunnydale."
<Wie konnte es auch anders sein?> dachte Buffy. <In Sunnydale schien sich auch alles zu treffen>
"Und wer ist es?" wollte sie von den beiden wissen.
London am selben Tag.
Die Schmerzen waren unerträglich. Sein Kopf fühlte sich um Tonnen schwerer, seine Augen brannten und seine Glieder schmerzten. Es ging in ihm etwas vor. Aber es war niemand da, denn er hätte fragen können. Sein Beherrscher war für einige Tage nicht hier und solange versorgte ihn ein "Wärter". Er existierte nur dank seines Beherrschers, aber im Moment war er alles andere als dankbar und wünschte sich, die Gitterstäbe stünden nicht zwischen ihnen und sein Beherrscher wäre hier.
Die Schmerzen klangen ein wenig ab und er konnte wieder klar denken. Er war hier ein Fremder, er verstand die Sprache nicht. Nur sein Beherrscher konnte per Gedankenaustausch mit ihm Kommunizieren, hatte es aber bisher auf ein Minimum beschränkt. Er sehnte sich nach seiner Freiheit, er hatte Heimweh und war voller Hass. Er war ein Gefangener der Zeit, in dieser Welt würde er früher oder später sterben und es gab keinen Weg zurück nach Hause. Er war seinem Beherrscher ausgeliefert.
Sein Beherrscher hatte ihm nicht gesagt, was er von ihm wollte, noch warum er ihn erschaffen hatte. Er saß solange er denken konnte, in diesem Käfig und ließ sich von den Anwesenden anstarren, messen, an sich herum experimentieren und im schlimmsten Fall sogar an sich herum erziehen. Aber was er war oder was seine Aufgabe war, lag für ihn immer noch im Dunklen. Er mußte hier raus, solange die Veränderung in ihm vorging. Er rüttelte an den Stäben, schrie und brüllte. Es dauerte nicht lange, bis die Tür aufflog und drei Männer, bewaffnet mit Eisenstangen, hereinstürmten. Er wich nicht wie üblich aus Angst vor ihnen zurück, denn sie hatten die Anweisungen beim geringsten Widerstand mit ihren Eisenstangen unbarmherzig auf ihn einzuprügeln, bis er wimmernd am Boden lag. Erziehungsmaßnahmen, nannte das sein Beherrscher.
Der Vorderster öffnete das Zahlenschloss und sprach beschwichtigend auf ihn ein. Er verstand kein Wort. Er wich zurück, aber nur um die anderen beiden eintreten zu lassen. Dann sprang er den ersten an und schlug ihn nieder. Die beiden anderen griffen ihn an, aber es genügte ein Prankenschlag mit seiner Klaue, um den zweiten Mann zu töten und auch der dritte wurde von ihm gnadenlos zerfetzt. Blut spritze an die Wand und auf seinen Körper. Der Geruch machte ihn wild und er zwang sich zur Flucht. Er hätte großen Spaß daran gehabt auch den Dritten zu töten, aber einer sollte dem Beherrscher erzählen, was hier passiert war.
Er sprang durch die offene Tür und sah sich gehetzt um. Der Raum war leer. Er eilte weiter und blieb abrupt stehen. Ein Spiegel hatte seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er starrte sein Spiegelbild an und war selbst zu tote erschrocken. Ihm sah ein 2 Meter großes Untier mit einem rötlich-orangen Gesicht entgegen, dessen Augen sprühten rotes Feuer, an den Schläfen waren kleine Hören hervor getreten und über den Scheitel wanderte ein gelber, spitzer Kamm. Was war mit ihm geschehen?
Auf jeden Fall war der Beherrscher daran schuld. Und dafür würde er mit seinem Leben bezahlen müssen. Egal wohin er ihm folgen mußte.
"Xander?" Willow riss erstaunt ihre Augen auf. Sie saß mit Buffy in ihrem Studentenzimmer auf dem Bett, lutschte an einem Eis und wollte nicht glauben, was Buffy ihr gerade erzählt hatte.
"Der Rat irrt sich da nicht?"
"Der Rat irrt sich nie. Jedenfalls hat mir das SIR Giles erklärt." Buffy mußte kichern, als sie an den alten Briten dachte.
"Oh Mann, kannst du dir unseren Xander als Wächter vorstellen?" fragte Willow Buffy und beide brachen beim Gedanken daran in lautes Gelächter aus.
"Ob Anya darüber begeistert sein wird? Und ich dachte Xander endet eines Tages als Autowäscher oder Bartender. Wann wird es Xander erfahren? Oder hast du es ihm schon erzählt?"
"Nein. Die beiden Giles meinten es wäre ihre Aufgabe Xander von seiner Bestimmung zu unterrichten. Wann das aber sein wird, haben sie nicht gesagt. Aber es wird bald sei, denn Giles Senior bleibt nur für zwei Wochen."
"Nur?" Willow warf die leere Eispackung in den Mülleimer. "So wie du mir berichtet hast, scheint Giles nicht gerade begeistert über seinen Vater zu sein."
"Na ja, wir würdest du dich fühlen, wenn deine Mutter oder dein Vater mit schuld sind, wenn du deinen Job verlierst?" Buffy schaltete den Fernseher aus.
"Hoffentlich überlebt Giles die zwei Wochen", grinste Willow. "Laß uns schlafen gehen. Wir haben doch morgen diese Psychologieklausur."
Buffy knipste das Licht aus. Bevor sie einschlief, dachte sie noch einmal über Giles senior nach. Er war ihr irgendwie unsympathisch und das, obwohl er von ihrem Giles der Vater war. Trotzdem hatte dieser Mann etwas an sich, daß ihr nicht gefiel.
"Hey Oz. Wartest du schon lange auf uns?" Willow gab Oz einen Kuß auf die Stirn. Oz saß draußen an einem freien Tisch der Unicafeteria. Buffy und Willow nahmen platzt.
"Bin selbst gerade gekommen." Oz gab Willow einen Kuß zurück auf die Backe. Buffy sah leicht frustriert zu. Sie mußte sofort unwillkürlich an Angel denken, der nun in L.A. lebte und sie vermißten ihn unglaublich. Trotzdem gönnte sie den beiden ihr Glück.
"Du wirst nicht glauben, was Buffy von Giles erfahren hat. Giles soll Xander zu einem Wächter ausbilden. Kannst du dir das vorstellen?"
Auf Oz Stirn bildeten sich tiefe Falten, als er die beiden ungläubig anstarrte. "Ihr macht Witze, oder?"
"Nein, Willow sagt die Wahrheit. Xander gehört laut den alten Schriften des Rates auf irgendwelchen verschlungenen Wegen zu einer alten Wächterfamilie. Genaures haben die mir gestern auch nicht erzählen wollen. Xander weiß übrigens noch nichts von seinem Glück. Also, stillschweigen."
"Das wird mir nicht schwer fallen," Oz grinste.
"Hey, meine lieben, gebildeten Uni-Freunde," Xander eilte in einer Burger King Uniform über den Campus auf sie zu. Er sah recht lächerlich in diesem Aufzug aus. "Was gibt es neues von Giles? Du warst doch gestern bei ihm oder?" Xander nahm ungefragt platzt, stahl sich eine Sandwichhälfte von Willows Teller und klaute Buffy den Muffin vom Teller. Beide wollten protestieren, sahen sich dann an und brachen in lautes, unkontrolliertes Gelächter aus, als sie wieder an Xander gleich Wächter denken mußten.
"Was ist denn mit euch los? Oz, habe ich irgendetwas verpaßt?" Er versuchte sich das Sandwich und den Muffin gleichzeitig in den Mund zu stopfen.
Oz zuckte nur mit den Schultern.
"Also, was ist jetzt mit Giles Vater?" nuschelte er mit vollem Mund.
"Er ist recht unsympathisch. Jedenfalls mir. Wir müssen uns Giles für die nächsten zwei Wochen mit ihm teilen. Ach ja, er gehört zu den sogenannten "Zwölf" des Rates. Das höchste Gremium. Er ist also an diesen ganzen Regeln Mitschuld und er fällt Entscheidungen. Er hat also auch Giles entlassen, was aber nach seiner Meinung eine Art Maßregelung für Giles war. Giles soll wieder für sie Arbeiten. Eigentlich ist von wollen nicht die Rede. Sir Giles drückte das eher wie ein Befehl aus. Giles soll hier in Sunnydale einen Wächter ausbilden."
"Oha und wer ist der Glückspilz, der unter Giles Fuchtle zu geraden droht?" Xander hatte sein Mahl beendet und putzte sich die Krümel vom Hemd.
"Eh, ja, also das wollten sie nicht sagen. Sie machen daraus ein großes Geheimnis. Aber früher oder später...oh!" Buffy hielt mitten im Satz inne, als sie Giles mit seinem Vater auf sich zu kommen sah. "Was wollen denn die zwei hier?"
"Mhm?!" Willow sah fragend in die Richtung in die Buffy sah und auch Oz und Xander drehten sich um.
"Oh, halten sie mir bloß ihren Vater vom Leib. Ich habe jetzt noch einen blauen Fleck auf dem Arm." Instinktiv rieb Xander sich die besagte Stelle und warf Giles senior einen bösen Blick zu.
"Den Gefallen würde ich mir gerne selbst tun," murmelte Giles kaum hörbar.
"Hast du im Moment Zeit, Xander?"
"Ich?!" Xander sah fragend in die Runde.
"Ich wüßte nicht, wer sonst noch hier Xander heißen sollte," Giles Laune war nicht besser geworden. "Zudem suchen wir schon den halben Vormittag nach dir."
"Ich arbeite. Ist das so ungewöhnlich? Für die nächste Stunde habe ich frei. Aber um zwei muß ich zurück sein, wenn ich mir nicht wieder einen neuen Job suchen will." Xander machte keine Anstalten aufzustehen.
"Ich denke nicht, daß du in nächster Zeit einen Job brauchst. Wir müssen mit dir reden, alleine." Giles machte eine einladende Geste, die sowohl ‚komm mit uns' bedeuten konnte oder aber auch für den Rest der Clique ‚verschwindet von hier'.
Buffy wußte zwar, was sie Xander so geheimes und wichtiges zu sagen hatten, aber trotzdem fühlte sie so etwas wie Eifersucht aufkommen. Sie war immerhin die Jägerin und Giles war ihr Wächter, na gut Ex-Wächter. Er schien sie auszugrenzen.
"Willow? Oz? Kommt ihr?" Sie erhob sich. Sollte sich doch Xander alleine mit den beiden Egozentrikern amüsieren.
"Argh, ich halte das nicht länger aus," Spike knallte mit dem Kopf gegen eines der alten Regale im Keller unter Giles Wohnanlage. Hätte er ihn nicht einfach bei einen der anderen unterbringen können? Nein, er hatte ihn in den Keller gesperrt. Wenigstens hatte er ihm vorher eine warme Tasse Blut gebracht. Wenn er eines Tages wieder in der Lage sein sollte zu transformieren, dann, oh ja, dann würde er es ihnen allen heimzahlen. Obwohl er insgeheim genau wußte, daß dieser Tag nie kommen würde. Wie oft hatte er es schon versucht und war am Ende der Dumme gewesen. Ja, wenn er noch Dru an seiner Seite gehabt hätte, dann hätte er wenigstens einen Trost gehabt. Aber sie wollte ja lieber ihr Leben mit diesem häßlichen Dämon verbringen. Bitte sollte sie doch.
"Warum ich!" schrie Spike die Wand an und starrte dann böse die Tasse mit dem Strohalm an. In einen Anfall von Wut fegte er sie auf den Boden. Gut, dann würde er heute auf sein Mittagessen verzichten und Giles durfte die Sauerei wegwischen.
Und alles nur wegen dem ungebetenen Gast. Nicht mal über ihn reden hatte Giles wollen. Außer, dass er für die nächsten zwei Wochen in diesem Loch wohnen mußte. Kein Fernsehen (also auch keine Soaps) und keine Möglichkeit auf Unterhaltung (nicht das er besonderen Wert auf die Gesellschaft dieser Vampirkiller legte, aber besser als überhaupt keine). Enttäuscht ließ er sich auf eine leere Obstkiste fallen.
Xander sah entsetzt zwischen Vater und Sohn hin und her. Die aufkommende Panik sah man ihm deutlich an. Er wollte was sagen, brachte aber kein Ton heraus. Giles legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter und Giles Senior spielte an seinem Gehstock herum.
"Ich...sie...das...das ist kein Witz, oder so?" stieß er schließlich hervor.
"Tut mir leid, Xander." Und Giles meinte es so, wie er es sagte.
"Wieso ich? Ich meine, ich...ich bin bestimmt nicht der geeignete Kandidat für so was und sie Giles, sollten das am besten wissen. Ich geh ja noch nicht einmal auf die Uni oder auf ein College." Xander lachte nervös.
"Oh, ja. Ich wollte es auch nicht glauben." seufzte Giles beim Gedanken an Xanders bisherige Leistung als Hilfsjäger und Hilfswächter. "Aber die Schriften lügen nicht und beim Quellenvergleich gab es keine Unstimmigkeiten."
"Und der Rat irrt sich nie," setzte Senior seinen Kommentar hinzu.
"Das hatten wir bereits schon mehrmals, Vater. Ich glaube kaum, daß das für Xander eine ausreichende Erklärung ist." Giles nahm seine Brille ab und rieb sich die Augen. "Wir werden uns in aller Ruhe bei mir zusammensetzten und ausführlich darüber reden. Mein Vater kann dir die Hintergründe besser erklären, als ich im Moment. Am besten kommst du gleich nach Feierabend vorbei."
"Eh, ja ich hatte eigentlich eine Verabredung mit Anya..."
"Das dürfte vorbei sein, mein Junge. Du solltest dich früh genug daran gewöhnen, daß dein Privatleben nicht mehr Priorität eins hat. Du hast eine jetzt viel größere Verantwortung...", Giles senior unterstrich jedes seiner Worte mit dem Aufstampfen seines Stockes auf den Rasen. "Rupert, du hast eindeutig hier die Zügel schleifen lassen. Die jungen Leute hier zeigen kein Spur von Respekt und das Buffy sich vom Rat abgewendet hat..."
"Versuch es Anya schonend bei zu bringen. Wir gehen." fuhr Giles seinem Vater über den Mund. Genug war genug. Er mußte sich nach so vielen Jahren der Erfahrung nicht sagen lassen, wie er seine Arbeit hätte besser machen können. Und über Buffy durfte auch sein Vater kein Wort verlieren.
Er war an seinem Ziel angekommen. Er wußte nicht wo er war, noch konnte er im nachhinein sagen, wie er hier her gekommen war, aber als er die Witterung aufgenommen hatte, war er einfach losgelaufen. Er war über die Geschwindigkeit, die er an den Tag gelegt hatte selbst überrascht gewesen. Als er an den gewaltigen See gelangte, war er ohne zu zögern in die Fluten gesprungen und mehrere Tage ohne Erschöpfungserscheinungen geschwommen, bis er auf dieses Land gestoßen war. Der Witterung folgend, hatte er den Ort seiner Bestimmung erreicht. Nun saß er hier in seinem Versteck und hoffte die Spur wieder aufnehmen zu können, wenn es dunkel wurde und ihn niemanden sah.
Seine Rache rückte näher.
"Was sollte das vorhin, Vater?" Giles warf die Haustür verärgert ins Schloss.
"Was denn?"
"Du...du tauchst hier nach fast...uhm... fünf Jahren wieder in meinem Leben auf und nimmst dich gewaltig wichtig. Du, du bist dir nicht mal...uhm... zu schade, meine Autorität bei Buffy und ihren Freunden in Frage zu stellen. Es geht dich nichts an, wie ich meine Arbeit erledigt habe. Ich habe sie getan, daß sollte reichen." Giles war nervös, versuchte aber ruhig zu bleiben. Was wollte sein Vater wirklich? Bei seiner Entlassung hatten sie auch keinen der Würdenträger geschickt, sondern Quentin Trevors. Es hätte eine schriftliche Benachrichtigung genügt, oder ein Anruf und er hätte genauso naiv diesen neuen Auftrag angenommen.
"Was willst du von mir?" Er sah seinen Vater herausfordernd an.
"Was ist daran auszusetzen, wenn ich meinen Sohn wieder mal sehen möchte? Du kommst von dir aus ja nicht nach London."
"Ach, nach fünf Jahren fällt dir das auch mal auf? Jetzt sag mir schon die Wahrheit."
"Es gibt nichts, was ich dir sagen könnte. Ich dachte ich nutze deine Rückbeorderung, um dir die Nachricht persönlich zu überbringen und dich in deiner neuen Wahlheimat zu besuchen."
"Mhm", Giles nahm mit einem grimmigen Blick auf seinem Sofa platz.
"Warum glaubst du mir das nicht?" Giles senior nahm neben seinem Sohn platzt.
"Warum? Wie war das vorhin, als du zu Xander sagtest ‚dein Privatleben ist nicht mehr Priorität eins?' Dieselben Worte die du mir seit ich zehn Jahre alt bin gepredigt hast. Immer und immer wieder. Das Leben, das du geführt hast, indem Mom und ich nicht vorkamen, sondern nur der Rat der Wächter, hast du mir aufgezwungen und als ich versuchte auf eigenen Füßen zu stehen, warfst du mir einen Knüppel nachdem anderen zwischen die Beine. Mir blieb nur die Flucht nach Amerika, um zwischen dir und mir Distanz zu gewinnen." Giles war erregt aufgesprungen und lief zwischen seinem offenen Kamin und der Eingangstür auf und ab. "Der Mann, der mehr Interesse seiner Jägerin oder besser gesagt der Suche nach seiner Jägerin gezollt hatte, als dem ersten Gehversuch seines Sohnes, der mehr Freude an den Treffen der Wächter hatte, als an meiner ersten Theateraufführung, der bei Moms Tod in Ungarn auf einem Vortrag des Rates weilte, anstatt an ihrem Sterbebett und der Mann der nur an meinem guten Abschneiden als Wächter Rupert interessiert war, als an dem Menschen Rupert, will mir jetzt weiß machen, daß er wirklich Interesse an mir hat und deshalb in seinem Alter den weiten Weg gemacht hat? Ha," Giles ließ sich gegen den Türrahmen fallen und verschränkte die Arme vor der Brust. Sein Vater hatte kein einziges Wort gesagt oder gar den Versuch gestartet ihn zu unterbrechen. Jetzt war es an ihm etwas Vernünftiges zu sagen. Aber der alte Mann saß nur da und starrte Giles an. Es war schwer zu sagen, ob ihn Giles Sicht der Dinge berührt hatte oder nicht. Nach einer kurzen Pause zwischen ihnen, die Giles wie Stunden vorkamen, seufzte sein Vater laut und sah ihn dann doch, wie es Giles schien, traurig an.
"So siehst du das also?" Giles senior starrte auf seine Schuhspitze. "Nun wir wissen ja beide, was dabei herauskommt, wenn du versuchst auf eigene Faust etwas auf die Beine zu stellen. Nimm deinen Freund Ethan Rayne und die Erschaffung von Eyghon. Wäre ich damals nicht schon einer der Zwölf gewesen, hätte man dich aus dem Kreis der Wächter ausgeschlossen. Und dann das Fiasko mit deiner ersten Jägerin. Läßt sie in das Verderben rennen und weißt am Ende alle Schuld von dir. Zum Glück hast du mit Buffy eine wahre Goldader angezapft. Ich verstehe bis heute noch nicht, warum man dir Buffy anvertraute. Aber das lag wahrscheinlich auch an meinem Einfluss und an dem deiner Großmutter. Wissen deine Freunde oder Buffy eigentlich, was du für ein Versager bist?"
"Das...das... geht dich nichts an! Und eins sage ich dir gleich, wenn Xander der Aufgabe nicht gewachsen ist und seine Berufung ablehnt, werde ich voll hinter ihm stehen und ihn bestärken, oh ja, Sir." Giles verließ die Wohnung.
Er braucht frische Luft, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Es hatte nur einen Tag benötigt, bis sie sich wieder in die Haare bekamen und in Giles der Rebelle geweckt wurde. Er würde alles tun, um Xander zu helfen, egal wie er sich entschied. Es wurde Zeit, mal wieder nach Spike zu schauen.
"Hast du irgendwas, Buffy?" Willow war nicht entgangen, daß Buffy unkonzentriert der Vorlesung gefolgt war und auch jetzt geistesabwesend neben ihr zurück zu ihrem Studentenheim lief.
"Was? Ach so, nichts. Wirklich Willow," betonte Buffy, als sie Willows skeptischen Blick bemerkte.
"Ach ja? Und warum bist du dann gerade an Riley vorbei gestürmt, obwohl er ganz nett "hallo" gesagt hatte?" Willow deutete zurück, auf Riley, der recht irritiert den zwei nach sah.
"Riley? Hättest du das nicht gleich sagen können?" Buffy drehte sich nervös um, aber Riley war bereits weitergegangen. "Na ich zeig mich ja auch wirklich von meiner besten Seite. Ich wollte mal wissen was der von mir denkt."
"Ganz uninteressiert scheint er nicht zu sein," grinste Willow.
"Ach hör schon auf. Ich bin noch nicht über Parker hinweg und beim bloßen Gedanken an Angel...", Buffy machte ein trauriges, melancholisches Gesicht und Willow fand es an der Zeit das Thema schnell zu wechseln.
"Also an was hast du gerade gedacht?"
"Ach, mir macht Giles sorgen. Er scheint mit seinem Vater ernsthafte Probleme zu haben. Er ist so...so schlecht drauf, seit er hier ist. Und dann fühle ich mich irgendwie, ja wie das fünfte Rad am Wagen. Ich bin nicht mehr seine Jägerin und jetzt bekommt er Xander. Ich komme mir überflüssig vor."
"Bist du etwa eifersüchtig?"
"Eifersüchtig? Ich? Nein, Willow wie kommst du da..., o.k., ja! Ich gebe es zu." Buffy war nicht gerade stolz darauf, aber es war die Wahrheit. Und sie fühlte sich ein wenig besser, nachdem sie es zugegeben hatte.
"Vielleicht solltest du zu Giles gehen und mit ihm darüber reden?" schlug ihr Willow vor.
"Meinst du?"
"Warum nicht? Du erfährst dann vielleicht auch etwas über Giles Problem? Ich jedenfalls hab nachher ein Treffen mit der Hexenvereinigung."
"Ist die eigentlich was?"
"Weniger für mich. Es handelt sich da nur um "Möchtegern" Hexen, die viel palavern und diskutieren. Wenn ich mal das Gespräch auf die wirkliche Hexenkraft lenke, lachen sie mich meistens aus. Ich glaube, die haben bisher nur ein wenig Geister angerufen, aber gehext hat noch keine von ihnen. Aber es ist ganz nett. Sehen wir uns heute abend im Bronze?"
"Mal sehen Willow. Vielleicht gehe ich heute Abend auch mal wieder auf Patrouille. Bis später, dann."
"Was soll das heißen, du hast keine Zeit," Anya saß halb entkleidet auf Xanders Klappbett und sah Xander zu, wie er versuchte sich etwas Sauberes aus seinem Wäschehaufen herauszuangeln.
"Das ich heute abend eben keine Zeit habe. Giles will mit mir heute abend...eh...Dinge besprechen."
"Was für Dinge?" Xander seufzte, wenn Anya sich mal an was festgebissen hatte, ließ sie nicht locker.
"Dinge eben, was weiß ich," Xander warf das eben hervorgezogene Hemd zurück. "Hab ich denn wirklich nichts mehr zum Anziehen? Warum machst du dich nicht mal nützlich."
"Ich? Ich war 1120 Jahre lang eine Dämonin. Woher soll ich wissen, wie man Hausfrauenarbeit erledigt? Geschweige denn, wie man so eine Maschine bedient."
"Hab` schon verstanden. Überarbeite dich mal nicht." Er wurde endlich fündig. Das Sweatshirt war sauber und sah etwas eleganter aus, als seine bunten Hemden.
"Heißt das, wir müssen auf unser, du weißt schon, auf unseren Quicky verzichten?" Anya schmollte.
"Hast du eigentlich auch mal was anderes im Sinn, als nur Sex?"
"Das fragst gerade du? Jedenfalls, wenn ich dich so oben Ohne sehe, deine Muskeln, dann kann ich nur an das eine denken." Anya zog sich enttäuscht wieder an. "Du weißt ja, wo du mich findest, im Fall das du dir das anderes überlegst." Und damit verschwand sie aus seiner Kellerwohnung, nicht ohne laut die Tür hinter sich zu zuschlagen.
<Prima gemacht, Junge> dachte sich Xander. <Deine Laufbahn nimmt ja schon tolle Züge an.>
Und dann macht er sich mit gemischten Gefühlen auf den Weg zu Giles.
Buffy hatte Willow am Nachmittag angelogen. Sie ging keines Wegs auf die Jagd. Auch war sie nicht bereit mit Giles über ihre steigende Eifersucht zu reden. Im Gegenteil. Sie wollte versuchen damit alleine fertig zu werden. Sie hatte es ja auch ohne fremde Hilfe geschafft, über Angels Tod hinwegzukommen. Allerdings war sie nicht so leicht über die erneute Trennung hinweg. Sie ging auch nicht ins Bronze, sondern zu Angels alter Wohnung. Die Vordertür war verschlossen, aber ein gezielter Schlag auf das Schloss und die Tür stellte schon kein Hindernis für Buffy mehr dar. Drinnen war es kalt und die ersten Spinnweben nisteten sich in den Ecken ein. Ein Taubenschwarm flatterte bei Buffys Eintreten aufgeschreckt nach oben in das Gebälke. Buffy schloss die Tür und ging auf den erloschenen Kamin zu. Kalte Asche lag noch in ihm und sie musste an die letzte gemeinsame Nacht mit Angel hier zurückdenken. Das war vor dem Abschlussball gewesen. Es schien ihr wie eine kleine Ewigkeit. Sie war hier hergekommen, um besser nachdenken zu können. Sie musste einen Weg finden, mit der Trennung von Angel zurecht zu kommen und auch mit dem veränderten Verhältnis zu Giles. Es war im Moment nicht leicht für sie. Und das Auftauchen von Giles Vater verwirrte sie noch mehr. Es half alles nichts. Sie musste mit Giles reden. Jetzt!
Er stand im Schatten eines alten Baumes und sah zur anderen Straßenseite rüber. Die Spur hatte hier geendet. Sein Beherrscher musste hier irgendwo sein. Noch war es nicht vollständig dunkel und so musste er sich in Geduld üben. Er beobachtete eine junge, blonde Frau, die sich dem Haus gegenüber näherte. Sie klopfte an einer der äußeren Türen und als sich diese eine Tür öffnete, wäre er vor Begeisterung und Ungeduld fast aus seinem Versteckt herausgetreten: sein Beherrscher!
"Ja?" Sir Giles öffnete nur einen Spaltbreit die Tür. Und das beunruhigte Buffy noch mehr. "Oh, die Jägerin. Willst du zu Rupert?"
"Eigentlich ja. Ist er nicht hier?"
"Er ist vor über zwei Stunden aus dem Haus. Seit dem habe ich nichts von ihm gehört." Sir Giles war nicht bereit die Tür weiter zu öffnen und Buffy konnte an dem großen Mann nicht vorbei ins Innere blicken.
"Hat er nicht gesagt, wohin er wollte?"
"Nein. Soll ich ihm was ausrichten?"
"Nicht nötig. Danke!" und ‚RUMMS' warf Giles Senior ihr die Tür vor der Nase zu.
<Prima, was ist denn ihn den gefahren?> Buffy starrte die Tür an und überlegte krampfhaft, wo Giles stecken konnte.
"Oh, Jägerin. Was verschafft mir die Ehre?" Spike lehnte im hintersten Winkel an einem Regal und sah Buffy verächtlich entgegen.
"War Giles hier?" Buffy hatte heute wenig Lust sich mit Spike zu streiten und kam gleich zur Sache.
"Was bekomme ich, wenn ich es dir sage? Ein wenig frisches Blut der Jägerin?" Spike kam näher.
Buffy lächelte ihm entgegen. Was hatte sie schon von einem impotenten Vampir zu befürchten?
"Nein, aber vielleicht eine gebrochene Nase? Ich meins ernst Spike. Wo ist Giles?"
"Was weiß ich!? Er war vor Sonnenuntergang hier und hat mir meine übliche Portion Blut gebracht. Widerliches Zeug. Pfui Teufel." Spike schüttelte sich beim Gedanken an das warme Schweineblut.
"Ziehst du es vor, lieber zu verhungern?" Buffy spürte die gewohnte Aggression gegen Spike aufkommen.
"Nein, aber warmes Jägerinnenblut wäre mir lieber."
"Spike!" Buffy ballte drohend die Fäuste und Spike fand es klüger jetzt nichts mehr zu sagen.
"Also?"
"Er sprach nicht viel und war auch gleich wieder verschwunden. Wenn du mich fragst, hat ihn irgendjemand gehörig auf die Palme gebracht."
"Danke, Spiky. Dann bis morgen."
"Hey! Hey, hey, hey! Warte."
"Was ist denn jetzt schon wieder?" Buffy wand sich genervt erneut zu Spike."Ihr sperrt mich hier unten ein, keiner sagt groß warum und dann kümmert ihr euch einen Dreck um mich."
"Ich wüsste nicht, warum ich mit dir meine kostbare Zeit verschwenden sollte. Vorschläge?"
"Mir ist langweilig." Spike schien tatsächlich zu schmollen.
"Das hättest du dir vorher überlegen sollen, bevor du dich hast einfangen lassen und bevor man an dir herumexperimentierte. Machs gut." Und weg war sie.
Spike starrte ihr wütend hinterher. Er versuchte zu transformieren, wohl wissend, dass dieser Versuch nach hinten los ging, aber er war mordsmäßig wütend. Ein stechender Schmerz fuhr durch seinen Kopf, die Augen brannten und die Eckzähne schmerzten. Er schrie vor Schmerz und knallte mit den Fäusten gegen die Wand.
Giles war, nachdem er Spike verlassen hatte, ziellos in seinem Auto durch Sunnydale gefahren. Wo hätte er auch schon hin sollen? In seiner Wohnung machte sich sein Vater breit, Buffy schien ihn immer weniger zu brauchen und zudem wollte er sie nicht belästigen, Willow hatte nicht abgenommen, als er die beiden telefonisch zu erreichen versucht hatte und Xander, ja Xander war nun eine ganz andere Sache geworden.
Um so öfters er darüber nachdachte, um so absurder kam ihm die Vorstellung vor. Xander sollte einer von ihnen werden. Sicher mochte er Xander - auf seine Art. Aber Xander war doch kein Wächter. Selbst wenn er, Rupert Giles, seit über 20 Jahren im Dienst des Rates, sein bestes gab, würde Xander nie seine Klasse erreichen. Oder die seiner Großmutter. Seinen Vater ließ er mal aus dem Spiel. Er hatte nie eine Jägerin betreut oder ausgebildet. Dieser starrköpfige alte Mann, wusste doch gar nicht was es hieß an der Front zu stehen. Er versteckte sich hinter den Gesetzen des Rates, aber mehr steckte auch nicht dahinter.
Giles bemerkte, dass er automatisch zum Friedhof gefahren war. Die Sonne war bereits untergegangen. Jetzt war es bestimmt nicht ratsam alleine auf den Friedhof zu gehen. Aber er hatte das starke Bedürfnis Jennys Grab zu sehen.
Er steckte sich ein Kreuz in die Tasche und nahm einen Pflock in die Hand. Immerhin hatte er schon gegen Schlimmeres gekämpft. Er wohnte zu Zeit sogar mit einem Vampir zusammen.
Am Grab starrte er düster den Grabstein an. Was war das nur für ein verrücktes Leben, das er da führte? Ein Leben, das ihm solche Opfer abverlangte? Sollte er wirklich Xander das antun?
"Giles?" Buffy trat leise an seine Seite und berührte ihn sanft am Arm. Trotzdem zuckte er erschrocken zusammen. "Alles in Ordnung?"
Giles sah niedergeschlagen aus.
"Ich weiß nicht Buffy." Er zuckte kaum merkbar mit den Schultern. "Wie hast du mich gefunden?"
"Zufall! Als ich sie zu Hause nicht antraf, dachte ich mir das der Friedhof mal wieder einen Besucht nötig hätte."
"Und, warst du erfolgreich?"
"Ein Vampir und ein Dämon." bestätigte Buffy, nicht ohne Stolz.
Giles lächelte sie zu frieden an. Mehr brauchte er nicht zu sagen.
"Fahren wir?" Giles und Buffy gingen schweigend zu seinem Auto zurück.
"O.k. Wird mir der Rat eine eigene Wohnung bezahlen? Oder noch besser ein Auto? Zahlt er auch einen anständigen Gehalt? Und wo um alles in der Welt steckt Giles?" Xander war noch nicht durch die Tür getreten, als er Sir Giles mit seinen Fragen bombardierte.
"Langsam, langsam. Giles wird hoffentlich bald hier sein. Ohne ihn können wir nicht anfangen. Setz dich doch solange."
"Nein, nein. Ich bin viel zu sehr aufgeregt und nervös um still zu halten." Xander zappelte tatsächlich unruhig hin und her und Sir Giles wurde selbst dabei ganz kribbelig.
"Ich hoffe, mein Sohn nimmt seine Pflicht ernst..."
"Giles? Machen sie Witze? Er ist Mr. 100%ig. Wenn sie sich sonst auf niemanden verlassen können, auf Giles schon."
Etwas schepperte hinter dem Haus. Xander und Sir Giles sahen sich erschrocken an. Das Licht ging plötzlich aus und Xander nahm einen gewaltigen Schatten am hintersten Fenster wahr. Dann zerbarsten die Scheiben und Xander ging in die Hocke, um sich vor dem Scherbenhagel zu schützen.
"Was ist hier eigentlich los, Giles?" unterbach Buffy ihr Schweigen. "Und versuchen sie erst gar nicht Details auszulassen. Ich merke das, wenn sie versuchen mich anzuschwindeln."
Giles umklammerte sein Lenkrad etwas fester als nötig, schwieg aber.
"Erde an Giles!" Buffy gefiel das Ganze immer weniger.
"Es...uhm, ja. Es gibt ein paar Dinge in meinem Leben, auf die ich nicht besonders stolz bin. Und dazu gehört auch mein Vater. Und andere, eh, gewisse Umstände, die mich zu dem machten was ich heute bin."
"Das weiß ich doch Giles. Wir hatten alle damals..."
"Ich meine nicht Ethan und, eh, Eyhogn. Es gibt da noch viel mehr, was ich dir nicht erzählt habe. Zum einen, weil ich es zu Beginn nicht für wichtig hielt und jetzt hatte ich irgendwie die Erinnerungen daran verdrängt. Mein Vater brachte sie jedoch wieder hervor."
"Giles, sie sind mein Freund. Sollten Freunde sich nicht alles erzählen und sich hin und wieder die Sorgen teilen? Und was heißt, sie hielten es nicht für wichtig?" Buffy fühlte sich verletzt.
"Ich...ich hielt damals eine formelle, sachliche Beziehung zwischen Wächter und Jägerin für das beste. Aber wie du ja selbst weißt, hast du mich eines besseren belehrt," stoppte Giles Buffys Versuch Einspruch zu erheben. Sie grinste.
"Ich, wir, uhm ja, aus unserer Beziehung ist viel mehr geworden als nur Befehlsgeber und Befehlsausführer. Ich hätte dir schon längst mehr über mich und meine Vergangenheit erzählen sollen. Aber nicht hier im Auto. Einverstanden?" Giles sah kurz von der Straße zu Buffy. Er sah, dass Buffy damit unzufrieden war, aber trotzdem nickte.
"Danke!" flüsterte er erleichtert und Buffys Sorgen wuchsen.
"Was...um Himmels willen, was ist hier denn passiert?" Giles rannte zu der offenstehenden Eingangstür seiner Wohnung. Buffy folgte ihm alarmiert. Es brannte drinnen kein Licht und die Tür war offensichtlich aus der Angel gehoben worden.
"Dad?" Giles rannte ins Innere, obwohl Buffy versuchte ihn aufzuhalten. Wer weiß, wer oder was da drinnen lauerte? Glas knirschte unter ihren Füssen und der Wind pfiff durch die offene Tür und die zerbrochenen Fensterscheiben. Ein gewöhnlicher Einbrecher war das bestimmt nicht gewesen. Nicht ihn Sunnydale.
"Dad?" Giles stand zwischen Küche und Wohnzimmer und starrte in die Dunkelheit. Der Lichtschalter reagierte nicht, als Buffy ihn betätigte.
"Oh, herrje, mein Kopf."
"Xander?" Giles eilte zu Xander, der hinter dem Sofa hervortaummelte."Was ist passiert? Wo steckt mein Vater?" Giles sah sicherheitshalber hinter dem Sofa nach.
"Zweimal keine Ahnung!" Xander ließ sich auf das Sofa fallen. "Mir brummt der Schädel. Irgendetwas hat mich angegriffen, keine Ahnung was. Groß, sehr groß. Häßlich. Sehr stark."
"Präziser?" Giles war undeduldig.
"Das Licht ging plötzlich aus, die Scheiben gingen zu Bruch und etwas stürmte auf uns los. Präziser geht`s leider nicht. Oder, oder müsste ich das als angehender Wächter genauer wissen?" fragte Xander sicherheitshalber.
"Ist schon gut. Ich war nur in Sorge. Verdammt, ich wusste das etwas an der Sache faul ist. Mein Vater taucht nicht nach 5 Jahren einfach so wieder in meinem Leben auf."
"Heißt das, ich bekomme keine Wohnung vom Rat oder ein Auto?"
"Xander bitte!?"
"Oh, Buffy. Dich hab` ich gar nicht gesehen."
Ein Stöhnen aus der Küche weckte ihre Aufmerksamkeit.
"Dad?" Giles eilte in die Küche. "Was macht ihr nur für Sachen!" Giles half seinem alten Herrn auf die Beine und brachte ihn zu Xander auf das Sofa. Buffy kümmerte sich solange um die Sicherungen und sie hatten wieder Licht. Erst jetzt konnte Gils das Ausmaß der Verwüstung fassen: kein Fenster war ganz, die Tür war aus der Angel gebrochen. Sein Bücherregal am Eingang lag umgekippt zur Hälfte auf seinen Schreibtisch, Bilder, Waffen, Masken an den Wänden, hingen nur noch zum Teil oder lagen zerbrochen auf dem Boden.
"Also, Vater - wie wäre es jetzt mit der Wahrheit?"
Willow saß alleine im Bronze und war stinksauer. Die Hexenvereinigung war heute ausgefallen und Buffy war schon weg gewesen, als sie ins Zimmer zurückkam. Bei Giles hatte niemand abgenommen. Oz hatte ein Gig in Santa Barbara und Xander war laut seiner Mutter bei Giles. Was aber nicht sein konnte, weil niemand ans Telefon ging. Eigentlich fragte sie sich, was sie hier alleine wollte. Ohne ihre Freunde war es im Bronze unter lauter Highshool-Schülern langweilig. Die Band auf der Bühne war auch nur Mittelklasse. Vielleicht war es besser nach Hause zu gehen oder aber sie sah mal bei Giles vorbei.
Xander und Buffy hatten Giles zu nächst geholfen etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. Irgendwie war das ganze recht frustrierend, wenn sich Buffy überlegte wie oft sie in den letzten Jahren Giles Wohnung renoviert hatten.
Sir Giles saß immer noch auf dem Sofa und versuchte mit dem Schock , den er erlitten hatte, zurechtzukommen.
"So, fertig! Jetzt könnten wir zum interessanteren Teil übergehen!" Buffy war wild entschlossen, erst nach Hause zu gehen, wenn die Sachverhältnisse geklärt waren. Irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, daß Sir Giles genau wußte wer oder was hier eingebrochen war und vor allem auch die Zusammenhänge kannte.
"Ja, ähm...", Sir Giles räusperte sich und sah zu Xander. "Ich glaube Xander, wir verschieben unser Gespräch auf morgen mittag."
"Na prima. Kennen sie Anya? Sicher nicht, denn dann würden sie mir das nicht antun. Wie soll ich ihr erklären, daß ich schon wieder keine Zeit habe?"
"Du hast es ihr noch nicht gesagt?" Buffy war erstaunt.
"Na ja, ich wollte doch erst abwarten was mir die zwei Superschlauen hier zu sagen hätten." Xander rieb sie verlegen den Nacken. Giles war klar, daß Xander alles andere als erfreut über seine neue Bestimmung war.
"Mir wäre es sehr recht, Rupert, wenn deine Freunde nach Hause gingen und wir uns alleine ihn Ruhe unterhalten könnten."
"Eh, entschuldigung," Buffy sah Sir Giles böse an "Ich bin hier die Jägerin, schon vergessen? Wenn es hier um was Übles geht, geht es mich auch was an."
"Nein! Dies hier nicht. Rupert?" Sir Giles erhob sich. Buffy war klar, daß der Mann keinen Widerspruch duldete, geschweige denn erwartete. Tatsächlich sah Giles Buffy verlegen an und zuckte ergeben mit den Schulten, als wollte er ihr sagen ‚Tut mir leid. Geht bitte.'
"Tja, Xander, dann muß deine Wächteraufnahme noch etwas warten. Komm, gehen wir."
"Aber...", Xander sah irritiert zwischen den Anwesenden hin und her.
"Was?" Sir Giles sah ihn mehr streng als freundlich an.
"Ich würde auch gerne wissen, wer oder was mir eins übergezogen hat. Und bin ich jetzt Wächter oder nicht?" rief er über die Schulter, während Giles ihn zur Tür schob.
"Nehmt es mit bitte nicht übel, aber mein Vater kam manchmal sehr...uhm...sehr bestimmend sein. Sobald ich mehr weis, ruf ich euch an. Versprochen."
"Sie wollten mir eigentlich was ganz anderes erzählen." Buffy wirkte etwas beleidigt. Und das tat Giles leid.
"Buffy bitte! Ich weiß. Ich halte mein Versprechen. Jetzt geht schon endlich." Er wedelte mit der Hand Richtung Straße und die beiden trollten sich schließlich zu seiner Erleichterung.
"Hey, Willow. Was machst du hier?" Buffy war froh Willow zu sehen. Xander Schimpftriaden über Sir Giles gingen ihr im Moment langsam auf die Nerven.
"Ich wollte zu Giles, nach dem rechten sehen. Es ging niemand ans Telefon. Was ist den passiert?" Buffy und Xander teilten ihr das Wenige mit, daß sie wußten und auch Willows Mißtrauen wuchs.
"Etwas stimmt hier doch gewaltig nicht. Wenn ihr mich fragt, ist Giles Vater nicht ganz dicht." Willow hatte Sir Giles als einzige noch nicht richtig kennengelernt, aber was sie jetzt von Xander und Buffy zu hören bekam, reichte ihr aus, um ihn nicht gerade sympathisch zu finden. "Was meint ihr?"
"Ich glaube wir müssen einfach auf Giles Anruf morgen warten. Gehen wir nach Hause?" Buffy war müde und sie hatte auch keine Lust mehr auf das Jagen und auch Xander war froh früher nach Hause zu kommen. Vielleicht erreichte er Anya und sie konnten doch noch zu ende bringen war sie vor Stunden begonnen hatten.
Giles schenkte seinem Vater und sich einen Scotch ein und nahm dann Damon gegenüber Platz. Er hatte Zeit. Sollte er beginnen wann auch immer er wollte. Schließlich unterbrach Damon das Schweigen.
"Sagt dir der Dämon Soltarek etwas?"
"Vom Klan der Voltanesen?" Giles war auf einmal sehr Aufmerksam. Er erinnerte sich während seiner Ausbildung zum Wächter, etwas über Soltarek gelesen zu haben, erinnerte sich aber nicht mehr genau.
"Genau dieser. Du erinnerst die nicht mehr an die Prophezeiung? Obwohl sie zur Ausbildung gehörte?" Schon wieder hörte Giles die ewige Kritik aus der Stimme seiner Vaters, aber er war zu müde, um zu streiten. Er verneinte. "Ich müsste nachlesen..."
"Dazu haben wir leider keine Zeit mehr. Die Prophezeihung von Soltarek besagt in aller kürze, daß sich alle 550 Jahre ein Dämon der Voltanesen, namens Soltarek, erheben wird und vom Rat der Wächter ein Opfer verlangt. Ich habe die Quellen verglichen und mir gefiel nicht, wer das Opfer nach der Weissagung sein würde. Also habe ich Soltarek selbst frühzeitig herbeigerufen. Ich habe versucht ihn auf das von mir herausgesuchte Opfer zu trainieren, damit er den Rat verschont. Leider ist Soltarek während meiner Abwesenheit entkommen. Er scheint meiner Spur bis hier her gefolgt zu sein. Das hier," dabei zeigte er in die Runde. "...war Soltarek. Etwas scheint schief gelaufen zu sein. Denn Soltarek ging auf mich los und nicht auf Xander."
"Xander!?" Giles stellte sein Glas ab und sah seinen Vater entrüstet an. "Du willst Xander, meinen Freund und vor allem den Freund der Jägerin, für euch opfern?"
"Für uns?" Sir Giles zog fragend die Augenbrauen nach oben "Du gehörst noch immer zu uns..."
"Nicht, wenn der Rat bereit ist, so etwas Grausames zu tolerieren."
"Der Rat weis davon nichts. Ich habe eigenmächtig gehandelt." Sir Giles wirkte zum erstenmal seit er hier war unsicher und niedergeschlagen.
Giles sah seinen Vater auf einmal alarmiert an. "Wen, Vater, soll Soltarek holen?"
"O.k. Giles, noch mal von Vorne. Soltarek ist wer?" Buffy saß mit Willow und Giles in ihrem Studentenzimmer und verstand eigentlich immer weniger.
"Soltarek ist ein Dämon und gehört zum Klan der Voltanesen."
"Ich glaube soweit haben wir das verstanden, nicht Will? Wer genau sind die Voltanesen und was haben die mit dem Rat zu tun?"
"Laut der ersten Aufzeichnung, die es über den Rat gibt, hat der Gründer der Wächter durch die Voltanesen den Hinweis auf die Möglichkeit der Bekämpfung des Bösen erhalten. Somit erst gelang das Wissen über Jägerinnen und Wächter an die Menschen."
"Somit gehören die Voltanesen zu den Guten?" Willow schien auch langsam den Durchblick zu verlieren.
"Im Grunde schon. Die Voltanesen verlangten vom Gründer jedoch ein Opfer. Alle 550 Jahre, am Gründertag, soll eines der fähigsten Mitglieder des Rates den Voltanesen geopfert werden. Sie brauchen dieses Opfer, um die Verbindung zu den Menschen aufrecht zu erhalten. Mein Vater dachte, wenn er Soltarek selbst beschwört, dann könnte er ihn von dem tatsächlichen Opfer ablenken und ihm ein anderes anbieten."
"Liegt wohl in der Familie!" konnte sich Buffy den Kommentar nicht verkneifen.
"Buffy!" Giles sah sie böse an.
"Tschuldigung. Ich meinte ja nur...und wer soll nun das tatsächliche Opfer sein?"
Giles sah die beiden ernst an "Ich."
Willow und Buffy sahen Giles entsetzt an.
Fortsetzung
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