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Das kleine Wäldchen von Sunnydale erfreute sich an diesem Freitag Morgen lebhaften Zuspruchs: Schaulustige versuchten einen Blick auf die Beamten in Zivil zu erhaschen, um später an ihren Arbeitsplätzen mit einigen Infos aufwarten zu können, uniformierte Polizisten versuchten die Zufahrt zu sperren und die Schaulustigen auf Abstand zu halten. Die Spurensicherung suchte im Gebüsch nach Hinweisen und der Coroner zog gerade den Plastiksack über die geköpfte, weibliche Leiche, als Detc. Hamilton und Detc. Stein eintrafen. Stein ging auf den Mediziner zu.
"Und? Was haben sie mir zu bieten?" Stein zog seinen Notizblock.
"Den können sie getrost wegstecken. Dieses Opfer entspricht in allen Details den vier bisherigen aufgefundenen Frauen. Keine Abweichungen, nichts Neues."
Stein steckte enttäuscht seinen Block ein. Er hatte gehofft, einen neuen Fall zu bekommen. Sie waren bis jetzt nicht sehr weit in den Mordfällen gekommen, die am Montag in einer Hintergasse von Sunnydale begonnen hatten und ihnen nun die 5. Frauenleiche bescherte. Die Bevölkerung wurde unruhig und die Stimmen, die mehr Polizeischutz und vor allem Erfolg forderten, wurden lauter. Stein kratzte sich am Hinterkopf und starrte auf seine polierten Schuhe.
"Sie wurde geköpft?" Der Mediziner nickte.
"Ihr wurde das Blut abgezapft?" Wieder nickte der Mediziner
"Und anschließend wurde die Leiche geschändet?"
"Exakt. Auch die seltsamen Male am Hals und das Drachenzeichen auf der Brust."
Der Mediziner ließ die beiden Beamten stehen und folgte dem Abtransport der Leiche.
"Was meinen sie," Stein wandte sich an seine Kollegin.
"Wir haben es mit einem Serienkiller zu tun, einem Psychopathen. Was wollen sie hören? Ich bin nicht weiter als sie, was meine Vermutungen angehen,"
Hamilton zuckte mit den Schultern. "Wir sollten zurückfahren und eine Pressemitteilung machen."
"Gut, gehen wir."
Stein sah noch für einen kurzen Moment zum Fundort der Leiche. Er war nun schon so viele Jahre in Sunnydale Polizist und hatte schon sehr viele seltsame Fälle gehabt, aber das hier war mit Abstand das Grausamste und Perverseste. Er folgte Hamilton zum Wagen.
"Du gehst weg? I-i-ich meine du schwänzt die Vorlesung?" Willow stand an der Tür, bereit für einen neuen Tag voller Wissen und Lernen.
"Ja, Giles hat vorhin kurz angerufen. Er klang sehr besorgt. Wollte allerdings nicht am Telefon darüber reden. Ist vielleicht besser, wenn ich mal schnell bei ihm vorbeischaue. Ist ja nur Philosophie. Und du paßt bestimmt für uns beide auf."
Buffy griff nach ihrer Umhängetasche und folgte Willow nach draussen. Vor dem Haupteingang trennten sich die beiden. Bei Giles angekommen fand Buffy den großen Wohnraum leer an. Sie trat ein und schloß die Tür.
"Giles?"
"Oh Buffy...d-du bist gleich gekommen? Hattest du nicht was von einer Vorlesung gesagt?"
Er legte das Buch auf seinen Schreibtisch ab, mit dem er aus dem Nebenzimmer aufgetaucht war.
"Nicht so wichtig. Aber sie klangen so besorgt. Was ist passiert?"
Statt einer Antwort sah Giles auf seine Uhr und schaltete den kleinen tragbaren Fernseher ein, den Xander noch vor einigen Wochen erst hinter einem Stapel Bücher entdeckt hatte.
"...wie gerade die Polizei in einer Pressemitteilung bekannt gab, wurde heute morgen das 5. Opfer in Sunnydales Stadtwald aufgefunden. Auch dieses Opfer wurde geköpft, des Blutes beraubt und anschließend schändete der Täter die Leiche. Die Polizei schließt einen Ritualmord nicht aus und erbittet sich die Mithilfe der Bevölkerung. Jeder Hinweis könnte zur Aufklärung der Tat führen. Und nun zum Wetter."
Giles schaltete den Apparat wieder aus und sah Buffy erwartungsvoll an. Buffy sah entgeistert zurück.
"Und?"
"Und was Giles? Sie haben mich herkommen lassen, wegen dieser Nachrichtensendung?"
"Sagt dir nicht dein Gefühl, daß es sich bei dem Täter um etwas "Böses" handelt?"
"Wieso? Für mich hört sich das ganz nach einem normalen Fall an. Vielleicht, vielleicht haben wir ja mal ausnahmsweise Glück und es handelt sich wirklich um ein normales Verbrechen?"
"Ich denke die Dinge sprechen für sich. Denkst du nicht, daß die Blutarmut auf einen Vampir hindeutet?"
"Wie wäre es mit Ritualmord", hörte sich Buffy selbst wenig überzeugend sagen.
"Ich habe mit einem, eh, Freund heute telefoniert, der bei der Polizei arbeitet. Er konnte mir die Frage nach Malen am Hals bei allen 5 Opfern bestätigen. Zusätzlich hat der Täter jedem Opfer einen Drachen in die Brust geritzt. Ich sehe nicht, was daran normal sein sollte. Auch Spike ist der Ansicht, daß es das Werke eines, eh, oder mehrerer Vampiren ist."
"Oh, hören wir jetzt schon auf die Meinung eines impotenten Freaks?"
"Ich hab das gehört, Jägerin."
Spike tauchte aus dem Badezimmer auf, bewaffnet mit Gummihandschuhen, Eimer und Putzlappen. Buffy versuchte sich bei diesem Anblick vergeblich ein Grinsen zu verkneifen, was Spike nicht entging.
"Wage es ja nicht! Dein verrückter Engländer hier hat mich zum Putzen gezwungen. Keine Mitarbeit - kein Blut. Was soll ich sagen - ich hatte keine Wahl."
Spike pfefferte den Lappen in den Eimer und versuchte cool auszusehen.
Giles zuckte nur mit den Schultern, als Buffy ihn mit hochgezogenen Augenbrauen ansah, dann mit dem Kopf schüttelte und sich wieder ihrem "Problem" zu wandte.
"Sie glauben also wirklich, daß wir es hier mit was ganz Üblen zu tun bekommen? Ich dachte wir hätten mal für ne Weile ruhe, nachdem die Vampire führungslos sind und durch diese Kommando-Jungs alle übernatürlichen Wesen eingeschüchtert im Verborgenen bleiben."
"Eben, darum denke ich, haben wir es hier mit jemanden sehr dummen zu tun, oder mit jemand sehr mächtigen. I-ich denke du solltest, uhm in nächster Zeit nicht alleine auf Patrouille gehen. I-i-ich meine, eh...vielleicht sollten Xander und ich, dich abwechselnd begleiten."
Giles verschränkte die Arme über der Brust und lehnte sich gegen das Bücherregal. Eine eindeutige Haltung, die normalerweise Buffy signalisierte, dass mit ihm nicht zu diskutieren war. Trotzdem sah Buffy ihn geringschätzig an und versuchte es:
"Sie glauben doch nicht ernsthaft, wenn ich damit nicht alleine fertig werde, könnten sie oder Xander mir ernsthaft helfen..."
"Ich würde mich einfach wohler fühlen, w-w-wenn ich oder Xander dabei wären. Und keine weiteren Diskussionen, Buffy. Wie werden dich begleiten."
Buffy sah ihn kurz trotzig an, gab dann aber schließlich nach. Giles schien wirklich in Sorge um sie zu sein. Sie wußte zwar nicht warum, aber wenn er sich besser fühlte, wenn sie einwilligte, dann mußte es wohl sein.
"Meinetwegen, dann aber begleitet mich heute erst Xander und morgen dürfen sie dann von mir aus mit. Aber ohne jegliches Nörgeln und Kritisieren an meiner Arbeitsweise!" Warnte sie ihren Ex-Wächter gleich vor.
Giles verzog das Gesicht und der Ausdruck schien ihr zu sagen 'Wenn ich eben nicht anders kann?'
"O.k. Noch mal von vorne...Giles ist sich ziemlich sicher, daß wir es hier mit was ganz, ganz Üblem zu tun bekommen?"
Xander spielte nervös an seinem Pflock herum, als Buffy ihn einen Klaps auf den Oberarm gab und nach vorne deutete. Xander ließ sofort beim Anblick des Liebespärchen seinen Pflock in der Hosentasche verschwinden. Buffy wartete mit ihrer Antwort, bis das Pärchen an ihnen vorbei war.
"Ja. Irgendwie war er recht nervös. Ich verstehe nicht, warum er auf einmal Kindermädchen spielen möchte. Ich meine ich habe nun wirklich schon gegen Schlimmeres gekämpft. Ich habe den Meister gepfählt, eine Riesenschlange in die Luft gesprengt und Angelus überlebt und dann das!"
Buffy konnte sich manchmal wirklich in Fahrt reden, dachte sich Xander, während er neben Buffy herlief. Was erwartete sie von ihm? Eine Meinung, einen Rat, eine andere Sicht der Dinge...Hilfe!
"Hey, hörst du mir überhaupt zu?"
Xander nickte, schüttelte dann den Kopf, nickte wieder und bekam einen kräftigeren Klaps auf den Oberarm.
"Ich schütte dir mein Herz aus und du hängst mit deinen Gedanken in der kleinen, verrückten Welt des Xander Harris fest."
"O.k., uhm, um was genau ging es noch mal?" Xander grinste verlegen.
"Das Giles mich heute wie ein kleines Kind behandelt hat. Er will sogar mit auf Patrouille! Hast du Giles schon mal auf der Jagd erlebt? Bis an die Zähne bewaffnet und dann macht er immer noch einen auf Wächter *Buffy, meinst du nicht, es wäre an der Zeit?*, *Du bist leicht ausser Form*, *Du wirst etwas nachlässig*", äffte sie Giles nach.
"Er meint es doch bestimmt nur gut...", setzte Xander zu Giles Verteidigung an, schwieg sofort, als er Buffys bösen Blick auffing.
"Manchmal weiß ich nicht, wer mich hin und wieder mehr bevormundet, meine Mutter oder Giles. Manchmal weiß ich nicht mal mehr wer von den beiden sich mehr als mein Elternteil aufspielt. Ich bin 18. Wann begreifen das die beiden mal..."
Ein Schrei ließ Buffy inne halten und sofort in die Richtung laufen, aus der sie glaubte, den Schrei gehört zu haben. Ein schlechtes Gefühl sagte ihr, daß es die Frau des Liebespärchen gewesen war, das gerade an ihnen vorbeigelaufen war. Xander hastete hinter ihr her. Als Buffy um eine Wegbiegung rannte sah sie schon von weiten, die große, blonde Gestalt am Ententeich, die eine Axt über ihren Kopf schwang. Buffy hoffte rechtzeitig anzukommen, um dem Mann des Pärchen das Leben zu retten. Aber genau in diesem Moment raste die Axt auf den Mann zu und der Kopf flog in hohen Bogen in den Teich. Die Frau kreischte hysterisch auf und als sich der Blonde ihr näherte, wurden ihre Schreie spitzer und schriller. Buffy erhöhte ihr Tempo, sprintete über eine Bank und rief im Laufen:
"Hey, warum versuchst du es mal nicht mit jemanden, der deiner Größe entspricht," während sie ihm mit beiden Füßen ins Kreuz sprang.
Der Mann schwankte, fing sich aber wieder und wirbelte zu ihr herum.
"Xander, schnapp dir die Frau und dann weg von hier."
Xander ließ sich nicht zweimal bitten und zog die immer noch hysterisch kreischende Frau von Buffy und dem Blonden weg, blieb aber in sicherer Entfernung stehen. Er hatte von Giles den Auftrag Buffy zu helfen, wenn sie es nötig hatte. Er würde es sich bestimmt nicht wagen, diesem Befehl nicht nachzukommen.
Buffy sah in das Antlitz eines interessanten Mannes, der auf sie recht kriegerisch wirkte und Stärke ausstrahlte. Er hatte blondes, lockiges Haar, an den Schläfen hatte er dünne, geflochtene Zöpfe und einen muskulösen, freien Oberkörper. Als Buffy sich gerade fragte, ob sie es mit einem Vampir oder Dämon zu tun hatte, holte er mit der Axt aus und Buffy duckte sich darunter hindurch und sprang seitlich an dem Mann vorbei. Hinter ihm kam sie wieder auf die Beine und verpaßte ihm einen halb hohen Kick in die Nierengegend, er schwankte nicht mal. Doppelt so schnell wie Buffy wandte er sich um seine eigene Achse und griff mit der Axt erneut an. Buffy versuchte nach seinem Handgelenk zu treten, um ihm die Axt zu entwenden, aber der Blonde zuckte nicht mal. Er griff unbeirrt an. Buffy verbrachte die meiste Zeit damit, der Axt auszuweichen und sich außer Reichweite zu bringen. Die wenigen Kicks, die sie gegen seinen Bauch und seinen Rücken anbrachte, ermüdete sie, brachte den Gegner aber nicht zum Fall. Xander sah besorgt zu. Er wußte nicht was er tun sollte. Eingreifen, sein Leben aufs Spiel setzten? Giles um Hilfe rufen? Wo war das nächste Telefon? Waren sie vorhin nicht erst an einem vorbeigekommen. Weglaufen? Hilfe... Buffy hatte eine Lücke in der Deckung ihres Gegners gefunden und trat mit der Fußkante gegen dessen Nase. Der Blonde taumelte, stand kurz benommen dar und transformierte in einen Vampir. Buffy erschrak wie aus dem schönen Blonden ein dämonisches Monster wurde, das nur noch entfernt an sein menschliches Ich erinnerte. Selbst die blauen Augen wurden schwarz, monströs und stumpf. Und der Vampir griff nun doppelt so stark an als zuvor. Buffy mußte frustriert feststellen, daß ihre Kraft langsam schwand und ihre Angriffe schwächer wurden. Sie schlug mit den Fäusten gegen Bauch, Rippen, ihren Ellenbogen rammte sie ihm ins Gesicht, hechtete an ihm vorbei, kickte ihm gegen das Knie. Aber der Vampir kam nicht ins taumeln, fiel kein einziges Mal oder zeigte gar Schwäche. Im Gegenteil, seine Axt kam ihr zweimal recht nahe. Beim drittenmal riß sie ihre Lederjacke auf und verletzte sie an der rechten Schulter. Sie spürte Blut, ihr Blut.
"Wer, wer bist du," keuchte Buffy, als sie einen kurzen Moment pausierten und sich umschlichen. Der Blonde lachte auf einmal laut und gehässig.
"Kleine Jägerin, daß wirst du noch früh genug erfahren. Du und dein Wächter, dieser Rupert Giles, ihr werdet es bald erfahren. Du wirst die Zeit noch erwarten können. Und jetzt - lauf," und Buffy, voller Enttäuschung über sich selbst und in Wut, ließ sich nicht zweimal bitten. Xander und die nun stille Frau eilten hinter ihr her.
"Giles, jetzt hören sie doch mal damit auf und hören mir zu, AUA"
Giles verarzte ihre Wunde, da Buffy sein Drängen einen Arzt aufzusuchen abgelehnt hatte. Der Schnitt war tiefer als sie angenommen hatte. Und Giles war wenig erfreut gewesen davon zu hören. Die ganze Zeit hatte er sein Gesicht "Ich habe es dir ja gesagt" zur Schau gestellt und das regte Buffy langsam auf. Sie war kein kleines Kind mehr oder eine unerfahrene Jägerin. Sie hatte heute Abend einfach keine Chance gehabt, und wenn Giles ihr nun endlich mal ernsthaft zuhören würde, dann würde er das auch begreifen.
"Er, er hat gewußt wer ich war und er nannte sie beim Namen," Giles hielt für einen Moment inne und starrte durch Buffys Rücken hindurch, eher sie fortfuhr. "Er, er...weiß wer oder besser gesagt was wir sind. Wobei er aber nicht verraten wollte wer er ist. Haben sie vielleicht eine Ahnung? Autsch."
Giles tupfte Jod auf die Wunde.
"Buffy, also wirklich, du benimmst die wie ein kleines Kind. Ich bin ja schon fertig,"
Giles schnitt ein Mullbindenpflaster zurecht und klebte es sehr vorsichtig auf die Wunde. Er begann aufzuräumen und Buffy versuchte so gut es ging schmerzfrei ihre Bluse über die Schulter zu ziehen.
"U-und, kannst du mir den Vampir beschreiben?"
Giles vermied den Augenkontakt mit den beiden und das fiel nicht nur Buffy auf. Sie und Xander tauschten einen vielsagenden Blick aus.
"Nun, wie Vampire nun Mal so aussehen, spitze Zähne, übler Mundgeruch..."
"Buffy, bitte!" Giles Tonfall wurde schärfer und Buffy verstummte. "I-i-ich, uhm ... entschuldige. A-aber wir haben es hier mit etwas sehr Ernstem zu tun. Wir sollten versuchen das Problem einzugrenzen und nicht Witze darüber zu reisen."
"Schon gut." Und nach einer kurzen Pause fuhr Buffy fort: " Er hatte langes, blondes Haar, lockig. Blaue Augen, die schwarz wurden, als er transformierte. Er hatte auf der Brust so ein seltsames Mal, ich kann mich nicht mehr so richtig daran erinnern, einen Drachen? Ehrlich keine Ahnung mehr. Und er war stark, hatte ne Axt und war gut 2 Meter groß. Nicht Xander?"
"Oh ja, Mr. Universum, Mr. He-Man persönlich, mit nen kleinen Michael Myers-Axt-Syndrom."
Xander saß leichenblaß in einem Sessel und versuchte immer noch seinen Schock zu überwinden. Giles sah ihn kurz irritiert an und nahm dann seine Brille ab und rieb sich das rechte Auge. Dann setzte er die Brille zurück und saß stumm da. Er mußte nachdenken.
"Giles? Alles o.k.?" Buffy versuchte aufzustehen, aber ihr tat jeder einzelner Muskel weh und so blieb sie wo sie war, müde und völlig ausgelaugt.
"Hm? Ja, ich mußte nur daran denken...uhm nichts wichtiges."
"Aber ich habe was wichtiges! Morgen werden wir zu dritt auf Patrouille gehen und diesem Mistkerl den Garaus machen. Zweimal falle ich auf den nicht mehr rein."
"Langsam, langsam Buffy. In deinem Zustand gehörst du ins Bett und nicht auf die Jagd. Das kann ich nicht verantworten. Xander und ich werden.."
"Oh, nein. Keine Chance, ohne Buffy jage ich das Monster nicht," Xander schüttelte heftig mit dem Kopf.
"Willst du nun ein Wächter werden oder nicht," Giles sah Xander abschätzend an.
"Hey, ich habe mich noch nicht entschieden, noch ist die Woche nicht vorbei."
"Eben, Giles. Ihr Vater ist erst seit 5 Tagen wieder in London und in dieser Zeit haben wir 5 Leichen. Es wird zeit, daß wir ernsthaft vorgehen. Sie können sagen was sie wollen, ich gehe morgen auf die Jagd. Mit ihnen oder ohne euch beide."
Giles sah sie ergeben an. Hatte er wirklich eine Chance, wenn seine Jägerin so bestimmend auftrat? Wenn es der Ernst der Lage nicht verboten hätte, hätte er gelächelt.
Xander hatte sich angeboten Buffy nach Hause zu fahren und Giles hatte ihm bereitwillig den Autoschlüssel geliehen. Er wollte alleine sein und nachdenken, einige Quellen vergleichen, seine Vermutung seit dem dritten Opfer bestätigt sehen. Auch wenn er vor der Wahrheit Angst hatte. Große Angst. Er fand das Buch in seinem Regal und blätterte nervös die Zeichnungen durch. Und dann stieß er auf ihn: Llevlyn, oft auch als Levlin zitiert, oder wie er sich selbst nannte: Tigernmas, Herr der Toden. Giles Hände zitterten leicht und begannen heftiger zu zittern als er langsam begriff, was das alles für ihn und Buffy bedeuten würde. Würde es je auf hören, daß ihn seine Vergangenheit immer wieder einholte? Es kam einem Fluch gleich. Diesmal würde er Buffy gleich einweihen und nicht wieder warten, bis es fast zu spät war.
"O.k. Giles, sie haben mich jetzt überredet diese Nacht erneut im Park nach dem Vampir zu suchen. Was macht sie so sicher, daß er hier auftaucht und sich nicht einen anderen Jagdplatz sucht?"
"Er wollte gestern hier töten und du hast ihn davon abgehalten. Er wird wieder kommen, um das zu beenden, was er begonnen hatte."
Er langte zu ihr rüber und drückte ihre auf Anschlag ausgerichtete Armbrust nach unten. Es mußte ja nicht jeder mitbekommen, was sie hier taten, obwohl sie seit einer Stunde keinem mehr begegnet waren. Aber so war nun mal ihr lieber Giles, obwohl sie zu Beginn der Patrouille ihn noch mal gebeten hatte, sie nicht wie ein kleines Kind zu behandeln.
"Wer ist er? Hab ich was verpaßt?"
Xander trottete nun schon seit 2 Stunden schweigend hinter den zwei Streithähnen her, die sich ständig wegen irgendeiner Kleinigkeit anfauchten. Zunächst war Giles gegen Buffys Anwesenheit. Er hätte sie lieber im Bett gewußt. Dann nörgelte Buffy über Giles mitgeschleppte Waffentasche und am Ende ging es nur noch darum, ob sie am rechten Fleck waren und ob es überhaupt eine gute Idee gewesen war, im Park zu suchen. Xander war sich sicher, daß Giles wegen irgendetwas nervös war und überreagierte und Buffy dahingegen ahnte, daß Giles ihr schon wieder was verheimlichte. Dementsprechend waren die Launen der beiden nicht gerade die besten und Xander fühlte sich wie das dritte Rad am Wagen.
"Ich bin mir uhm noch nicht sicher. Ich will mich gerne erst von meiner Theorie überzeugen, bevor ich irgendwelche Vermutungen anstelle. Also warten wir es ab."
Buffy verdreht in Richtung Xander die Augen. Sie hatte ja von Anfang an gewußt, wie anstrengend es mit Giles auf Jagd war. Wenn sie nur an früher dachte, als er regelmäßig mit ging, um sich Notizen in sein Tagebuch zumachen und sie am nächsten Tag mit Sondertraining überraschte. Ja, das waren die guten alte Zeiten gewesen, jetzt war sie erwachsen. Selbst der Rat hatte es kapiert. Nur Giles schien seit neustem andre Ansicht zu sein.
"Was für eine Theorie, Giles? Haben wir uns nicht erst kürzlich geschworen keine Geheimnisse unter Freunde?"
Buffy ließ nicht locker. Konnte sie nicht einmal für eine Minute schweigen? Wie sollte er sich konzentrieren?
"Ich sagte doch gerade, ich will abwarten. Es ist kein Geheimnis, nur eine Vermutung."
Giles wollte nicht näher auf seine Theorie und Llevlyn eingehen. Es war noch zu früh und solange er den Vampir nicht Angesicht zu Angesicht gegenüber stand, wollte er es nicht wissen oder gar wahr haben. Buffy seufzte ergeben und schwieg endlich. Aber höchsten für ein paar Sekunden, denn:
"Noch mal zurück zu ihrer Theorie, Giles. Sie wissen nicht zufällig schon mit wem wir es hier zu tun haben? Wollen uns vielleicht nur schonen?"
"Oh Buffy, bitte," jetzt war es an Giles die Augen zu verdrehen. "Ich weiß es nicht!"
"Sie wissen es, wollen es aber nicht sagen, nicht? Wer ist es Giles?"
"Vielleicht kann ich weiterhelfen?"
Die drei blieben abrupt stehen und sahen in die Richtung, aus der die Stimme kam, die Buffy den gestrigen Abend in Erinnerung rief. Hinter einer alten Ulme trat aus dem nächtlichen Schatten der blonde Vampir vom Vorabend in das Laternenlicht. Er war bereits transformiert und nach den Blutspritzern auf seiner Brust, hatte er gerade sein Nachtmahl zu sich genommen. Buffy spürte wie neben ihr Giles erstarrte und sah ihn an. Er war leichenblaß. Hier stimmte mal wieder was nicht, das war klar. Aber was?
"Wer bist du oder was bist du?"
Buffy machte einen mutigen Schritt auf den Vampir zu, doch Giles schien sich auf einmal wieder bewegen zu können, denn er riß sie schnell und grob zurück, ohne Rücksicht auf ihre Verletzung.
"Autsch..." Buffy wollte Giles gerade fragen was das sollte als:
"Nicht!" Fuhr er sie lauter an als beabsichtigt und Buffy erschrak wirklich.
"Sie haben es ihr nicht erzählt? Sie weiß nicht wer ich bin?" Der Vampir lachte grob. "Kein bißchen hat sich unser Wächter verändert. Dann rennst du auch diesmal in dein Verderben und du wirst diesmal mit deiner Jägerin sterben."
Er lachte noch immer, obwohl er so schnell wie er aufgetaucht war in der Dunkelheit verschwand. Buffy und Xander sahen erstaunt und fragend zu Giles, der sich langsam zu entspannen schien, aber schwieg.
"Eh, würde mir vielleicht jemand erzählen was vorgefallen ist? Geht die Welt mal wieder unter? Hat Buffy irgendwas Schlimmes entdeckt? Leute?"
Willow war nach Buffys Anruf sofort zu Giles Wohnung gekommen und hatte Xander, Buffy und Giles schweigend vorgefunden. Die Atmosphäre im Wohnraum war geladen und ein großer Knall schien bevorzustehen. Alleine schon wie Buffy Giles nachsah, wenn er den Raum verließ, machte ihr Angst. Willow hatte kurz das Szenario beobachtet und festgestellt, daß Diplomatie angesagt war. Giles stand gerade in der Küche und goß seinen Tee auf und Xander seufzte schwer, als Buffy schließlich bereitwillig Willow einweihte.
"Unser Superhirn da hinten," Buffy zeigte auf Giles "Hat es mal wieder versäumt mir ein zwei Dinge aus seiner Vergangenheit zu erzählen. Zum Beispiel, das seit 5 Tagen ein übermächtiger Vampir in unserer Stadt weilt, der auf Rache sinnt. Und wie könnte es anders sein, will er Giles tot sehen und mich obendrein. Und das fiel ihm erst vorhin alles wieder ein."
Buffy sandte tödliche Blicke in Giles Rücken, der sich zwang nicht nach hinten zu sehen. Er wußte, dass Buffy im Recht war. Er hatte ihr noch nicht einmal vor einer Woche versprochen, keine Geheimnisse mehr vor ihr zu haben. Im Prinzip hatte er ihr ja alles erzählt. Er hatte ihr von Levlin erzählt, wie er seine erste Jägerin getötet hatte und er in Angst und Panik nach London geflohen war. Allerdings hatte er ihr nicht gesagt, warum das ganze passiert war. Sie wußte, daß er einen Fehler begangen hatte. Aber da sie ihn deswegen nicht ausfragte, hatte er ihr Einzelheiten erspart. Vielleicht hätte er ihr schon vor drei Tagen seine Befürchtungen mitteilen sollen. Aus Angst auf ihre Reaktion hatte er erst auf Nummer sicher gehen wollen.
"Wieso? I-ich meine, eh, wieso giftet ihr euch an?"
Willow sah nervös zwischen Buffy und Xander hin und her und starrte dann Giles Rücken an. Giles wandte sich ihnen langsam zu, leichenblaß wie Willow feststellte. Er kam mit zwei Tassen zum Tisch und stellte eine vor Buffy ab, Xander lehnte ab und Willow bekam die zweite Tasse. Wortlos kehrte er in seine Küche zurück und holte sich seine Tasse. Erst dann nahm er neben Willow auf dem Sofa platz. Sie bemerkte, dass seine Hände, die sich um die Tasse verkrampften leicht zitterten. Er räusperte sich und sah, während er eigentlich mit Willow sprach, Buffy an.
"I-ich...eh, dieser Vampir von dem Buffy sprach, heißt Llevlyn oder Levlin. Er ist sehr alt, über 2000 Jahre."
"Wow," Willow war beeindruckt, aber nur solange, bis sie Buffys Blick begegnete, der sie zum schweigen brachte.
"Ich habe Buffy vor mehreren Tagen erst von ihm und meiner ersten Jägerin erzählt. Eigentlich dachte ich, dass Buffys erster Wächter ihn vor 15 Jahren in die ewige Verdammnis geschickt hätte. Aber so kann man sich täuschen."
Giles senkte den Blick, als Buffy ihn wütend anfunkelte.
"Sie meinen so wie bei Angel? Eine höllische Dimension?"
Willow versuchte verzweifelt etwas zu finden, mit dem sie die Stimmung etwas aufheitern konnte. Statt dessen mußte sie Buffy auch noch an Angel erinnern.
"In etwa. Präziser gesagt, Merrick schickte ihn in die Einsamkeit. Fragt mich nicht, wie er sich daraus befreien konnte. Ich bin, was das angeht, recht ratlos."
"Sagen sie so was nicht, Mann," Xander bekam eine Gänsehaut. Wenn nicht mal Giles einen Rat, eine Lösung oder einfach was Beruhigendes zu sagen wußte, wie sollten dann sie damit fertig werden?
"Also Buffy hat mir davon erzählt. Ich meine von ihrer Vergangenheit. Heißt das wir bekommen schon wieder einen Besuch aus ihrer Vergangenheit? Oh, je...Buffy?"
Willow sah ihre Freundin ängstlich an. Buffy wandte sich ihr zu.
"Meinst du, du wirst damit alleine fertig? Nochmal mit Giles Vergangenheit konfrontiert zu werden, stehe ich nicht durch."
"Ich denke, daß ist eine Sache zwischen diesem Llevlyn und Giles. Ich halte mich da gern raus. Vor allem wenn er meinen Tod will."
Buffy ließ sich nach hinten fallen, verschränkte ihre Arme vor der Brust und setzte ihr typisches "Mit mir ist nicht zu reden" Gesicht auf. Giles spielte nervös an seiner Brille herum, bevor er sie wieder aufsetzte. Er stand auf und lief nervös auf und ab.
"Alleine schaffe ich es nicht, Buffy. Ich weiß nicht mal, ob wir es gemeinsam schaffen können. Ihr habt keine Vorstellung von Llevlyn. Er ist...."
"Dann weihen sie uns doch bitte ein, wenn es nicht zu viel mühe macht, Giles. Ich finde es ist mal wieder Zeit für eine kleine Märchenstunde," Buffys Tonfall ihrem Ex-Wächter gegenüber wurde immer aggressiver und Willow sah beunruhigt zu Giles, in dessen Gesicht sich die unterschiedlichsten Emotionen wiederspiegelten. Im Moment kämpfte er offensichtlich gegen aufkommende Wut an. Giles nahm seine Brille ab, spielte kurz daran, legte sie auf den Couchtisch, stütze sich mit beiden Armen darauf ab und beugte sich in Buffys Richtung.
"Glaubst du allen ernstes, mir würde diese Situation im Moment auch nur im geringsten gefallen? Denkst du ich mache mir keine Sorgen, oder habe genauso viel Angst wie du? Vielleicht sogar mehr, weil ich weiß was Llevlyn alles anrichten kann. Wir beide, du und ich, wir leben in einer andern Welt. Unsere Vergangenheit, unsere Zukunft handelt mit Dingen, die andere nur aus Filmen, Büchern oder aus ihren Fantasien kennen. Ich bin über 20 Jahre Wächter, glaubst du nicht, daß ich in diesen Jahren mit Dingen klarkommen mußte, die eines Tages mich wieder einholen würden? Muß ich dich an Angel erinnern? Du brachtest ihn um, er kam zurück, du warst mit deiner Vergangenheit schneller konfrontiert als es dir lieb war. Nicht wahr?"
Giles wollte Buffy nicht verletzten. Das lag ihm fern. Aber ihre vorwurfsvollen Blicke konnte er nicht mehr länger ertragen. Er konnte die ganze Situation nicht mehr ertragen. Und deshalb griff er nach dem, was sie am meisten traf. Buffy senkte ihren Blick und sah betreten zu Seite. Giles hatte ja recht. Er hatte immer recht. Sie konnte ihn nicht verantwortlich machen, was er vor 15 Jahren erlebt oder vielleicht getan hatte. Es war sicherlich nicht leicht für ihn gewesen, damit umzugehen, es zu verdrängen und es zu vergessen. Das er ihr das vor wenigen Tagen anvertraut hatte, zeigte, wie groß sein Vertrauen in sie war. Es war nicht fair, wenn sie ihn jetzt so kalt behandelte. Und trotzdem, war sie ja auch nur ein Mensch. Sie schwieg.
"I-i-ich habe dich nicht belogen, i-i-ch habe dir nichts verheimlicht. Du weißt seit einigen Tagen alles über mich. Das Llevlyn hier ist, ist nicht meine Schuld, Buffy. Na gut, ein wenig schon. Ich wollte nur sicher gehen, bevor ich euch alle in Panik versetze."
Giles entspannte sich, setzte wieder seine Brille auf und nahm platz. Er war wieder der alte, beherrschte Giles. Seine Gefühle hatte er wieder völlig unter Kontrolle und Buffy fühlte sich auf einmal nicht mehr wohl in seiner Nähe. Dieser Mann, dem sie so viele Jahre blind vertraut hatte, der ihr blind vertraut hatte, der sie vor mancher Gefahr beschützt hatte, sie in ihrer Liebe zu Angel unterstützt hatte, selbst nachdem Angel ihm das Liebste genommen hatte, dieser Mann entpuppte sich mehr und mehr zu, ja zu was? Buffy fehlte das richtige Wort, so sehr nahm sie Giles aufkommende Vergangenheit mit und brachte sie aus der Bahn. Sie hatte Eyghon noch verkraftet, Ethan kennenzulernen war interessant gewesen, manche kleine Details waren aufschlußreich gewesen, die sie von ihm oder über ihn erfahren hatte. Aber das hier war jetzt einfach zu viel, für ihren Geschmack. Sie stand auf.
"Ich...ich glaube ich gehe jetzt nach Hause. Begleitet mich jemand von euch zurück."
Buffy vermied den Augenkontakt mit Giles und sah Xander an. Xander sah unsicher zu Giles der ihm zu nickte.
"O.k. Buffy, ich komm mit. Willow?"
"Eh, Giles, dürfte ich noch einen Moment bleiben und ein paar Fragen stellen? Fragen, die eigentlich Buffy stellen sollte?"
Willow bedeutet ihren Freunden zu bleiben, aber entweder verstanden sie ihre Blicke nicht oder vor allem Buffy wollte sie nicht verstehen. Giles nickte Willow zu und sah dann niedergeschlagen Buffy beim Entschwinden zu.
Fortsetzung
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