Die Giles Triologie
Teil 1: Die Geister, die ich rief... (14-20/20)
Credits
Autor:Melanie Laier
Teil:14-20/20
Altersfreigabe:ab 14
Rechte:Alle Original-Charakteren aus der Serie "Buffy, the Vampire Slayer" gehören WB, FOX und Joss Whedon. Giles Vater und Soltarek sind meine Erfindung
Kategorie:BtVS, Drama
Zusammenfassung:Xander erfährt von seiner Bestimmung, Giles Vater kommt auf einen Besuch nach Sunnydale und Giles wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert
Kommentar:Spoiler enthalten in Blick auf die 4.Staffel
Feedback:
Geschichte

Er hatte versagt. Zitternd saß er in seinem Versteck und sah dem Lichtstreifen zu, wie er Stunde um Stunde weiterwanderte. Bald würde es wieder Nacht werden. Aber er hatte keine zweite Chance. Sein Beherrscher wußte nun, daß er hier war. Er hatte Angst und seine Wut war unberechenbar. Sein klares Denkvermögen arbeitete nicht mehr so wie er es gewohnt war und alles, nachdem er trachtete war das Blut seines Beherrschers.

"Sicher. Ja, ich verstehe. Bis nächste Woche dann." Sir Giles legte den Hörer auf die Gabel und sah zu Giles, Buffy, Willow, Anya und Xander, die sofort gekommen waren, nachdem Buffy die Alarmglocke geläutet hatte.

Xander verstand immer noch nicht so recht, um was es sich drehte. Er war nach wie vor damit beschäftigt, sich Gedanken darüber zu machen, ob Sir Giles nun Scherze über seine Wärterberufung gemacht hatte oder nicht.

"Und? Was sagt der Rat?" Buffy hoffte endlich, dass Senior nun bereit war ihre Hilfe anzunehmen und ihnen die gesamte Geschichte erzählen würde.

"Sie sind nicht gerade erfreut über meine Handlung, aber sie verstehen die Situation und stehen hinter mir. Allerdings muss ich mit dem Problem alleine fertig werden, bevor ich nach London zurückkehre."

"Typisch Rat. Habe ich ihn je anders kennensgelernt?" Buffy schwieg sofort, als sie Giles tadelnden Blick auffing.

"Nun, uhm, vielleicht sollten wir euch besser in die Sache einweihen. Vater?"

"Ja, sicher. Alleine werde ich nun wohl doch nicht mit Soltarek fertig. Zunächst zu dir Xander. Ich habe nicht gelogen, als ich dir sagte, dass du aus einer alten Wächterfamilie stammtest. Ich habe bei meinen Nachforschungen über das "Opfer" in einem sehr alten Stammbuch einen Zweig entdeckt der zu dir führte. Allerdings waren die Harris nicht sehr erfolgreiche Wächter. Die meisten haben nie ihre Jägerin gefunden, oder segneten frühzeitig das Zeitige. Keine sehr berühmte Wächterfamilie. Dies schien sich auch einer deiner Vorfahren gedacht zu haben und entsagte seiner Bestimmung, worauf die Harris aus den neueren Aufzeichnungen verschwanden. Das war so etwa um 1600. Als ich also auf dich bzw. deine Familie stieß und mich daran erinnerte, dass Rupert vor Jahren dem Rat einen Bericht über Buffy und ihre Freunde ablieferte, indem dein Name auftauchte, entschloss ich mich zu dem verzweifelten Schritt, dich Soltarek auszuliefern."

"Mich? Ihr Vater wollte mich opfern? Erst geht er mit diesem Ding da auf mich los, zerstört anschließend meine schönen Zukunftspläne als angehender Loser und dann das? Und keiner hat es für notwendig gehalten, mich darauf vorzubereiten? Danke!" Xander sah beleidigt in die Runde. Anya tätschelte ihm mitfühlend auf den Schenkel und schenkte ihm ein aufreizendes Lächeln.

Wenigstens eine, die auf seiner Seite stand.

Sie sahen ihn alle kurz an, schenkten aber seiner kleinen Hysterie kaum Beachtung. Typisch, nie nahm man ihn ernst.

"Was sollte ich tun, Xander? Entweder mein Sohn oder du? Da fiel mir die Wahl nicht schwer. Auch wenn es sehr riskant war. Aber es wäre nie jemand dahinter gekommen, wenn Soltarek sich nicht befreit hätte und mir hier her gefolgt wäre. Du wärst einfach einem Dämon zum Opfer gefallen. Etwas was in Sunnydale alltäglich ist."

"Sie sind ja krank!" Buffy war erregt aufgesprungen und ignorierte Giles beruhigender Wink mit der Hand. Es ging hier um einen Freund von ihnen. Einem Freund, der ihr das Leben gerettet hatte. Das lag jetzt zwar schon wieder einige Jahre zurück, aber vergessen würde sie ihm das nie. "Sie können doch nicht einfach so die Gesetzte für sich umschreiben? Erwarten sie allen ernstes, dass ich Seelen ruhig dabei zusehe, wie sie meinen Freund diesem, diesem Soltarek vorwerfen?"

Giles senior lächelte und das machte sie noch rasender.

Sir Giles ignorierte Buffys aufkommende Aggression gegen ihn und fuhr mit seinen Erklärungen fort:

"Nein. Jetzt wohl nicht mehr. Ich habe auch bestimmt nicht mehr vor, Xander zu opfern..."

"Ach, sie nehmen jetzt doch lieber Giles, oder wie?" Xander hegte Hoffnung und Giles sah ihn scharf von der Seite an.

"Nein. Auch das nicht. Wie müssen einen Weg finden, um Soltarek auszuschalten und um dieses Opferritual zu umgehen."

"Wieso soll ausgerechnet Giles den Voltanesen geopfert werden?" Meldete sich Willow zu Wort. Sie dachte die ganze Zeit, dass Giles vorrüberegender Ausschluss vom Rat ausreichend sein sollte, ihn vor so etwas zu bewahren. Allerdings wurde ihre Frage offensichtlich mißverstanden, da Buffy Willow einen vielsagenden Blick zu warf, ganz nach dem Stil "Bist du wohl still" und Giles sie mit einem gekränkten Blick bedachte.

"Es heißt doch, einer der fähigsten Mitglieder..." setzte Buffy zu einer Erklärung an.

"Eben, drum. Würde mich auch interessieren!"

"Anya, bitte!" Xander verpasste ihr einen leichten Ellenbogenstoß.

"Was denn? Ich wollte mich doch nur interessiert an dem Gesprächbeteiligen."

"Könnten wir uns, uhm, dem Thema wieder, eh, ja zu wenden?" lenkte Giles die Aufmerksamkeit auf sich. "Die Quellen besagen, dass aus bestimmten Wächterzweigen ein Opfer zu erbringen ist. Vor 550 Jahren geschah dies aus einem andern recht bekannten Familienzweig und laut unseren Unterlagen sollen immer zwei Generation übersprungen werden. 550 Jahre später soll das Opfer aus einer andern bekannten und erfolgreichen Wächterfamilie kommen, die die Voltanesen bereits damals festlegte, da sie in die Zukunft blicken können. Dieses Los traf unsere Familie, da bereits meine Großmutter die erste Generation vor dir trainierte, ausbildete und mit ihr gegen das Böse kämpfte."

"Also hatte ihre Familie schon immer mit der Auserwählten zu tun?" Buffy fand, dass das Gespräch endlich interessant wurde.

"Nun, ja...uhm...gewisser Massen. Mein Vater hier war dieses Glück nicht bestimmt. Ich dagegen hatte und habe das Vergnügen. Was leider nun auch dazu führt, dass früher oder später die Voltanesen ihr Opfer von mir verlangen werden. Selbst wenn wir Soltarek vernichten können, wird ein anderer an seine Seite treten. Ich sehe im Moment keine Lösung."

"Dann, dann müssen wir eben alle Bücher die es gibt durchforschen. Ich meine, wir haben doch sonst auch immer eine Lösung gefunden. Ich hätte Xander nicht geopfert und sie schon dreimal nicht." Buffy war auf einmal von einer Unruhe ergriffen. Sie wollte etwas tun. Normalerweise hätte sie jetzt von Giles schon längst den Auftrag gehabt irgendwo nach dem Rechten zu sehen, während die anderen bei Giles Quellen verglichen und den restlichen Nachfroschungskram nach kamen. Das hier war anders.

"Was genau ging bei ihrem Versuch schief, Mr. Giles?" Vielleicht konnte ihnen ja Sir Giles einen entscheidenden Tipp geben.

"Nun, ich, ja, wo soll ich da am besten anfangen? Ich fand heraus, wie man Soltarek beschwört und ehe ich es mich versah hatte ich Soltarek in unsere Welt geholt. Er war menschenähnlich, was mich irritierte. Aber Nahforschungen brachten ans Licht, dass die Voltanesen eben alle 550 Jahre eine Verwandlung durch machen und ihr dämonisches Aussehen erhalten. Und das machte mich auf einmal stutzig. Und was soll ich sagen, die Voltanesen hatten uns vor über 1000 Jahren angelogen. Sie brauchen kein Opfer, um den Kontakt aufrecht zu erhalten, sondern sie brauchen ein Opfer, um ihr menschliches Aussehen zu erhalten, da die Voltanesen bis heute ihre Dämonenabstammung verleugnen. Einige leben sogar als Mischlinge unter uns. Nur durch die Kraft eines sehr befähigten Wächters, können sie für weitere 550 Jahre ihr tatsächliches Aussehen unterdrücken. Mit Soltarek wollte ich zu nächst experimentell herausfinden, was diesen Verwandlungsprozeß hervor ruft und wie sie ihn stoppen. Ich war recht weitgekommen und wollte mit Soltareks Abrichtung auf Xander beginnen," Sir Giles räusperte sich verlegen. "Dazu brauchte ich unbedingt einen persönlichen Eindruck von Xander und deshalb reiste ich nach Kalifornien. Die Verwandlung setzte bei Soltarek durch die Experimente zu früh ein, und er erreichte unberechenbare Kräfte, die ihn sich befreien ließen."

"Wenn die Voltanesen gelogen haben, haben sie auch kein Recht auf ein Opfer. Ich gehe sofort auf Patrouille und mache Soltarek ausfindig, haue ihn zu Brei und wir sind aus dem Schneider." Buffy grinste überlegen.

"Ich glaube nicht, uhm, ja das wir hier mit Gewalt weiterkommen werden. Die Voltanesen werden einen anderen Dämon schicken." holte Giles Buffy auf den Boden der Tatsachen zurück.

"Den mache ich dann eben auch platt. Jetzt schaut nicht alle so niedergeschlagen drein. Anya, du warst doch auch eine Dämonin. Hast du nicht irgendeinen Rat, wie wir vorgehen könnten?" Buffy gab nicht so schnell auf.

Anya schüttelte mit dem Kopf und Buffys Hoffnung sank doch ein wenig.

"Und wenn ich einen Schutzzauber für Giles aussprechen würde? Wäre das nicht eine Idee?" Willow hoffte es zumindest.

"Einen Schutzzauber...sie ist eine Hexe, Rupert?" Sir Giles war offensichtlich entsetzt. "Du hast nie von einer Hexe berichtet. Seit wann, seit wann weißt du davon?"

"Schon eine ganze Weile, Vater. Aber ich denke wir haben anderes zu tun, als uns jetzt über meine Pflichten dem Rat gegenüber zu streiten, nicht wahr?"

"Ja, sicher. Entschuldigt. Ein Schutzzauber besteht nicht sehr lange. Aber vielleicht können wir Soltarek wieder zurück in seine Welt schicken. Kannst du sowas?"

Willow grinste, als sie an ihre Vampir-Doppelgängerin denken mußte, die sie erfolgreich in das Paralleluniversum zurückgeschickt hatte.

"Sicher, Sir. Aber wir sollten dem Dämon eine unmißverständliche Nachricht für sein Volk mitgeben, damit der Rat seine Ruhe vor ihnen hat."

"Darum kümmere ich mich, dann. Wir sehen uns in ein paar Stunden? Lange kann das ja nicht dauern." Buffy brach auf, sie wollte sich auf die Suche nach Soltarek machen.

"Sehr gut. Willow, du bereitest dich vor und Xander kann im Zauberladen die notwendigen Zutaten besorgen, im Fall das was fehlen sollte. Ich assistiere dir gerne, Willow." Giles stand bereits an seinem Bücherregal und suchte nach dem betreffenden Zauberbuch.

"Ja, ich sehe schon, daß Xander mir letzt beim einsortieren half..." mit gerunzelter Stirn stellte er fest, daß Xanders Regalhälft völlig kreuz und quer eingeordnet war.

Xander zuckte ergeben mit den Schultern. "Sie haben zwar behauptet, daß sie nach dem Alphabet sortieren, aber ganz verstanden hatte ich es nicht."

Giles fand was er suchte und zog es aus dem Regal. "Seltsam, daß ich dich dafür bezahlt habe. Nicht?"

Xander sah ihn mit seinem typischen Grinsen an, daß sagen sollte "ich weiß,ich bin ein Trottel, tut mir leid."

"Hier Willow, ich denke das es das ist, was wir brauchen. Seite 120." Er gab Willow das Buch, die es nach wie vor erstaunlich fand, wie gut Giles Gedächtnis funktionierte und fragte sich zum xten Mal wie sich Giles nicht nur merken konnte in welchem Buch was stand, sondern auch noch wo.

"Was kann ich tun?" Sir Giles fühlte sich überflüssig.

"Am besten nichts, Du hast schon genug angrichtet." Giles erschrak selbst einwenig über seine Kühle. Und Sir Giles schwieg tatsächlich und nahm auf dem Sofa platzt, um aus dem Weg zu sein.

Buffy wußte nicht so recht, wo sie mit ihrer Suche anfangen sollte. Sie wünschte sich Angel wäre hier. Er hatte oft gewußt, wo sich neue Stadtbewohner versteckt hielten oder wo man sie am besten suchte. Es war schwierig nicht an Angel zu denken, vor allem wenn sie alleine war. Vielleicht hätte sie Xander bitten sollen, mitzukommen. Na ja, sie würde es schon schaffen. Aber vielleicht hätte sie nicht so übereilt handeln sollen, dann hätte Giles vielleicht Zeit gehabt ihr ein Bild des Dämons aus einem Buch zu zeigen. So mußte sie sich jetzt ganz auf ihre Instinkte verlassen. Sie durchstöberte leerstehende Grüfte auf dem Friedhof und störte sich nicht daran, daß sie von den wenigen Besuchern vor Sonnenuntergang, angestarrt wurde. Sie stieg in die Kanalisation hinunter, denn erfahrungsgemäß war das ein beliebtes Versteck. Was hatte sie nicht schon alles unterirdisch aufgestöbert. Ein wahres Motel für das Böse. Aber auch hier war sie erfolglos. Vielleicht sollte sie doch zurück zu Giles gehen und in ein Buch ihre Nase stecken, um herauszufinden was ein Voltanese bevorzugte. Sie hoffte auf dem Rückweg, daß das Giles schon für sie erledigt hatte. Das Recherchieren war nicht so ihr Ding. Sie war noch gut 5 oder 6 Meter von Giles Apartment entfernt, als sie etwas hinter sich rascheln hörte. Sie blieb stehen und lauschte angespannt. Nichts. Als sie weiter ging, hörte sie es wieder. Sie blieb erneut stehen. Wieder nichts. Aber sie war sich sicher, etwas gehört zu haben.

"Hallo? Wer sich traut, soll sich zeigen!" Nichts geschah. Buffy näherte sich vorsichtig dem Gebüsch zu ihrer Linken und bahnte sich ein Weg durch. Etwas bewegte sich hinter ihr und als Buffy instinktiv herumwirbelte kam ihr Block mit dem Unterarm zu spät. Eine gewaltige Klaue raste auf sie zu und fegte sie von den Beinen. Sie rollte sich ein Stück von der Gefahrenquelle weg und sprang leichtfüßig auf.

"Ugh, von was für einem Planeten kommst du denn?" Vor ihr stand das häßlichste Monster, das sie je gesehen hatte. Es war am ganzen Körper orange, hatte rote funkelnde Augen und kleine Hörner an der Stirn. Statt einer Antwort griff das Wesen erneut an. Buffy blockte seinen Schlag mit der Linken und verpasste ihm mit dem rechten Ellenbogen einen Schlag gegen den Kopf. Das Wesen taumelte nach hinten und sah Buffy erstaunt an.

"Ja, damit hast du wohl nicht gerechnet was? Na komm schon," Buffy setzte nach und trat ihn mit einem Kick in den Bauch. Das Wesen knurrte aggressiv und versuchte Buffy mit seiner Klau zu treffen, doch sie tauchte darunter weg und fegte ihn von den Beinen.

"Das ihr üblen Burschen immer so leicht zu besiegen seid," Buffy trat noch einmal zu und das Monster rührte sich nicht mehr. Eigentlich hatte sie mehr erwartet.

"Oh, ooh, ooh, ich habe es. Ich hab`s gefunden Giles," Willow wackelte unruhig auf ihrem Stuhl. Sie saß mit Giles an dessen Esstisch und vor ihnen breitete sich ein Berg von Büchern aus. Sir Giles hatte versucht ihnen bei den Recherchen zu helfen, hatte aber nach einer Stunde die Lust verloren. Willow hatte sich gefragt, was das für ein untypisches Wächterverhalten war, hatte aber Giles gegenüber davon nichts erwähnt. Giles sah von seinem Buch hoch und sah sie an. Als Willow nicht weitersprach wurde sein Blick fragender.

"Was Willow?"

"Na die Lösung unseres Problems. I-i-ich meine, wie wir die Voltanesen los werden. Hier," sie reicht Giles das Buch. Giles nahm es ihr ab und setzte seine Brille auf.

"In der Tat, Willow. Das könnte uns weiterhelfen."

"Ihr habt eine Lösung?" Sir Giles kam zu ihnen.

"Sieht ganz danach aus. Hier, sieh selbst." Giles gab das Buch an seinen Vater weiter.

Sir Giles las konzentriert und es dauerte eine kleine Weile, bis er sich äußerte.

"Aha, das Itorius-Ritual. Das wäre immerhin mal ein Ansatz..."

"Ich denke, das ist die Lösung," Giles fuhr sich mit der Hand durch das Haar. "Willow ist eine wirklich gute Hexe," Willow lächelte stolz. "Und wenn wir das Ritual genau befolgen, können wir die Voltanesen für immer aus unserer Welt verbannen."

"Dazu brauchen wir erst mal Soltarek..." Sir Giles wurde durch die aufschwingende Tür unterbrochen. Buffy stand im Türrahmen und zerrte den noch bewusstlosen Dämon hinter sich her.

"Hier hätten wir ihn schon. Ich sagte doch, es würde nicht lange dauern." Buffy schleifte das Wesen in die Mitte des Raumes und sah beide Wächter stolz an.

"Lebt er noch?" Sir Giles beugte sich vorsichtig zu Soltarek nieder. Er hatte recht gemischte Gefühle "seinem" Dämon so nah zu sein.

"Ja, sicher. Er macht gerade ein Nickerchen. Und Giles, wie weit seid ihr mit eurem, na sie wissen schon, diesem Recherchekram gekommen?"

"Nun, uhm, Willow ist auf etwas sehr interessantes gestoßen. Es gibt ein Ritual, das sogenannte Itorius-Ritual, mit dessen Hilfe wir Soltarek zurückschicken können und gleichzeitig einen Bann über seinen Klan verhängen, so dass kein Voltanese je wieder ein Fuß in unsere Welt setzten kann."

"Und die Mischlinge?" wollte Willow wissen.

"Denen passiert nichts dabei. Es geht um die Reinrassigkeit. Wenn Xander und Anya dann auch irgendwann mal wieder auftauchen und uns die fehlenden Zutaten für den Rückzauber bringen, könnten wir anfangen."

"Wir sollten den da lieber fesseln. Haben sie irgendwas schweres, das...am besten eine Kette?" Buffy sah sich suchend um.

"Im Keller hätte ich so etwas...frag jetzt nicht warum," brachte er Buffy zum Stoppen, die sich sofort vorzustellen versuchte, was Giles mit einer Eisenkette so alles anstellen konnte.

"Ich hole sie euch. Ich kenn ja den Weg," und weg war Sir Giles. Buffy und Giles sahen sich einen Moment an und eilten dann gleichzeitig hinter dem alten Mann her. Sie hatten Spike vergessen.

Sir Giles war bereits am Kellereingang angelangt und drehte den Schlüssel herum, als Buffy sich gegen die Tür warf und Sir Giles entschuldigend anlächelte.

"Was...?"

"Sie können da nicht rein, weil eh..." Buffy sah hilfe suchend zu Giles, der herbeieilte. Sie macht ihm mit den Augen klar, dass sie keine Ausrede parat hatte.

"...w-weil es hier unten, eh, Ratten gibt. W-wir hatten, uhm einen Kammerjäger da und er hat die einzelnen Räume mit Gift ausgespritzt und eh, ja, jetzt sollen wir die Räume meiden. Habe ich ganz vergessen. Entschuldige," stammelte Giles.

"Also, ich weiß ja nicht...du warst schon immer ein schlechter Lügner, Rupert. Was ist hinter der Tür?"

"Hey, da draußen. Ich verhungere hier unten. Hört ihr mich?" Spike schlug von der anderen Seite gegen die Tür. Er sah eine Chance zu entkommen.

"Ihr haltet dahinter jemanden gefangen? So langsam wundere ich mich über gar nichts mehr. Rupert?" Sir Giles sah zwischen Buffy und seinem Sohn hin und her.

"Es ist anders, als es ausschaut. Wirklich, Sir Giles. Es ist - ein Vampir."

Setzte sie schnell hinzu und verschwand ganz schnell aus dem Keller, bevor Sir Giles geschockt reagieren konnte oder Giles ihr dafür den Kopf abriss.

"Ein - ein Vampir?" Sir Giles drehte ganz schnell den Schlüssel wieder in die entgegengesetzte Richtung.

"Er ist kein richtiger Vampir. Jedenfalls nicht mehr. Irgendjemand hat ihn ein Implantat eingesetzt, durch das er nicht mehr transformieren kann. Wir halten ihn nur deswegen gefangen, weil er uns nicht sagen will oder kann, wer ihm das angetan hat. Und auch zu seiner eigenen Sicherheit, weil diese Leute immer noch hinter ihm her sind. Können wir uns wieder auf das gegenwärtige Problem konzentrieren?"

"Einen Moment, Rupert. Du willst mir allen Ernstes weiß machen, das du mit einem Vampir zusammenlebst? Es war für den Rat schon schwer zu akzeptieren, das die Jägerin eine Romanze mit einem Vampir pflegte, aber das...das ist gegen die Natur."

"I-ich, wir eh hatten keine andere Wahl. Zudem war ich gefeuert, richtig? Was ich tat, tat ich nicht im Auftrag des Rates, sondern nach meinem eigenen, besten Gewissen."

"Das muss aufhören," murmelte Sir Giles, während er seinem Sohn nach draußen folgte.

"Buffy! Gut das du da bist. Er kommt zu sich." Willow war heilfroh. Als Giles und Buffy Sir Giles hinterher gelaufen waren und sie mit diesem Ding alleine gelassen hatten, wäre sie fast tausend Tode gestorben und als sich dieser Dämon zu bewegen begann...

"Keine Sorge, Will. Das haben wir gleich." Da sie auf die Eisenkette verzichten musste, riss sie einfach einen der Vorhangkordel ab und umschlang den Dämon fest damit. Sie hoffte, dass das ausreichen würde.

"Wir könnten dann mal so langsam mit dem Ritual anfangen," sagte Buffy zu Vater und Sohn, die immer noch über Giles Untermieter zu diskutieren schienen, als sie zurück in die Wohnung kamen.

"Ich bin bereit," meinte Willow voller Tatendrang.

"Ja, uhm, ich beginne mit den Vorbereitungen und hoffe..."

"Hi Leute," wurde Giles von Xander unterbrochen, der mit Anya zurückkam. "Tut mir leid, wegen der Verspätung. Die mußten erst noch was zusammen mixen. Von Willows Liste. Aber wir haben alles, was ihr braucht." Xander reichte Willow die verschiedenen Packungen. "Kreuzspinnenkraut, Krötenaugen, drei Mussatapilze und diese Pampe da. Ich glaube das war`s."

"Danke Xander." Willow nahm ihn alles ab und ging zum Tisch zurück. "Giles?"

"Oh, ja. I-ich hol dir schnell ein Gefäß. E-einen Moment." Giles verschwand hinter der Küchentheke und begann in einem Schrank zu kramen.

"Ist das hier der richtige Ort? Ich meine entfachen sie und Willow nicht ein Feuer, Blitze oder so was ähnliches?" Buffy folgte Giles in die Küche. "Das letzte mal sind wir doch auch in dieser Lagerhalle gewesen..."

"Ja, weil Willows Doppelgängerin genau dort, in unsere Welt gelangt ist. Bei Soltarek müssten wir dafür wohl nach England fliegen. Nicht? Mit einer kleinen Änderung des Spruches können wir es auch von hier aus bewirken. Und ehrlich gesagt, willst du damit," er zeigte auf Soltarek. "draußen herumlaufen?"

"O.k. Es ist ja ihre Wohnung," Buffy zuckte mit den Schultern und ging zurück, um Willow zu zusehen.

Giles übergab Willow eine Kupferschale. "Ich hoffe das reicht?"

"Ich denke schon." Willow begann nach den Anweisungen des Buches die Zutaten zusammen zu mischen. Giles las mittlerweile den Begleittext.

"Grund Gütiger!" Giles senkte das Buch. "Willow es tut mir leid, aber wenn wir nur einen einzigen Fehler bei dem Spruch machen, lösen wir eine Invasion aus. Ich muß dich bitten, mir den Vortritt zu lassen." Willow sah enttäuscht zu Giles. Na prima, wie immer traute ihr Giles nichts zu. Bitte schön, wenn er glaubte besser zu sein, als sie...gut er war besser, aber deshalb fühlte sie sich trotzdem verletzt.

"Sicher," sagte sie statt dessen niedergeschlagen. "Darf ich wenigstens assistieren?"

"Ja, mach weiter. Aber mit der Paste warte, bis ich dir ein Zeichen gebe. Buffy, hol den Dämon näher heran."

Giles trat an den Tisch und sah zu wie Willow das restliche Zaubergut in die Schale warf. Sie hatten einen Bunsenbrenner unter die Schale gestellt, um das nötige offene Feuer zu improvisieren. Buffy schleifte Soltarek zum Tisch.

"Danke. Dann können wir also beginnen." Giles nahm das Buch erneut in die Hand und begann zu lesen:

"Ich rufe dich, Mutter von allen Anfängen, ich rufe dich, Vater von Wegen, Türen und Toren, holt zu euch, euren verirrten Sohn, auf daß ihm kein Weg zurückgewiesen werden kann. Nehmt euren Sohn, auf daß für alle Zeiten ihm Tür und Tor versiegelt sein mag."

Giles gab Willow mit einem Kopfnicken zu verstehen, daß sie die Paste nun in die Schale geben konnte. Die Flüssigkeit begann zu brodeln, zu dampfen und ihr anfängliches Grün ging in ein Rot über.

"Kommt, vollendet was ich begonnen, für alle Zeiten, auf Ewig und Immer. Schließt das Tor." Giles wurde nach hinten gerissen und er spürte die Macht der Magie durch sich fließen. Draußen war es dunkel geworden, Donner grollte über ihnen und der Wind pfiff durch die noch immer kaputten Scheiben. Hagel setzte ein und Anya klammerte sich etwas fester an Xander, während Buffy und Willow fasziniert Giles zu sahen und Sir Giles hielt vor Aufregung fast den Atem an. Eine dunkle Wolke bildete sich über Soltarek und ein Wirbelwind bildete sich in ihrer Mitte, die Soltarek in die Höhe hob. Soltarek wurde in die Wolke gezogen. Kaum war er in ihrem Inneren verschwunden, hörte der Hagel auf, Windstille trat ein und das Abendgrau kehrte zurück. Giles kam stöhnend auf die Füße.

"Alles in Ordnung Giles?", Buffy half ihm.

"Ja, danke. Ich habe ganz vergessen, wie berauschend Magie sein kann. J-jedenfalls habe ich jetzt leichte Kopfschmerzen. H-h-hat es funktioniert?"

Giles sah an die Stelle, an der gerade noch vor einigen Sekunden Soltareks bewußtloser Körper gelegen hatte.

"Sieht ganz so aus," Xander trat in die Mitte des Raumes. "Wow, bedeutet das, daß ich eines Tages auch mal so was kann?"

"Wenn du dich für deine Berufung entscheidest, dann ja." Sir Giles war erleichtert. Er hatte von Anfang an damit gerechnet, daß er nicht ganz auf die Hilfe seines Sohnes und der Jägerin verzichten konnte, daß aber seine Reise eine solche Wende genommen hatte, hatte ihn zu nächst beunruhigt, aber jetzt war er einfach nur froh, daß alles zum Guten gekommen war. Etwas unbeholfen klopfte er Giles auf den Rücken. Eine Geste, die diesen fast erschrak.

"Tja, wieder mal haben Buffy, die Unerschrockene und ihre Groupies die Welt gerettet," grinste Xander in die Runde und erntete von allen Seiten genervte Blicke.

Buffy und Giles sahen zu wie Sir Giles durch die Sicherheitskontrolle schritt und Richtung Gangway entschwand. Giles wartete keine Sekunde länger und war schon fast wieder am Ausgang, als ihn Buffy einholte.

"Sie haben es ja eilig, Giles. Sagen sie mal, ihren Vater - sie können ihn wohl nicht sonderlich gut leiden?"

Buffy war froh Giles endlich mal wieder alleine zu haben. Die letzten Tage war Sir Giles ständig anwesend gewesen und Giles Laune war trotz dem erfolgreichen Ende ihres kleinen Abenteuers nicht besser geworden. Im Gegenteil, mit jedem Tag war sie noch mieser geworden, so daß Buffy und die anderen Giles Wohnung weitläufig gemieden hatten. Sie gingen zurück zum Wagen.

"Nun, ich denke, daß war nicht schwer zu übersehen, nicht?" Giles lächelte, aber es verzogen sich nur die Mundwinkel, die Augen behielten ihren traurigen Ausdruck.

"Wäre es jetzt nicht an der Zeit zu reden? Sie haben es mir versprochen," stoppte Buffy Giles Widerspruch.

"Wo soll ich deiner Meinung nach anfangen?" Sie waren mittlerweile bei Giles angekommen.

"Wie wäre es mit "vor langer Zeit lebte ein kleiner Junge in England...'", sie betraten die Wohnung.

"Na endlich. Ich dachte schon ihr hättet mich ganz vergessen." Spike saß an einem Stuhl festgebunden, mit Blick zur Tür.

"Spike? Sie haben ihn aus dem Keller geholt?" Buffy war erstaunt.

"Nachdem mein Vater von seiner Existenz wußte, sah ich keinen Grund Spike länger im Keller zu lassen. Die Gefahr, das er entdeckt wird, war zu groß. Du kannst mir aber glauben, daß mein Vater mir deswegen die Hölle heiß gemacht hat." Giles ging in die Küche und holte für Spike eine Tasse Blut. Er reichte kommentarlos Buffy das Gefäß mit dem Strohhalm. Er wußte, daß sie ihren Spaß daran hatte, Spike mit dem Strohhalm zu füttern. Spike zog kräftig und vor allem gierig an dem Halm.

"Also, Giles, ich warte?" nebenher genoß es Buffy, Spike zu füttern. Was mußte in seinem Kopf vor sich gehen, bei dieser Erniedrigung.

<Eines Tages werde ich dich töten, Jägerin. Ganz besonders dafür. Verlass dich drauf. Meine Stunde kommt noch. Und jetzt hätte ich gerne noch eine Tasse> Spike sah der leeren Tasse sehnsüchtig nach, die in die Küche wanderte und zu seiner Enttäuschung kam Buffy ohne eine zweite zurück und gesellte sich zu Giles auf das Sofa.

Giles nahm seine Brille ab und begann sie zu putzen. Das tat er immer, wenn er nervös wurde, wie Buffy vor langer Zeit festgestellt hatte. Sie lächelte ihn aufmunternd zu.

"Ja, eh, uhm m-mein Vater, Buffy ist ein Kapitel für sich. Es, es ist schwierig ihn so darzustellen wie er wirklich ist. Ich meine, er lebte und lebt ganz alleine nur für den Rat und seiner Bestimmung. Es gab nie etwas anderes für ihn. Das Wichtigste für ihn war, daß ich in seine Fußstapfen treten würde und das in aller Ehre und Würde. Du kannst dir denken wie er reagierte, als ich die Uni abbrach und mich mit der schwarzen Magie befaßte. Ethan hat er nie leiden können und ihn als meinen Freund zu akzeptieren kam ihn nie in den Sinn. Es schmerzt zugeben zu müssen, daß er wenigstens in diesem Punkt recht hatte. Mein Vater, uhm diente lange in der britischen Armee, genauer bei der Navy. So kam er überall in der Welt herum und konnte nach seiner Jägerin suchen, ohne eine Erklärung abgeben zu müssen. Nach einer Kriegsverletztung während des Falklandkrieges schied er vorzeitig aus, und wurde in den Rat der 12 gewählt. Durch seine Verdienste, seinem hohen militärischen Rang und Auszeichnungen wurde er von der Queen geadelt. Darauf ist er heute noch stolz." Giles war aufgestanden und zu seinem Schrank gegangen. Er schenkte sich einen Scotch ein und kam zurück. "Mein Vater war ein Soldat nach der alten Schule: Disziplin und Gehorsam, waren seine Lieblingsworte. Danach hatte ich zu funktionieren." Er trank einen Schluck. "Ja, uhm, als Kind fragt man nicht nach, man folgt seinen Eltern bedingungslos. Ich konnte bereits mit 12 perfekt lateinisch und mein Vater paukte mir griechisch ein. Ich kannte mich in der Mythologie aller Nationalitäten bestens aus und studierte nach der Schule Wächtertagebücher, während meine Schulkameraden draußen Fußball spielten."

"Na, kein Wunder sind sie bei ihrer Ankunft hier so steif und eh, britisch gewesen. Jetzt wundert es mich nicht mehr, daß ich es schwer hatte, ihnen beizubringen, was Spaß und Freizeit bedeutet." Giles mußte lächeln. "Aber ich wollte sie nicht unterbrechen." Buffy hörte weiter aufmerksam zu.

"Ich war vierzehn, als ich den ersten Test für meine weitere Wächterkarriere vor dem Rat ablegte. Ich war der Zweitbeste. Aber das reichte meinem Vater nicht. Mein bißchen Freizeit, das ich noch hatte, mußte ich ganz aufgeben und lernen, lernen, lernen. Nebenher gab es noch die Kampfausbildung, damit ich eines Tages fähig wäre meine Jägerin auch körperlich trainieren zu können."

"Das kam wohl etwas zu kurz, nicht", Buffy mußte daran denken wie oft sie Giles in den letzten Jahren aufs Kreuz gelegt hatte.

"Ich war nicht schlecht. Und zudem bist du die Jägerin. Niemand hat eine faire Chance gegen dich."

"Ha, wartet ab, bis ich wieder der alte bin, dann..."

"Spike!"

"Was?"

"Halt die Klappe, wenn du nicht doch noch in ein Häufchen Asche verwandelt werden willst." Buffy zog ihren Pflock, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen. Spike schloß den Mund, den er bereits zum Widerspruch geöffnet hatte. "Besser so." Sie steckte Mr. Pointy wieder zurück. "Weiter Giles. Ich finde es bis jetzt interessant."

"Gut, also, wo war ich, uhm ja, also, wenn mein Vater nicht mich Drillte und der Rat ihn nicht brauchte, zog er durch die Welt. Er hatte es nie geschafft, seine Jägerin ausfindig zu machen. Das hatte ihn mit der Zeit recht verbittert und er war noch unausstehlicher geworden. Ich begann ihn regelrecht zu hassen. Meine Großmutter war ganz das Gegenteil von ihrem Sohn. Aber ich glaube Großmütter sind irgendwie immer die Guten. Jedenfalls überwachte sie in seiner Abwesenheit meine Ausbildung. Durch sie kam ich zur Magie. Sie brachte mir viel über Zaubersprüche, Hexen und Okkultismus bei. Bei ihr machte mir meine Berufung Freude, kam mein Vater zurück, erschien es mir eher wie ein Fluch. Konflikte waren vorprogrammiert, meine Rebellion unausweichlich. Als ich diesen Teil hinter mich gebracht hatte und dank meiner Großmutter und Dads Stellung im Rat der 12 die Sache mit Eyghon keinen Rauswurf bedeutete, besann ich mich. Ich wurde, uhm , verantwortungsbewußter..."

"Sie wurden also zu einem Langweiler," murmelte Buffy.

"Ich hab das gehört! Aber ja, es, es stimmt. Ich wurde ein kleiner Fachidiot, wie du sagen würdest. Aber damit wurde ich beim Abschlußtest der Beste und schloß mit Auszeichnung ab. Ich fand meine Jägerin, oder besser gesagt die Kristallkugel meiner Großmutter. Etwas, was sie ihrem Sohn vorenthalten hatte. Ich suchte das Mädchen in Irland auf und nach den bekanntlichen "Was wollen sie von mir?" "Sind sie krank?" und "Sie haben ja nicht mehr alle Tassen im Schrank", konnte ich mit ihrer Ausbildung anfangen. Dann kam Levlin, ein teuflischer, brutaler, blutrünstiger Vampir. Er war für sie und für mich zu stark. Ich, ich schickte sie zu früh gegen ihn in den Kampf. Sie war noch nicht bereit. Ich hatte das gewußt, aber wenn wir nicht versucht hätten, ihn aufzuhalten, hätte er mit seiner Armee ganz Irland ausgesaugt. Und ich übertreibe nicht. Levlin wurde durch einen, uhm Fehler von mir, aus einem Jahrhundertschlaf geweckt..."

"Wie...ich bin nicht ihre...und das sagen sie mir erst jetzt alles," unterbrach Buffy, nachdem sie langsam begriff, was ihr Giles da erzählte.

"Ich - Buffy es war schon schwer genug hier mit dem Meister konfrontiert zu werden, der mich zu sehr an Levlin erinnerte. Ich lebte und lebe noch immer in ständiger Angst um dich, obwohl ich weiß, daß du stärker bist, als meine erste Jägerin. Ich habe es verdrängt. Mit dem Auftauchen von Eyghon schwor ich mir erneut, dich aus meiner Vergangenheit herauszuhalten. Jetzt war es ja wohl kaum noch zu vermeiden. Soll ich weitererzählen?"

Buffy nickte und Giles war nicht entgangen, daß die Wahrheit Buffy emotional aufwühlte. Aber es mußte raus.

"Nachdem Levlin sie getötet hatte und ich wie ein jämmerlicher Feigling geflohen war, schickte man Merrick nach Irland, um gegen Levlin vorzugehen. Er war weit älter und erfahrener, als ich. Es war für ihn nicht einfach, aber auch nicht schwer Levlin zu verbannen. Danach zog man mich auf anraten meines lieben Vaters aus dem Verkehr und schickte Merrick nach L.A., um dich ausfindig zu machen. Ja, du bist in direkter Linie die Nachfolgerin meines Versagens. Oh, man machte mir natürlich schwere Vorwürfe, mir wurde der Wächterprozeß gemacht und ehrlich gesagt, hielt ich mich selbst für einen Versager. Mir hätte es damals nichts ausgemacht, wenn man mich von meinen Pflichten entbunden hätte. Dann wäre ich frei gewesen. Meine Großmutter jedoch legte ein gutes Wort ein. Und das schien zu reichen. Auch mein Vater ließ erneut seine Beziehungen spielen und ich blieb im Rennen. Zwar auf unbestimmte Zeit beurlaubt, aber noch an Bord. Als Merrick getötet wurde, tut mir leid, dich daran erinnern zu müssen, gab man mir eine neue Chance. Man schickte mich nach Sunnydale, um dich zu empfangen. Durch die gemachte Erfahrung und den ewigen Streiterein mit meinem Vater, zu einem anderen Mensch geworden, nahm ich meine Pflichten wohl hin und wieder zu ernst..."

"Ehrlich gesagt, waren sie am Anfang eine richtige Plage und Nervensäge. Aber sie habe sich wirklich gemacht," witzelte Buffy, der es ganz und gar nicht zum Witze machen zu Mute war.

"Ich weiß, Buffy," Giles mußte in sich hinein lächeln, als er an das Anfangsjahr zurückdachte. "Aber ich wußte nur zu gut, wo Pflichtverletzung und Nachlässigkeit hinführen konnte. Das war immer mein Problem bei deiner Vorgängerin gewesen. Ich konnte mich nicht durchsetzten. Ich war zu jung. Also versuchte ich dich anfänglich nicht zu zügellos zu führen. Du hast mir allerdings recht schnell bewiesen, daß ich mir unnötig Sorgen machte. Und hier sitzt der "neue" Giles." Giles leerte sein Glas.

"Ja, der "neue" Giles, der zu viel trinkt", Buffy sah ihren Ex-Wächter tadelnd an.

"Tut mir leid. Aber oh, du kannst dir nicht vorstellen, was es heißt zwei Wochen mit meinem Vater zu leben. Es ist die Hölle auf Erden gewesen. Aber er ist jetzt auf dem Weg nach England, wir konnten ihm Helfen und haben den Rat vor diesen hinterhältigen Dämonen und ihrem Kuhhandel für alle Zeiten befreit. Und nebenbei mich gerettet."

"Haben sie sich ausgesprochen?"

Giles verneinte. "War mir nicht möglich. Er war nicht bereit dazu. Wir werden uns wahrscheinlich erst wieder auf seiner Beerdigung sehen."

"Sind sie jetzt nicht ein wenig zu hart zu sich und ihm? Immerhin hat er doch alles aufs Spiel gesetzt, um sie vor dem Opfer zu bewahren?"

"Ich weiß. Das rechne ich ihm auch hoch an und...es ist zu kompliziert. Es hat sich so ergeben und es wird nie besser zwischen uns laufen."

"Mhm, verstehe. Also noch mal zurück nach Irland. Ich bin also ihr zweiter "Versuch"? Ich fasse es nicht." Buffy grinste "Na, dafür bin ich ihnen aber recht gut gelungen nicht?" Giles grinste zurück. "Was ist jetzt eigentlich mit Xander?"

"Oh, er hat sich noch nicht entschieden. Wir haben ihm eine Woche Bedenkzeit gegeben."

"Warum hat er eine Wahl und ich nicht? Das ist nicht fair. Hey, sie hatten doch auch keine Wahl..."

"Bei Xander ist das etwas anders. Da sein Vorfahr entsagt hatte und der Rat daraufhin die Harris aus ihren fortführenden Stammbüchern getilgt hatte, hat er eben die Wahl. Sagt er nein, ist das nicht weiter schlimm. Sagt er ja, auch gut. Nein nicht gut. Kannst du dir Xander an der Uni vorstellen? Mir graut es jetzt schon davor, Xander die ihm fehlenden Sprachen beizubringen. Er kann nicht mal ein Bücherregal alphabetisch einräumen." Buffy und Giles sahen sich schockiert an.

"Sehen sie es positiv Giles. Sie haben dann wieder etwas zu tun. Ich glaube ich geh jetzt mal lieber wieder zurück. Ich habe noch einiges zu tun. Und Spike, benimm dich gut," ließ sie es sich nicht nehmen, als sie an Spike zur Tür vorbei ging. Spike sah ihr genervt nach und ließ ein Knurren vernehmen.

In der Nacht, am selben Tag:

Einem Schatten gleich schlich er durch die Hintergassen von Sunnydale. Was er bisher von der Stadt gesehen hatte, gefiel ihm. Hier würde er sicherlich sehr viel Spaß haben. Und wenn er erst mal die Jägerin und ihren Wächter gefunden hatte und sie aus dem Weg geräumt waren, dann würde er hier sein Lager aufschlagen und seine Armee aufbauen. Er hielt an und witterte in er Nähe Blut, das Blut eines Menschen. Er hatte Hunger. Seit Stunden war ihm niemand lohnendes über den Weg gelaufen. Er folgte dem Duft. Er würde sich jetzt einen kleinen Imbiss genehmigen und dann seinen Plan ausarbeiten. Er lachte leise. Er würde keinen Plan brauchen. Er hatte schon einmal eine Jägerin getötet, vor fast 15 Jahren. Ihr Wächter war schwach gewesen, dumm und ein Anfänger. Ein Versager. Er würde sich wohl kaum geändert haben und die Jägerin besser ausgebildet haben, wie die davor. Er lachte zufrieden in sich hinein. Sein Opfer kam näher. Es war eine schöne, rothaarige Frau. Sie erinnerte ihn an die Frauen seines alten Keltenstammes. Er wollte sie mehr, als alles andere. Er ließ sie an sich vorbeilaufen und trat aus dem Schatten.

"Wohin des Weges, schöne Blume."

Die Frau wand sich um. Sie sah einen Mann im Laternenlicht stehen, den man schwer übersehen konnte. Er war groß und stark. Sein langes, lockiges, blondes Haar, hing ihm offen über die muskulösen Schultern und Rücken. Seine Gesichtszüge waren ausgeprägt und seine Augen schienen sogar in der Dunkelheit blau zu strahlen. Er war unglaublich schön. Die Frau war so geblendet von ihm, daß sie zwei wichtige Details übersah: die Fellbekleidung des Mannes, ganz unzeitgemäß, und die gewaltige Axt, die an seinem Gürtel hing. Genau diese zog er langsam und bedächtig aus seinem breiten Gürtel.

"Bitte?"

"So alleine zur später Stunde noch unterwegs? Hat deine Mommy, dich nicht vor dem bösen, schwarzen Mann gewarnt?"

Langsam dämmerte es ihr, daß hier etwas verdammt schief lief. Sie drehte sich um und begann zu rennen. Der Fremde lachte hinter ihr laut und setzte sich langsam in Bewegung. Er ließ ihr einen kleinen Vorsprung. Als sie um die Ecke verschwand, erhöhte er sein Tempo. Sie konnte ihm nicht entkommen. Er konnte sich, wenn er wollte doppelt so schnell vorwärts bewegen. Er holte sie schnell ein und beim Überholen, holte er mit der Axt aus, ein Aufblitzen, ein scharfer Pfiff in der Luft und ihr Kopf flog in weitem Bogen von ihrer Schulter, Blut spritzte, und der Geruch machte ihn wahnsinnig. Der Körper sackte im Rennen zusammen und er zog die Tode in eine Seitenstraße. Es war zwar niemand mehr unterwegs, aber sicher war sicher. Der Geruch ließ ihn automatisch transformieren und er umklammerte mit seinen Lippen den offenen Hals, bohrte seine spitzen Zähen in die Aussenhaut, um besseren Halt zu haben und saugte das Blut, das aus der offenen Wunde gepumpt wurde in sich. Blut lief an seinem Kinn über seine nackte Bruste. Er spürte wie das fremde Blut sich mit dem bißchen eigenen vermischte. Das Leben in seinen Adern pumpte, pulsierte und versetzte ihn in wahre Ekstase. Er war zurück. Er war am Leben. Er würde da weiter machen, wo er gezwungen gewesen war, aufzuhören. Er würde den Wächter holen kommen, er würde ihn ganz langsam Foltern, quälen, ihm in Detail beschreiben, wie er seine Jägerin getötet hatte und dann vor seinen Augen die "Neue" töten und dann ihn. Levlin war wieder da. Er ließ den ausgesaugten Körper zwischen die Mülltonnen fallen. Sein Blick richtete sich zu den Sternen. Ein unartikulierter Freudensschrei entwich seinem gestärkten Körper und halte durch die Straßen von Sunnydale.

-Ende von Kapitel 1-