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"Meinst du es war klug, einfach so zu verschwinden?"
Xander hatte noch nicht die Tür ins Schloß gezogen, als er Buffy schon mit vorwurfsvollen Fragen bombardierte. Buffy wollte gerne alleine sein, aber in Anbetracht dieses Vampirs, wagte sie nicht in Giles Nähe ihren Willen durchsetzten, nicht nachdem er ihre eben erst seine Meinung gegeigt hatte.
"Wieso nicht? Ich muß nicht mehr nach Giles Pfeife tanzen. Er ist kein Wächter mehr und ich unterstehe nicht mehr dem Rat. Was meinst du eigentlich damit?"
Buffy stürmte Richtung Uni.
"Na ja, hätten wir Giles nicht erst mal um nähere Infos bitten sollen?"
"Infos? Über Llevlyn? Die habe ich schon. Schon wieder vergessen, was ich dir vor ein paar Tagen erzählte? Giles hatte vor 15 Jahren eine Jägerin, meine Vorgängerin. Llevlyn tauchte auf, er schickte sie in den Kampf, Llevlyn tötete sie und Giles flüchtete nach London. 5 Jahre später machte man sich auf die Suche nach mir und beobachtete mein Heranwachsen, bis man mich mit 15 Jahren auf meine "Auserwählung" ansprach. Möchte nur mal wissen, wer solange an meiner Stelle gegen das Böse kämpfte...irgendjemand muß ja diesen Job erledigen. Wahrscheinlich bleibt das mal wieder ein Ratsgeheimnis. Jedenfalls ist das Giles offizielle Vergangenheit. Denke ich mal. Was hätte ich ihn noch fragen sollen?"
"Wie dieser Llevlyn die Jägerin tötete, warum er Giles Tod will, warum deinen?"
Buffy blieb stehen und sah Xander recht merkwürdig an und Xander gefiel dieser Ausdruck in ihren Augen nicht.
"Wunderbar. ‚Keine Geheimnisse mehr', genau das waren Giles Worte. Das ich nicht selbst darauf gekommen bin. Er verschweigt schon wieder etwas. Dieser Bastard...ich...oh....", Buffy stürmt weiter. Wort- und Ratlos.
"Buffy scheint ganz schön wütend auf sie zu sein," begann Willow vorsichtig, nachdem Xander und Willow verschwunden waren und Giles an seinem Tee schlürfte ohne das erste Wort an sie zu richten. Er sah sie nur über den Tassenrand hinweg an, als wäre er nicht anwesend.
"Ich meine, sie, sie war noch nie so hart ihn ihrem Ton ihnen gegenüber, Giles,...sie...," Willow verstummte.
Sie wußte nicht was das Paßende für diese Situation gewesen wäre. Giles stellte seine leere Tasse auf den Tisch. Er stand auf und versenkte sein Hände in die Hosentaschen.
"Buffys Reaktion ist nur verständlich. Ich habe ihr nie etwas über mich erzählt. Ich war für sie und für euch einfach nur der nette Brite, der ein paar seltsame Ansichten über das Leben hatte und Buffy dazu zwang ihrer Pflicht nachzukommen. Ich war in jeglicher Hinsicht eine Bremse für euer Vergnügen, kannte nur die, für euch alle. Ich wollte alles über sie wissen, aber nie etwas von mir erzählen. Aber meine Vergangenheit ist nichts, auf was ich stolz wäre. Und es auch nie sein werde...es war nicht einfach alles zu vergessen und es war bestimmt nicht einfach Buffy letztendlich doch alles darüber zu erzählen. Ich hätte allerdings hinzufügen sollen, daß sie euch gegenüber nicht gerade alles ausplaudert," setzte er mit einem Lächeln hinzu. "Jetzt ist das sowieso nebensächlich geworden und ich bin froh, daß sie euch eingeweiht hat. So bleibt es mir erspart, schon wieder die alten Geschichten aufzuwärmen."
Giles setzte sich wieder. Er schien Willow recht nervös. In Anbetracht der Dinge war das auch kein Wunder.
"Ist dieser Kerl wirklich eine so große Gefahr, Giles?"
"Ich denke schon. Besser gesagt, ich weiß es. Er ist über 2000 Jahre alt, Willow, das bedeutet für uns, das er sehr, sehr mächtig ist. Er hat viele Jägerinnen überlebt und viele getötet. Nicht nur Jägerinnen, auch ihre Wächter. Es ist für ihn eine Art Sport, ein Spiel. Nicht nur das, es ist ein Rachefeldzug. Seinem Alter nach, ist er der Ziehvater von fast jedem einzelnen ‚modernen' Vampir, der nach der Verdrängung der Dämonen , gemacht wurde. Er war der erste menschliche Vampir auf Erden. Selbst der Meister geht auf sein Konto. Er sieht sich als ihr Übervater. Jeder getötete Vampir ist ein Angriff auf ihn. Jägerinnen und Wächter sind damit seine erklärten Feinde."
Giles schwieg wieder und begann seine Brille zu putzen. Langsam, gründlich und schien nicht weiter reden zu wollen. Willow verarbeitete was sie gehört hatte. Hieß das, daß Llevlyn für jede Jägerin bisher den Tod bedeutet hatte? War es das, was Giles ihr sagen wollte? Manche erwischte es früher manche später?
"Giles? Heißt, heißt das, daß Buffy sterben wird? Ist es das was sie befürchten?"
Giles sah Willow sehr lange an und das war für Willow so gut wie eine Antwort. Sie spürte wie sie blaß wurde. Ihr war es für einen Moment schwindlig. Giles sah wieder zur Seite und räusperte sich.
"Ich weiß es nicht Willow. Ich kann nicht einmal abschätzen, ob Buffy die geringste Chance gegen ihn hat. Llevlyn wurde sehr oft für sehr lange Zeit gebändigt. Aber er ist gerissen und hat sehr viele Anhänger, die im Verborgenen operieren und ihn immer wieder befreien konnten. Manche Jägerin ist ihm nie begegnet und ist eines anderen Todes gestorben. Das ist unter anderem einer der Gründe, die Llevlyn rasend machen. Er will sie alle. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er sich befreien und mir folgen würde. Ich habe so sehr gehofft, daß das nicht der Fall sein wird, aber..."
Giles zuckte mit den Schultern und sackte ein wenig zusammen. Es tat Willow weh, Giles so mutlos zu sehen.
"Vielleicht ist Buffy besser als alle anderen. Sie sagten doch schon so oft, daß sie was besonderes sei. Vielleicht schafft sie es ja mit Llevlyn fertig zu werden..."
"Nein," Giles unterbrach Willow barsch. "Ich will nicht, daß sie sich Llevlyn stellt. Sie hat recht. Es ist eine Sache zwischen ihm und mir. Vielleicht kann ich einen Handel mit ihm vereinbaren. Ich hoffe es." Setzte er etwas leiser hinzu.
Als Willow in ihr Zimmer zurückkam, schlief Buffy schon und reagierte auf ihre leisen Zurufe nicht. Sie hätte gerne Buffy von Giles Sorgen berichtet, damit sie wußte, daß Giles wirklich Angst um sie hatte. Andererseits bezweifelte sie nicht, daß Buffy das sehr wohl wußte. Eben nur nicht zeigen konnte. Sie war immer so stur und mußte anscheinend immer das Gegenteil von Giles Ratschlägen machen. Willow ging auch zu Bett, obwohl sie sich für einen kurzen Augenblick gefragt hatte, ob sie heimlich einen Schutzzauber sprechen sollte. In Anbetracht ihrer vielen Fehlschläge ließ sie es lieber.
Im Schatten des Gebüsches stand Llevlyn und beobachtete das Fenster im zweiten Stock, hinter dem noch ein schwaches Licht brannte. Vor zwei Stunden war die Jägerin in Begleitung dieses braunhaarigen Jungen zurückgekommen. Er hoffte für sich, daß ihr Wächter ihr alles über ihn berichtet hatte. Es würde weniger Spaß machen, wenn sie bei seinem Anblick nicht vor Angst zu zittern begann und nicht um ihr Leben winseln würde. Llevlyn hatte noch keinen genauen Plan, aber er würde bald zuschlagen.
Am nächsten Morgen war Buffy recht wortkarg und Willow beließ es bei einem einzigen Versuch sie auf gestern Abend anzusprechen. Buffy hatte schlecht geschlafen, denn ihre Wunde schien schlecht zu heilen, wie sie Willow anvertraute. Sie hatte nur Giles nichts sagen wollen, weil er dann auf einen Arzt bestanden hätte. Aber Buffy hatte keine Lust, sich für einen Weißkittel eine Ausrede einfallen zu lassen, warum ein Mädchen eine tiefe Schnittwunde an der Schulter hatte. Zudem hatten sie Alpträume geplagt. Buffy klagte über starke Schmerzen und auf der weißen Mullbinde war Blut zu sehen. Als Willow ihr vorschlug Giles aufzusuchen, hatte sie dazu geschwiegen. Jetzt saßen sie stumm in der Cafeteria und tranken Kaffee und starrten ihre Donuts an. Keiner aß.
"Hey Buffy, Willow," Riley stand an ihrem Tisch und lächelte beide an. "Habt ihr für heute euer uh, Kapitel gelesen und das Arbeitsblatt?"
Buffy sah durch ihn hindurch und Willow fragte sich, warum Männer immer in unpassenden Momenten stören mussten. Sie nickte. Riley lächelte sie an und sah dann interessiert zu Buffy, die ihn anscheinend gar nicht wahrnahm. Der Junge mußte ja denken, das Buffy einen Knall hatte.
"Eh was? Ja, sicher. Sicher Riley." Buffy sah ihn an und lächelte verlegen.
"Bis später, dann. In der Vorlesung." Riley schien zu spüren, daß er hier störte und verzog sich an einen leeren Tisch.
"Riley scheint dich zu mögen. Wenn du dich ihm gegenüber aber weiter so seltsam benimmst, wird er bestimmt das Interesse verlieren," Willow spielte an ihrem Donut.
"Ich weiß Will. Aber ich habe jetzt wirklich anderes im Kopf. War ich sehr abweisend?" Fragte sie dann doch besorgt.
"Mhm, auf einer Skala von 0 bis 10 reichst du an eine 9 heran."
"Oh je so schlimm? Siehst du was Giles anrichtet, jetzt hat er schon wieder negative Auswirkungen auf mein Sozialleben und ich dachte das hört mit der High School auf." Buffy seufzte.
"Willst du nicht wissen, was wir gestern noch alles besprochen haben?" begann Willow vorsichtig.
"Ich weiß nicht," Buffy biss in ihren Donut, legte ihn aber wieder zur Seite. Sie hatte auf einmal keinen Hunger mehr. "Ich weiß nicht, ob ich es wissen will. Aber wenn du es nicht für dich behalten kannst..."
"Danke. Also Giles ist in großer Sorge," begann Willow hektisch, als sie Buffys o.k. hatte. "Er hat Angst um dich. Dieser Llevlyn scheint ein ziemlich fieser Typ zu sein, der gerne gemeine Spiele spielt. So im Stil von, von...Angelus. Oh tut mir leid Buffy, aber das waren Giles Worte."
Willow hielt inne um Buffys Reaktion abzuwarten doch sie bedeutete Willow fortzufahren. Willow teilte ihr das Wenige mit, das ihr Giles erzählt hatte.
"So, dieser Llevlyn tötet aus Rache Jägerinnen, wenn er sich aus irgendeinem Gefängnis wieder befreit hat. Komisch. Giles hat aber nicht erwähnt, warum er vor 15 Jahren Llevlyn erweckt hat?"
"Das hat er getan?" Willow war erstaunt. Bis jetzt sah alles danach aus, als wäre es eine normale Jägerin/Wächter-Vampir-Angelegenheit.
"Ach, daß hat er wohl verheimlicht?" Buffy klang schon wieder sehr aggressiv. "Er hat mir erzählt, daß durch einen folgenschweren Fehler von ihm Llevlyn erweckt wurde und seine Jägerin war noch nicht soweit, aber es war die einzige Möglichkeit Llevlyns Pläne zu durchkreuzen."
"Vielleicht solltest du ihn anrufen? Oder nach den Vorlesungen bei ihm vorbeischauen? Ich komme auch gerne mit, wenn dir das lieber ist?"
Buffy schwieg.
"Hey, Mann. Hör auf mir auf die Nerven damit zu gehen. Ich bin diesem durchgeknallten Kelten zum Glück nur einmal begegnet, als mich unser Sire zu einem Treffen mitnahm."
Spike lag auf Giles Couch und ruhte sich von seiner Hausfrauentätigkeiten aus.
"Angel hat dich dorthin mitgenommen?"
Giles wurde hellhörig. Er versuchte schon den ganzen Morgen aus Spike brauchbare Informationen zu quetschen.
"Ja, sage ich doch. Ohren auf, Engländer, es war vor etwa mehr als 100 Jahren in Irland."
Spike wollte eigentlich gerne schlafen. Aber er war hier der Nutznießer und musste mit ein paar Unangenehmlichkeiten rechnen. Aber sobald er wieder zubeißen konnte, war dieser nervige Engländer sein erstes Opfer. Er lächelte.
"Ist daran irgendwas belustigend? Habe ich was verpaßt?"
Giles stand vor Spike und dessen Lächeln fror sofort ein, als er Giles entschlossenen Gesichtsausdruck sah und den Pflock, den er in der Linken hielt und mit dem er auf sein Herz zielte. Giles Rechte packte ihn am Hals und der Pflock senkte sich bedrohlich. Der nette Gesichtsausdruck war einem starren Blick gewichen und einer Wildheit, die man recht selten an Giles sah.
"Jetzt hör mir sehr gut zu, Spike. Ich wiederhole mich nämlich nicht gerne." Zischte er Spike an. "Ich habe hier einen Psychopaten, der Buffy und mich tot sehen will. Er ist kein Gegner gegen den Buffy einfach so kämpfen kann wie gewohnt, er wird sie sonst dabei töten. Mich wird er erst quälen und Buffy vor meinen Augen töten und mich dann zu dem machen, was ich mein Leben Lang gejagt habe. Ich habe keine Lust zu enden, wie viele andere Wächter vor mir, um eines Tages einer Jägerin zu begegnen, die mir ein solches verdammtes Ding ins Herz jagt."
Er rammte den Pflock Spike gegen die Brust und Spike konnte nicht anders: er stieß einen ängstliche Quietscher aus.
"Jetzt liegen die Dinge anders, Spike. Ich habe keine Zeit mehr für Spielchen. Buffy und ich schweben in sehr großer Gefahr. Ich weiß das es dir mehr als fern liegt, der Jägerin zu helfen, aber wenn Llevlyn sie tötet, wirst du deine Rache nicht mehr an ihr nehmen."
Giles fühlte sich mies auf so einer Schiene Spike zum Reden zu bringen, aber seine letzte Bemerkung schien zu wirken. Spike zappelte unter seinem festen Griff und machte ihm klar, er solle den Druck auf seinen Hals nehmen, damit er sprechen konnte. Giles ließ los und wich zurück. Spike hustete und sah Giles wütend an, aber da er den Pflock nicht zu Seite legte, schluckte er seine Bemerkung herunter.
"Okay, okay. Sie haben mich irgendwie überzeugt...Angel und ich suchten damals einen gewissen Conner auf. Conner war ein Magier. Er sollte Angel in einen "Befreiungszauber" einweihen, damit er Llevlyn befreien konnte. Er war von dieser fixen Idee besessen und nichts brachte ihn von dieser Idee ab. Nachdem er erfahren hatte, daß diese Legende wahr war und vor allem existierte, wollte er den "Ziehvater" zurückholen. Er brauchte ganze 10 Jahre, um jemanden zu finden der diesen Befreiungszauber beherrschte. Er brachte ihn selbstredend hinterher um." Spike richtet sich auf und rieb sich den Hals. "Man sie haben vielleicht Nerven mit einen Vampir umzugehen..."
Einmal mehr wünschte sich Spike seine Transformierung zurück und nur 5 Minuten in einem Raum mit Giles und Buffy...
"Weiter" Giles winkte Spike mit dem Pflock zu.
"Angel nahm mich mit, in eine alte Höhle am Meer, und erklärte mir, daß hier das Tor zur anderen Dimension sei. Der Dimension, in der alles Böse seinen Ursprung hatte und wohin es zurückkehren wird. Es war eine ganz normale Höhle, dunkel, feucht und kalt. Wir gingen ein ganzen Stück, bevor Angel plötzlich anhielt und meinte hier sei es. Er bereitete alles vor, ich hielt ihm die Fackel. Dann begann er mit der Zeremonie und plötzlich erschien ein bläuliches Flackern, das zunahm und zu einem schmalen Spalt wurde, der an Umfang gewann. Als er breit genug für Angel war, sprang er hindurch und gab mir vorher so einen Zauberstab, den ich in das blaue Licht halten sollte, damit sich der Spalt nicht schließen konnte. Ich mußte nicht lange warten, da tauchte er mit Llevlyn im Arm wieder auf. Angel verbrachte Tage damit Llevlyn aufzupäppeln. Brachte ihm menschliches Blut, auf das er verzichtete. Nachdem Llevlyn genesen war, gab es für ihn nur noch zwei Dinge: Angel und seine Rache. Er bildete Angel aus, machte ihn zu dem Folterknecht, den sie ja recht gut kennen," Spike sah mit Zufriedenheit, daß seine Worte ihre Wirkung taten, als Giles zusammen zuckte, als er an die Ereignisse erinnert wurde. "Er sah in Angel seinen Befreier, Retter und seinen speziellen Sohn. Er war ja so stolz auf ihn. Allerdings machte Llevlyn einen großen Fehler, der dazuführte, dass er zurück in die Dimension geschickt wurde. Angel war außer sich, tagelang aß er nichts, vegetierte vor sich hin, nur um anschießend noch grausamer zu zuschlagen. Das ist alles. Wollten sie das wissen?"
Giles legte den Pflock zur Seite. Es war schwer noch klar zu denken. Angel. Immer wieder tauchte Angel in solchen unangenehmen Geschichten auf. Wie würde Buffy darauf reagieren, daß Llevlyn einst durch Angel ins Leben zurückgerufen wurde? Und wie würde sie darauf reagieren, wenn er ihr berichtete, daß er, ihr einstiger Wächter aus einer Laune heraus, einer wahnwitzigen Idee nachgehend, Llevlyn erweckt hatte?
Buffy ging an diesem Tag nicht ans Telefon, beantwortet Giles Anrufe nicht und hatte auch nicht vor zu seiner Wohnung zu gehen. Er hatte ihr versprochen keine Geheimnisse mehr zu haben, nichts mehr für sich zu behalten und dann kam heraus, dass es doch schon wieder etwas Verborgenes gab. Es ging dabei um ihr Leben. Wäre das nicht der Punkt, hätte sie bestimmt nicht so reagiert, wie es gestern der Fall gewesen war. Sie erinnerte sich noch gut, wie sie sich verraten gefühlt hatte, als sie von Giles erfuhr, dass er Schuld an ihrer plötzlichen Schwäche gewesen war, als er sie für die Reifeprüfung vorbereitet hatte. Ungefähr diesem Gefühl kam das Ganze recht nahe, nur doppelt so schlimm. Giles hatte gewusst, was dieser Vampir hier vor hatte und hatte es nicht für wichtig genug gehalten, ihr das von Anfang an zu sagen. Nun gut, dann sollte er doch mal schauen, wie er ohne sie zurecht kam. Sie hatte auch noch andere Dinge zu tun, als ihrem Ex-Wächter ständig das Leben zu retten. Willow teilte nicht ganz ihrer Meinung und sie hätten sich diesbezüglich fast gestritten, wäre Xander nicht aufgetaucht und hätte Willow entführt. Es war besser, wenn sie den Rest vom Tag in ihrem Zimmer alleine herumhing, fernsah oder zu lernen versuchte. Sie war nicht in der Stimmung mit ihren Freunden inhaltslose Gespräche zu führen.
"Was sollen wir machen, Will?"
Xander nagte nervös auf seiner Unterlippeherum. Anya saß gelangweilt auf der Bettkante von Xanders Klappbett und Willow lief unruhig auf und ab.
"Ich weiß nicht. Ich meine die beiden haben ja schon öfters miteinander Unstimmigkeiten ausgetragen und sich gestritten, aber das hier kommt einer Apokalypse gleich. Buffy ist es völlig egal, was Giles über diesen Llevlyn erzählt hatte. Es interessiert sie nicht mal, dass dieser Vampir ihr und Giles nach dem Leben trachtet. Sie, sie ist der Auffassung, wenn sie sich für ein paar Tage in unserem Zimmer verkriecht, kann ihr schon nichts passieren. Ich, ich meine Buffy verhält sich ... puh wie ein beleidigter Teenager..."
Willow wusste nicht weiter.
"Andererseits war Giles auch nicht ganz fair zu ihr," wandte Xander ein.
"Na und? Ich..uh...er wird seine Gründe gehabt haben, warum er ihr das eine oder andere doch nicht erzählt hat. Ich meine es ist doch schon jetzt schwer zu begreifen, was dieser Llevlyn für die beiden bedeutet, obwohl wir es direkt mit ihm zutun haben. Warum hätte Giles Buffy über etwas Beunruhigendes erzählen sollen, wenn es zu diesem Zeitpunkt noch nicht aktuell war? Ich meine, Buffy hätte sich doch bestimmt tagelang über diesen Vampir Gedanken gemacht, ohne Grund. Jetzt wo es Gründe dafür gibt, schaltet sie auf stur."
Anya saß nach wie vor da, sah desinteressiert zu und wünschte sich nichts sehnlicheres, als das die kleine, rothaarige Quasselstrippe endlich verschwand und sie mit Xander alleine war. Was ging sie das alles an? Nichts, Giles und Buffy verdankte sie ja immerhin ihre Menschlichkeit. Deswegen sollten sie schauen, wie sie alleine fertig wurden und ihren Xander da raus lassen. Nachher entschied er sich ja doch noch für sein Wächteramt. Brr, Ex-Dämonin ging mit einem Wächter. Sie stellte sich das Ganze recht schaurig vor.
"Wir sollten zu Giles gehen und mit ihm reden. Vielleicht kann er uns Informationen geben, die wir Buffy zu kommen lassen. Sie muß ja irgendwann mal einsehen, daß sie nicht für immer Giles böse sein kann."
Gute alte Willow, immer voller Optimismus und Tatendrang. Xander sah das Ganze etwas düsterer, erwähnte aber nichts davon, sondern folgte Willow ergeben, Anya ging ihnen nach. Was blieb ihr auch schon anderes übrig.
"Wie geht es Buffy?" Giles saß bei ihrem Eintreten an seinem Schreibtisch und wälzte Bücher. Er kam gleich zum Wesentlichen, als er sah, daß die drei ohne Buffy auftauchten.
"Uh...sie...ganz gut. Den Umständen entsprechend. Sie ...", Willow wußte nicht, wie sie Giles sagen sollte, daß Buffy offensichtlich in den nächsten Tagen nichts von ihm wissen wollte.
"Sie ist beleidigt, macht auf zickig und will von ihnen nichts wissen,"meldete sich Anya, taktlos wie immer. Da half auch Xanders künstlicher Hustenanfall nichts.
Anya strahlte Giles stolz an, sich völlig sicher, die einzige hier zu sein, die offensichtlich Buffys Verhalten richtig deutete. Warum sah sie dann Giles eigentlich so bissig an und weshalb machte Willow ein entsetztes Gesicht? War es doch falsch gewesen? Sie sah fragend zu Xander und bedeutet ihm, daß sie sich nicht sicher war, diese Situation noch im Griff zu haben.Giles beschloss Anya wie üblich zu übersehen.
"W-was macht ihre Verletzung?" Giles ergriff ein Buch, als bräuchte er etwas, um sich daran festzuhalten. "I-ich..uhm...die Axt ist vergiftet. Nichts schlimmes," fügte er hastig hinzu, als Xander und Willow zu einer entsetzten Äußerung ansetzten wollten. "I-ich habe das eben erst hier drin gelesen und es wird als langsames Gift beschrieben, daß den Vergifteten langsam und schleichend durch Alpträume schwächt. I-ich suche schon den ganzen Morgen nach einem Gegenmittel. Wir brauchen Buffy ganz bei ihren Kräften und nicht übermüdet. Sollte sie jemals bereit sein, mir zu helfen, wenn nötig."
Giles nahm seine Brille ab, spielte gedankenverloren an ihr herum und legte sie dann auf seinen Schreibtisch ab.
"Wir brauchen einen Plan."
Willow überflog die Bücher auf Giles Tisch. Sie schienen sich alle um die Entstehung des Vampirismus zu drehen und sie konnte sich gut vorstellen, daß Giles wahrscheinlich die ganze Nacht an seinem Tisch verbracht hatte, um mehr Informationen zu finden. Jedenfalls sah er übermüdet aus, war blas und unrasiert. Giles zog in diesem Moment die Augenbrauen hoch und sah nicht überzeugt aus.
"Einen Plan, Willow? Soweit war ich auch schon. Nur fiel mir nichts passendes ein."
Giles nahm seine Brille vom Tisch, setzte sie auf und verließ seinen Platz. Er begann die Bücher zurück ins Regal zu räumen.
"Ich fände es nett, wenn sie uns ein wenig mehr von diesem Typ erzählen würden."
Xander machte es sich bereits auf Giles Sofa gemütlich. Anya gesellte sich zu ihm und auch Willow sah Giles auffordernd an und nickte zustimmend. Giles seufzte schwer. Früher oder später würden sie es ja sowieso erfahren.
"Eh...uhm...," Giles verstummte. Wo sollte er beginnen? Sollte er ihnen gleich erzählen, daß Llevlyn und Angelus einst ein Team bildeten? Das Llevlyn ihn jagte, weil er indirekt Llevlyns Pläne vereitelt hatte? Er wollte gerade beginnen, als die Tür aufflog und Buffy in die Wohnung stürmte. Alle sahen zu nächst zu Giles und dann zu Buffy und wunderten sich, warum sie auf einmal doch über ihren Schatten gesprungen war.
"O.k. Giles, was hat es mit der Verletzung auf sich," Buffy baute sich vor Giles auf, der sich auf den Rand seines Schreibtisches niedergelassen hatte, sich aber jetzt wieder aufrichtete. "Und sagen sie nicht wieder, es tut ihnen leid, sie hätten es nicht vorher gewußt. Sagen sie einfach was los ist."
"Ich verstehe nicht ganz..." Giles wußte nicht, wie Buffy an die Informationen herangekommen sein konnte.
"Sie wissen genauso gut wie ich, daß ich als Jägerin so einiges vertrage, nicht? Wieso macht mich dieser kleiner Kratzer so fertig?"
Sie ließ sich auf einen freien Stuhl sinken. Sie sah wirklich müde aus und schien Schmerzen zu haben. Giles ging zu ihr.
"I-ich verstehe nicht ganz was du meinst, Buffy?"
"Verletzungen heilen bei mir schneller, als bei anderen, sofern überhaupt eine Verletzung zustande kommt. Diese hier heilt nicht, blutet nach wie vor und tut höllisch weh."
Willow und Xander hielten den Atem an. Was würde Buffy sagen, wenn sie von dem Gift hörte? Giles sah betreten zur Seite und sah sie dann direkt an.
"Die Axt, war, uhm, war vergiftet. Das Gift..."
"Was? Vergiftet! Vergiftet? Oh...", Buffy sprang auf und war entsetzt. Nein sie war in Panik. Mußte sie sterben? Giles konnte ja wenigstens genauere Beschreibungen abliefern.
"Keine Sorge, Buffy. Es ist nicht tödlich und ich suche bereits nach einem Gegenmittel. Das Gift ruft Alpträume hervor, die dich schwächen sollen, damit Llevlyn ein leichteres Spiel mit dir hat."
"Aha...weiter?" Buffy nahm wieder Platz.
"Weiter?" Giles sah sie irritiert an. "Ach so...uhm Llevlyn wird dich im geschwächten Zustand angreifen, dich gefangen nehmen, dann mich. Er ist ein Meister in seelischer und körperlicher Folter. Er quält die Jägerin gewöhnlich vor den Augen ihres Wächter, um sie dann zu töten. Ihn wird er dann zu einem Vampir machen, zu dem Monster, das er seit Jahren verfolgt, tötet. Und liefert ihn dann der nächsten Jägerin aus."
Giles polierte bereits erneut nervös seine Brille. Somit war er nicht gezwungen Buffys Reaktion auf die Informationen zu beobachten. Buffy schwieg geschockt. Giles hatte also nicht übertrieben, als er sagte, daß Llevlyn gefährlich war. Mehr als gefährlich. Sie hätte vor einer Woche besser zuhören sollen, als Giles aus seiner Vergangenheit erzählt hatte und hätte nachfragen sollen, als er ihr von seiner ersten Jägerin erzählt hatte und diesem Vampir.
"Wieso ist er so versessen auf sie?" meldet sich Xander zu Wort, dem das Schweigen zu viel wurde.
Giles setzte die Brille wieder auf, nachdem er einen prüfenden Blick hindurch geworfen und nach polierte hatte.
"Vor 15 Jahren suchte mich Ethan Rayne in Irland auf und machte mir ein verlockendes Angebot. Ich hätte es eigentlich besser wissen sollen, daß Ethan nur Probleme bedeutete. Aber damals lagen unsere gemeinsamen Abenteuer noch nicht so lange zurück und er betrachtete mich immer noch als seinen Freund. Ich betrachtete ihn zwar nicht unbedingt mehr als solchen, aber ich war froh ein bekanntes Gesicht zu treffen und über alte Zeiten zu plaudern. Er erzählte mir von dem Übervater aller Vampire. Ich war mir nicht sicher, ob Ethan mal wieder Unsinn sprach und las erst einmal nach und fragte beim Rat an. Von dort kam die eindeutige Anordnung die Finger davon zu lassen, aber keine weiteren Informationen. Ich war auf meine Bücher angewiesen, die mir nicht mehr verrieten, als das Llevlyn existierte, das er der erste menschliche Vampir auf Erden war, der Sire vom Meister und der Lehrmeister von Angel..."
Giles hielt kurz inne um diese Informationen auf Buffy und die anderen wirken zu lassen.
"Angel?" Buffy sah Giles an. In ihrem Blick lag etwas zwischen Unglauben und Erkenntnis.
"Ja, Buffy. Spike hat es bestätigt. Angel hat vor etwa 110 oder 120 Jahren Llevlyn erweckt und von ihm alles gelernt, was er später so gerne bei seinen Opfern ausprobierte. Llevlyn wollte zusammen mit Angelus eine Armee von Vampiren aufbauen und mit diesen die Erde überrennen, mit dem Ziel die Erde sich Untertan zu machen. Irgendein Ereignis fand satt und Llevlyn wurde zurückgeschickt. Hier sind die Quellen leider nicht sehr ausführlich. Llevlyn wurde in die Dimension verbannt, bis Ethan und ich so dumm und naiv waren, den Befreiungszauber ausfindig zu machen und auszuprobieren. Für ihn sprang dabei nichts heraus, vielleicht erneutes Chaos," Giles zuckte mit den Schulten. "Für mich war es eine, uhm, eine Wette zwischen uns gewesen. Ich wollte ihm beweisen, daß mein neues Leben als Wächter genauso spannend und aufregend sein konnte, wie unsere verrückte Zeit in London. Ich mußte nur Llevlyn erwecken und ihn mit meiner Jägerin wieder in die Verdammnis schicken. Dann hätte ich meine Ruhe vor Ethan gehabt, für alle Zeiten. Das war der Gewinn. Ich war ja so von mir und meiner Jägerin überzeugt," Giles verzog das Gesicht und erinnerte sich nur schmerzlich an damals. "Jedenfalls wurde Llevlyn von mir befreit. Er kam über unseren Ort, wie ein Racheengel und löschte jedes Leben aus. Meine Jägerin und ich, wir retteten uns und hielten uns versteckt. Sie wollte unbedingt etwas unternehmen, ich riet ihr ab. Aber als mir klar wurde, daß Llevlyn da weitermachen wollte, wo er vor über 100 Jahren mit Angelus aufgehört hatte, und seine ersten treuen Anhänger um sich versammelt hatte, gab ich meine Einwilligung. Sie kämpfte gegen ihn und versagte. Er nahm sie gefangen. Ich kannte ja die Bücher und die Legende um ihn und wußte, was mit mir geschehen würde, würde ich bleiben. Ich ließ sie im Stich und flüchtete nach England. Der Rat schickte Merrick, um zu beenden was ich begonnen hatte. Und Ethan hatte bekommen, was er wollte: er hatte erfolgreich Menschen ausgenutzt, um sich am Chaos zu ergötzen und er hatte meinen Stolz gebrochen."
"Eine Wette," flüsterte Willow ungläubig. Ihr pflichtbewußter Giles, der korrekte Brite, hatte das Leben einer Auserwählten für sein eigenes aufs Spiel gesetzt. Sie wollte Giles Worte einfach keinen Glauben schenken, mußte es aber wohl oder übel. Xander starrte vor sich hin. Seine Gedanken überschlugen sich: Llevlyn, böser Vampir. Giles, böser Mann. Buffy, vergiftet. Giles, böser, böser Mann. Er sah zu Giles, der wieder auf der Schreibtischkannte Platz genommen hatte und jeglichen Augenkontakt mied. Buffy saß im Sessel und sah ihn düster an. Xander sah zurück zu Giles.
"Und was machen wir jetzt? Rufen wir Angel an und bitten ihn uns zu helfen? Wäre das nicht ein Plan?"
Er war stolz auf sich etwas vernünftiges vorgeschlagen zu haben. Immerhin hatte er im stillen für sich beschlossen, daß Angebot des Rates anzunehmen. Er konnte es ja mal versuchen. Aber im Moment war wohl nicht der geeignete Moment Giles seine Entscheidung mitzuteilen, das hatte ja noch zeit.
"Das uhm, habe ich schon heute morgen erledigt. Angel weiß leider auch keinen Rat. Er kennt nur den Befreiungszauber, aber nicht den Bannspruch. Er hat allerdings versprochen Recherche zu betreiben. Er ist sehr in Sorge um dich Buffy," fügte Giles leise hinzu.
Buffy war zwar innerlich aufgewühlt und rasend vor Wut auf Giles, aber es tröstete sie zu hören, daß ihr Angel alles zu ihrer Rettung unternahm. Im Gegensatz zu ihrem Ex-Wächter, der schon bei der bloßen Erwähnung von Llevlyn zusammenzuckte.
Spike hatte während der ganzen Unterhaltung schweigend auf dem Treppenaufgang gesessen und an einer Tasse Blut gesuggelt. Giles schien als einziger der Blödmänner zu begreifen, mit was für eine Macht sie es zu tun bekamen. War ja nicht sein Problem. Er hatte Llevlyn persönlich vor 110 Jahren kennengelernt. Er war ein aufgeblasener, eingebildeter Kerl, der meinte, alles müsse nach seiner Nase gehen. Er bekam alles was er wollte und es schien auch, als würde ihm alles gelingen. Er hätte ihm damals fast Dru weggenommen, hätte er nicht...
"Okay, ihr Verlierer. Ich kann euer Gejammer nicht mehr ertragen. Ich weiß, wie man Llevlyn wieder zur Hölle schickt," Spike verließ seinen Beobachtungsposten und preßte seine Zähen fest zusammen, so daß seine Wangenknochen hervortraten. "Nicht das wir uns mißverstehen, ich helfe nicht euch, sondern versuche nur einen Parasiten loszuwerden."
Die Blicke richteten sich alle mit erstaunten Ausdruck auf Spike, der das sichtlich genoss. Bis auf Giles Blick, der schon wieder etwas gefährliches annahm und Spike an die Begegnung mit dem Pflock vom Vormittag erinnerte. Giles richtete sich auf. Seine Augen waren starr auf Spike gerichtet.
"Du Bastard! Die ganze Zeit siehst du dir mit an, wie ich wahnsinnig vor Angst nach einer Lösung suche, läßt dich fast pfählen aber..." er packte Spike am Kragen und riß ihn zu sich heran. Nur noch wenige Millimeter trennten ihre Nasenspitzen und Spike bekam wirklich so etwas wie Angst vor Giles. Buffy sah in Giles besorgt sein altes Ego "Ripper" durchblitzen und als sie sah, daß seine Linke sich zu einer Faust ballte, wurde es ihr auf einmal bewußte, daß Giles erstens in Panik war, zweitens höllische Angst hatte, drittens die Kontrolle zu verlieren schien und viertens ratlos war. Sie ging zu den beiden und legte Giles beruhigend die Hand auf die Schulter.
"Giles? Lasen sie ihn bitte am Leben. Sonst erfahren wir nie, wie wir Llevlyn besiegen können."
Giles sah Buffy für einen Moment ärgerlich an und Buffy glaubte zunächst, Giles würde sie entweder nicht hören und Spike auf der Stelle eigenhändig pfählen oder aber er würde sie anschnauzen. Nichts dergleichen geschah. Giles sah Spike noch einmal drohend an und ließ dann von ihm ab. Sehr langsam, und schließlich war er wieder der alte Giles. Er vergrub seine immer noch zu Fäusten geballte Hände in den Hosentaschen, wie um sie vor den anderen zu verstecken und trat zurück.
"Wir lauschen gespannt, Spike!"
Llevlyn schlich wie eine Katze um Giles Wohnanlage. Er hatte bei Sonnenuntergang Position bezogen, als die Jägerin die Uni verlassen hatte und hierher geeilt war. Prima. So bekam er sie beide zusammen. Was ihn beunruhigte war die Anwesenheit von Spike, den er durch das erleuchtet Fenster entdeckt hatte. Was suchte William the Bloody hier? Es irritierte ihn mehr, als das es ihn beunruhigte. Obwohl ihn das sollte, da Spike ihn nach Angelus Erweckungsversuch wieder in die Hölle geschickt hatte. Er hatte noch eine Rechnung zu begleichen. Aber erst war Giles und seine Jägerin dran. Noch einmal entkam er ihm nicht.
"Spike hat Nerven," Xander war erleichtert, daß es jemand gab, der wußte wie man dieser Gefahr entgegen wirken konnte. "Wie hat er nur in Ruhe zusehen können und die ganze Zeit gewußt, daß mit seiner Hilfe alle Probleme gelöst wären?"
"Nun Spike ist zwar kein wahrer Vampir mehr, aber er versucht wohl sein Image als Bösewicht aufrecht zu erhalten," Buffy schlenderte zwischen Xander und Willow Richtung Uni. Anya war lieber nach Hause gefahren. Zum Glück gab es Autos, dachte Buffy, da konnte man so schlecht von Vampiren überrascht werden. Vielleicht sollte sie sich auch eines anschaffen. Sie lächelte, als sie an ihre Fahrkenntnisse dachte.
"Was ist?" Xander war es nicht entgangen. Einerseits war er froh, Buffy mal wieder lächeln zu sehen, andererseits, konnte es auch den beginnenden Wahnsinn bedeuten.
"Ach nichts. Habe mir nur was überlegt. Vergißt es. Wir sollten wirklich mit dem gewonnen Wissen einen Plan aushecken. Ich finde Giles Vorschlag nicht gerade überzeugend."
"Warum nicht, Buffy? I-ich meine Giles will dich raushalten." Willow hatte bis jetzt geschwiegen und über Giles Vorschlag nachgedacht. "Er will dich beschützten. Ist doch klar, du bist und warst seine Lieblingsjägerin, ist ja auch kein Wunder, nachdem was ihr alles durchgemacht habt. Warum läßt du ihn nicht? Noch heute morgen hast du gesagt, es sei eine Sache zwischen den beiden und jetzt..."
"Jetzt liegen die Dinge anders Willow. Giles ist, er ist nun mal unser Freund und ich bin ihm meine Hilfe schuldig, nicht? Ich meine er ist ja mehr als bloß mein Freund oder mein Ex-Wächter. Und zudem, wenn Llevlyn wirklich so versessen ist wie Giles ihn beschreibt, dann sehe ich nicht die Lösung darin, daß Giles mit Spike versucht die Dimension alleine zu öffnen und Llevlyn hineinzulocken..."
"Danke für den Tip, Jägerin," Llevlyn trat auf den Weg und grinste breit. "Wußte ich doch, daß Giles etwas dazugelernt hat. Aber es wird ihm nichts nützen. Du gehörst mir."
Er schwang die Axt. Und griff unvermittelt an. Buffy duckte sich. Sie war auf seine Kraft vorbereitet.
"Willow, Xander, verschwindet. Lauft zurück zu Giles. Warnt ihn. Na los."
Sie blockte Llevlyns Arm und trat ihn gegen die Brust, setzte mit ihrem Ellenbogen nach und stieß sich von ihm weg, als er mit der Axt erneut ausholte. Willow und Xander wollten tatsächlich Buffys Aufforderung nachkommen, hielten aber an und sahen zurück. Was wenn Llevlyn Buffy besiegte? Was wenn Giles wissen wollte was passiert war. Besser sie hatten ein paar Antworten parat.
levlyn griff mit voller Wucht an. Und während Buffy versuchte sich davor zu schützten schwirrten nur zwei Gedanken in ihrem Kopf: Angel hatte ihn einst erweckt. Giles hat ihn erweckt. Das brachte sie in Rage und Wut war gut. Mit Wut im Bauch ließ es sich besser kämpfen, kraftvoller und das hatte sie jetzt bitter nötig. Sie hatte nicht mal die Zeit nachzusehen, ob sich Willow und Xander in Sicherheit gebracht hatten. Genau wie vor zwei Tagen hatte sie kaum eine Chance gegen diesen Vampir. Sie kämpfte mit all ihrer Kraft und trotzdem kam der Gegenüber nicht ins Wanken oder schien zu ermüden. Auch diesmal war sie es, die nachließ. Zum einen, weil ihre Schulter höllisch schmerzte und sie auch dank den hervorgerufenen Alpträume die ganze Nacht wach gelegen hatte und sich nicht unbedingt fit fühlte.
*Prima, am besten gibst du gleich auf und ersparst dir dieses sinnlose hin und her*, Buffy trat Llevlyn gegen das Knie und versuchte ihn von den Beinen zu fegen. Aber wirkungslos. Auch ihr Kick gegen den Hals erzeugte keine Wirkung und Buffy sah sich verloren. Es würde so kommen, wie Giles vorhergesagt hatte.
Xander und Willow sahen entsetzt zu, wie Buffy machtlos den Kampf gegenüber stand. Es schien zwar, als würde sie mit vollem Krafteinsatz gegen Llevlyn kämpfen, aber es war gleichzeitig auch so, als würde sie gegen einen Sandsack kämpfen, dem die Schläge völlig gleichgültig waren und hin und her schwang.
"Wir sollten vielleicht wirklich Giles rufen," Willow hatte Angst.
"Und was glaubst du was er gegen ihn machen kann? Denkst du wenn er ein Kreuz gegen ihn richtet und "Weiche von uns Dämon" ruft, schüchtert er den da ein?" Xander hatte genauso sehr wie Willow Angst, wollte das aber nicht eingestehen. Nein, denn er wollte ja Wächter werden. Genau wie Giles einer war. Also sollte ihm doch wenigstens in dieser Situation etwas einfallen? Leere, in seinem Kopf war nur die gewohnte Xander Harris Leere, ein gewaltiges Vakuum.
"Eh, okay Willow, lauf," und er drehte sich von dem Trauerspiel ab und rannte in Richtung Giles, gefolgt von Willow, die wirklich gerne mehr für Buffy getan hätte, als auf ihren Rat zu hören.
Fortsetzung
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