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Oz stand auf dem Dach seines Vans, die Augen geschlossen und versuchte in der Luft etwas zu wittern. Da war nur alter Fisch, Öl und abgestandenes Wasser zu riechen, keine Buffy und kein Giles. Schon gar nicht ein Untoter. Willow hatte sich eindeutig zu viel von ihm versprochen. Nur weil er damals, als Spike sie entführt hatte, Willow riechen konnte, hieß das noch lange nicht, daß er jeden anderen wittern konnte. Aber er tat sein bestes.
"Und Oz," Willow sah erwartungsvoll zu ihm hoch.
Xander trippelte ungeduldig auf der Stelle. Anya und Spike lehnten gegen die Motorhaube. Die Blicke richteten sich auf ihn.
"Nun ja, ich rieche Fisch...aber ansonsten nichts. Tut mir leid Willow."
Er kletterte von dem Dach runter.
"Bist du dir sicher?" Willow wollte nicht so schnell aufgeben.
"Nein," er zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht wie weit mein Geruchsinn verläßlich ist, aber die Sonne geht gleich auf."
Er zeigte zu Spike rüber.
"Ich versteh schon," Willow sah niedergeschlagen aus.
"Hey," er gab ihr einen tröstenden Kuß auf die Stirn. "Morgen versuchen wir es eben noch mal."
"Morgen? Wenn es da nicht schon zu spät ist." Willow stieg in den Van, der Rest folgte ihr.
*****
Xander hing seinen Gedanken nach, als Oz zu seinem Haus fuhr. Er wollte unbedingt etwas sinnvolles mit seinem Leben anfangen. Da war ihm Giles senior Erklärung und Offenbarung über seine weit zurückgehende Wächterfamilie gelegen gekommen. Jetzt hatte er sich endlich entschieden, auch wenn das Anya sicher nicht gefallen würde. Es war einfach an der Zeit, daß er den Clown ablegte und was mit sich anfing. Etwas aus sich machte. Er wußte nicht ob das funktionieren würde, mit ihm und Giles, aber er wußte, daß er diesen Llevlyn eigenhändig töten würde, wenn dank ihm aus seiner Wächterkarriere nichts wurde.
*****
"Buffy? Alles in Ordnung?" Giles wußte nicht was er hätte sonst sagen sollen. Er hatte selbst das Knacken der Rippen gehört. Aber irgendetwas mußte er sagen.
"Oh Giles bitte," Buffys Stimme war nur ein Flüstern. Sie hatte Schmerzen und das übersah auch Giles nicht.
Er schwieg. Es gab nichts mehr, daß er ihr zum Trost hätte sagen können.
*****
Am nächsten Abend waren sie wieder am Hafen gewesen und waren mit offenen Fenstern die Docks abgefahren, aber Oz konnte keine Witterung aufnehmen. Sie waren Spikes Vorschlag in die Industrieanlagen zu fahren nachgekommen, aber dort war Oz Nase zu sehr von Chemikalien und Abgasen abgelenkt gewesen. Willow schien kurz vor einem Zusammenbruch zu stehen, Xander platzte vor Unruhe und Anya schien sich langsam auch Sorgen zu machen. Oz war einfach nur über sich enttäuschst, er hatte gehofft seine Werform sinnvoll zum Einsatz zu bringen.
*****
Als Llevlyn wieder durch die Tür trat, war er nicht alleine. Vier Vampire begleiteten ihn. Giles Blut gefror. Er hatte sie wohl für heute abend auf dem Speiseplan stehen. Llevlyn stellte sich zwischen die zwei und gab den vier einen Wink. Zu zweit bezogen sie hinter Giles und Buffy Stellung.
"Ich habe für heute abend meine neue Freunde eingeladen. Wir wollen uns einen gemütlichen Abend machen. Was für ein Glück, daß ich schon an das Knabberzeug gedacht habe... mal schauen wer länger durchhält."
Er hatte ein Messer oder war es ein Skalpell? Giles konnte es nicht eindeutig erkennen.
*****
"Und damit es für meine lieben Freunde nicht zu anstrengend wird...", er trat auf Buffy zu und zog ihr mit dem Messer blitzschnell über beide Oberarme jeweils einen tiefen Schnitt. Buffy stöhnte.
"Bitte sehr!"
Die zwei Vampire hinter Buffy begannen das Blut, das Buffy an den Armen herunterfloss aufzulecken.
"Na Wächter, gefällt es dir, sie so leiden zu sehen?"
Giles starrte ihm finster entgegen. Er hatte das schon einmal durchgestanden, es würde ihn auch diesmal nicht umbringen. Llevlyn verpaßte ihm quer über beide Oberschenkel zwei Wunden und die Vampire hinter ihm, machten sich daran, daß hervorsprudelnde Blut aufzusaugen. Es war nicht schmerzhaft, es war einfach nur widerwärtig, diese zwei Kreaturen an sich hängen zu haben, die sich aus seiner frischen Wunde satt tranken.
*****
Etwas weckte ihn. Der Schmerz. Er öffnete die Augen. Blinzelte in das grelle Neonlicht, das jetzt schon seit Stunden (oder doch Tage?) brannte. Langsam erinnerte er sich und er ignorierte die brennenden Schmerzen, die seinen Körper durchliefen. Er sah voller Angst zu Buffy. Sie hing schlaff in den Ketten. Ihre Kleidung war von Blut durchdrängt und an den Stellen, an denen Llevlyn ihr Schnitte zugefügt hatte, war der Stoff gerissen. Er spürte zur selben Zeit, dass seine Kleider an ihm klebten Er hatte den Geruch von Blut in der Nase. Er mußte das Bewußtsein verloren haben, als Llevlyn ohne müde zu werden, Buffys und seinen Körper traktiert hatte. Er sah vorsichtig an sich herunter. Auch er blutete aus mehreren Wunden. Auch seine Kleidung war durchdrängt und zerfetzt. Noch immer spürte er die Zungen dieser Vampire an seinem Hals, als Llevlyn ihn kurz über der Schlagader verletzt hatte. Er schüttelte sich innerlich. Buffy schien bewußtlos. Er wollte etwas sagen, aber seine Stimme versagte.
*****
In der dritten Nacht waren sie Xanders Idee gefolgt und fuhren zu dem kleinen Gewerbegebiet in Sunnydale. Hier gab es viele leerstehende Häuser und nach Feierabend trieb sich hier kaum noch einer herum. Oz parkte hinter einem zerfallenen Schuppen.
"Viel ist es ja nicht, was wir hier durchsuchen können, aber wenn wir nicht fündig werden, weiß ich auch nicht mehr weiter. Habt ihr eure Ausrüstung?"
Willow sah fragend in die Runde. Sie hatte mal wieder für Giles das Kommando übernommen. Xander hob seinen Elektroschocker hoch, Anya ihre Eisenstange, Spike die schwere Eisenkette und Willow drückte den Tetachlion fester an sich. Oz hatte eine Wasserpistole gefüllt mit Weihwasser bei sich. Sie waren schweigend nebeneinander hergegangen als Oz plötzlich stehen blieb und den Kopf in den Nacken legte.
"Oz, hast d..."
Er hob die Hand und Willow verstummte sofort. Oz begann schnell in eine Richtung zu gehen und die anderen hatten Mühe ihm zu folgen.
*****
"Hey, aufwachen!"
Kaltes Wasser platschte in sein Gesicht. Giles schüttelte den Kopf und öffnete die Augen. Llevlyn war wieder da.
"Das gilt auch für dich, Möchtegern-Jägerin," er schlug ihr mit der Faust ins Gesicht. Giles verzog das Gesicht, somit brachte er sie höchstens schneller ins Jenseits, als zurück. Aber er täuschte sich. Buffy öffnete die Augen und sah Llevlyn verwirrt an und starte ihn dann voller Erkenntniss an. Giles hatte jedes Zeitgefühl verloren. Er schätzte, daß sie mind. 2 Tage hier gefangen waren. Llevlyn hatte Buffy vor geraumer Zeit mit einer Eisenstange seine Meinung über Jägerinnen kundgetan und er hatte irgendwann die Augen geschlossen, weil er nicht mehr mit ansehen konnte, wie Buffy ihn und nicht den Vampir, bei jedem Schlag vorwurfsvoller und am Ende mit Hass angestarrt hatte.
"Du schon wieder. Kann man mal nicht 5 Minuten in Ruhe seinen Schönheitsschlaf frönen?!"
Giles lächelt schwach. Selbst jetzt hatte Buffy ihren Humor nicht verloren. Aber Llevlyn wußte das nicht zu würdigen, als er ihr gegen das Knie trat. Buffy wimmerte, unterdrückte den Schmerzensschrei, als sie ihre Kniescheibe nachgeben spürte.
"Ich kann Jägerinnen nicht ausstehen. Das hat dir dein Wächter ja wohl gesagt. Du wirst hier den Tod finden und glaube bloß nicht, daß wir hiermit schon am Ende angelangt wären. Ich fange erst an..."
Giles stöhnte leise und schoß die Augen. Er hätte auch gerne seine Ohren verschlossen, doch die Ketten hinderten ihn leider daran. Er war, nein er hatte geglaubt, vorbereitet zu sein, was Llevlyns Grausamkeiten anging. Aber er hatte sich getäuscht.
*****
Oz hatte deutlich Angst gewittert. Er roch weder Giles noch Buffy, nur zentrierte Angst. Diesem Duft war er zu einem leeren, halb verfallenen dreistöckigen Gebäude gefolgt, daß vor langer Zeit als Anwaltskanzlei gedient hatte, wie das verwitterte Messingschild neben dem Eingang sagte. Vorsichtig betraten sie das Gebäude durch die eingefallene Tür. Staub rieselte auf ihre Köpfe und Willow glaubte Ratten vorbei huschen gesehen zu haben. In Anbetracht der Gefahr, in die sie sich begaben, lächelte sie über sich selbst und den Schrecken, den ihr diese Pelztierchen eingejagt hatten. Oz ging mit Xander voran, Willow und Anya folgten und Spike bildete die Nachhut. Oz führte sie zum Kellerabgang. Als sie gerade den anderen ihren Plan mitteilen wollten, krachte hinter ihnen ein Vampir durch die morsche Wand.
"Oh...mein Gott," Anya sprang schutzsuchend hinter Spike. Willow wich an die gegenüberliegende Wand aus. Xander aktivierte seine Elektroschock-Waffe und empfing den heranstürmenden Vampir damit. Somit gelähmt, hatte Oz keine großen Probleme den Vampir mit einem Pflock zu Staub zu verarbeiten.
"Hey, Jungs...hinter euch."
Willow sah zwei Vampire vom hinteren Teil des Gebäudes heranstürmen und Anya sah mit einem erschreckten Quietscher zur Treppe hoch. Auch von dort näherte sich ihnen ein Vampir.
"Los, in den Keller," Spike riss die Tür auf. Er hatte wenig Lust Seinesgleichen zu töten, nur um den Freaks hier zu helfen eine Plage loszuwerden. Anya, Willow und Oz stürmten hinterher. Xander drohte den neuen Angreifern mit dem Elektroschocker und knallte dann die Tür zu. Aus Mangel an einem Riegel oder Schlüssel, beeilte er sich den anderen zu folgen.
"Oh verdammter Mist. Mist, Mist," hörte Xander Spike von vorne fluchen.
"Was...", Xander sah erstaunt Willow, Anya und Spike zurückkommen. Verfolgt von 3 übel aussehenden Vampiren. Die Tür flog oben auf und Xander sah sich umzingelt.
"Und jetzt?" rief er Willow zu.
"Äh...kämpfen?" Willow sah zu Oz, der stumm und entschlossen nickte.
"Prima," Xander versuchte die 3 Vampire von oben mit dem Elektroschocker fernzuhalten und Oz beschoß die Vampire im Flur mit seinem Weihwasser. So drängten sie die Angreifer zurück und näherten sich der einzigen intakten Tür langsam und vorsichtig.
"O.k.?" Willow sah fragend in die Runde. "Jetzt!"
*****
"Na Wächter, was würdest du mir dafür geben?" Llevlyn stand feixend vor Giles und hielt ihm den Schlüssel unter die Nase. "Dein Leben? So wie du es mir schon einmal angeboten hattest? Wie hieß sie noch mal, diese undankbare Göre? Eileen, nicht?"
Giles starrte ihn so wütend wie nur möglich an. Doch dann lächelte er auf einmal. Nein er würde diesem Wahnsinnigen keine Macht über sich geben.
"Weißt du, was du mit deinem Schlüssel machen kannst...."
Die Tür flog auf und Giles sah erst verwirrt, dann erschrocken und schließlich entsetzt wie Xander, Oz, Willow, Anya und Spike hereingestürzt kamen. Waren die fünf wahnsinnig? Hatte Spike ihnen nicht gesagt, wie gefährlich Llevlyn war? Er war zu schwach, um darüber nachzudenken, wie sinnlos ihr Rettungsversuch war. Er war zu geschwächt, zu sehr auf seine Schmerzen konzentriert, daß er begann sich an ihr Auftauchen als Rettung zu klammern.
Sie blieben für einen Moment wie angewurzelt stehen, geschockt und sprachlos, als sie Giles und Buffy angekettet und offensichtlich am Ende ihrer Kräfte vorfanden. Anya war etwas weniger geschockt, sie war so einiges gewohnt, nach 1120 Jahren. Willow drehte es den Magen fast um, als sie das viele Blut an Buffy und Giles sah. Doch sie fing sich schnell wieder. Wollten sie den beiden helfen, mußte sie schnell handeln. Doch bevor sie den nächsten Schritt planen konnte, prallten ihre Verfolger auf sie und sie wurden nach vorne gerissen. Spike taumelte, fing sich aber wieder. Willow krachte gegen Llevlyn, der überrascht das Gleichgewicht verlor. Xander und Oz versuchten die 6 Vampire in Schach zu halten.
"Anya, würdest du mir bitte zur Hand gehen? Wäre ganz hilfreich, wenn du die gelähmten Vampire pfählst." Rief Xander über die Schulter Anya zu, die sichtlich unbehaglich den Pflock aus der Umhängetasche zog und ihnen dann zur Hilfe eilte. Auch Willow hatte ihren anfänglichen Schock überwunden und stürzte sich ins Kampfgetümmel, nachdem Spike ihr zu verstehen gegeben hatte, daß er sich um Llevlyn kümmern würde. Einem Vampir wurde dank Oz' Weihwasser das Gesicht in ein Dampfbad verwandelt, so daß Anya sich von hinten an ihn klammern konnte und Willow in aller Ruhe das Herz mit dem Pflock anvisieren konnte. Xander traf einen Punkverschnitt so stark, daß er zappelnd und zuckend zu Boden ging. Willow sprang auf seine Brust und verwandelte ihn in Staub. Anya übernahm für Oz die Wasserpistole, während Oz Xander half, der von einem der vier noch verbleibenden Vampire im Schwitzkasten genommen worden war. Xander schlug ihm mit dem Kopf gegen die Nase und Oz konnte sich von hinten anschleichen und zu stechen. Drei weniger.
"Sieh an Spike," Llevlyn hatte den Schlüssel bei Willows Aufprall verloren und suchte nach ihm, als Spike hinter ihn mit den Worten "Hey, Landplage!" getreten war.
Als er aufsah, krachte Spikes Faustauf seine Nase.
"Pff, jetzt bekomme ich ja richtig Angst vor dir. Das hat auch nicht mehr weh getan, als die schwächlichen Angriffe der kleinen Jägerin hier." Llevlyn lachte. "Hast du vor mich zu verprügeln?"
Spike schüttelte immer noch die schmerzende Faust. Es war schon eine Plage sich nicht mehr verwandeln zu können, wenn man einfach zu schwach war. Er knurrte über seine eigene Unfähigkeit.
"Willst du mir drohen?" Spike sah zu Llevlyn und wich ein paar Schritte zurück, lockte den Wahnsinnigen von Buffy und Giles weg.
"Liegt mir fern, Landplage. Aber ich habe mich noch gar nicht bei dir verabschiedet, als ich dich damals zurückschickte." Und wieder machte er ein paar Schritte rückwärts und Llevlyn folgte ihm.
Willow sah, was Spike vor hatte und was sie vor allem sah, war der kleine Schlüssel, der genau vor ihrer Nase lag. Sie griff danach. Dann machte sie Oz auf ihre ungünstige Lage unter einem der Vampire aufmerksam, in dem sie seinen Namen brüllte. Er riß den Vampir zurück, der zufällig in Xanders erhobenen Pflock stolperte. Willow kam auf die Beine und überließ den anderen den Kampf alleine auszutragen. Sie umkreiste Llevlyn, so daß er sie nicht bemerkte und spurtete zwischen den Pfeilern zu Giles. Sie machte sich an seinen Ketten zu schaffen.
"Willow...ihr müßt von hier verschwinden. Es gibt keine..."
"Pst,Giles. Wir holen sie und Buffy raus. Keine unnötigen Sorgen bitte," unterbrach ihn Willow. Ihre Hände zitterten vor Nervosität. Schließlich bekam sie den Schlüssel ins Schloss und öffnete Giles Ketten. Giles ging erschöpft in die Hocke. Ihm war schwindlig und der Raum drehte sich. Trotzdem machte er eine abwehrende Handbewegung, als ihm Willow auf die Beine helfen wollte. Er zeigte zu Buffy. Willow verstand sofort und machte sich daran auch sie zu befreien. Spike und Llevlyn waren zum Glück noch immer in ein Wortgefecht vertieft. Vorsichtig öffnete sie Buffys Fesseln. Buffy stöhnte leise. Ihr Körper war nur noch ein einziger Schmerz, sie sah alles verschwommen, fast schon grau in grau. Sie wollte nur noch schlafen. Giles kämpfte sich von alleine auf die Beine. Die Knie zitterten, die Schnitte brannten und sein Blick verschleierte sich für einen Moment, als die Schmerzen ihn übermannten. Er blieb in halber Höhe gegen einen der Pfeiler gelehnt stehen und wartete, bis die Schmerzen erträglicher wurden. Schließlich schaffte er es, erstaunt darüber wie sehr Wut und Rachegefühle einen stärken konnten. Llevlyn hatte ihm weniger zugesetzt als Buffy. Trotzdem war er erstaunt, wie leicht es ihm fiel sich auf den Beinen zu halten. Er kam zu Willow geschwankt und stützte Buffy, als sie ihrer Ketten befreit, nicht von alleine ihr Körpergewicht kontrollieren konnte. Er ließ sie sanft zu Boden gleiten. Dann sah er fragend in Willows entsetztes Gesicht. Sie schien langsam zu begreifen, was man ihrer besten Freundin und ihm angetan hatte. Sie sah fragend zurück. Giles deutet auf den Tetachlion in ihrer Hand. Sie reichte ihn Giles ohne Proteste. Giles wußte, daß es dumm von ihm war, was er vor hatte. Aber er war es Buffy und sich schuldig. Und Eileen Sullivan. Seiner ersten Jägerin, die er vor 15 Jahren an dieses Monster verloren hatte, weil das Mädchen nicht hatte auf ihn hören wollen, weil sie ihn nicht als ihren Wächter akzeptieren wollte. Jetzt war es an ihm, Rache zu nehmen.
Spike sah Giles sich von hinten an Llevlyn heranschleichen. Er registrierte Giles wild entschlossenen Gesichtsausdruck und mußte unbewußt lächeln. Giles würde diesen Großkotz ins Jenseits befördern, keine Frage. Solange er ihn ablenkte.
"Was grinst du so? Was schleichen wir eigentlich so herum? Bist du noch der Feigling, den ich damals kennenlernte?" Und mit diesen Worten machte Llevlyn eine unbedeutende Handbewegung, durch die Spike jedoch wie von unsichtbaren Händen nach hinten gerissen wurde und gegen einen Pfeiler krachte. Er kam auf die Füße, schüttelte sich und sah Llevlyn grimmig entgegen.
"Na schön, dann auf die harte Tour. AUA. Verdammt." Spike hatte für einen Moment vergessen, daß er nicht mehr transformieren konnte und der Schmerz kam unerwartet hart. Llevlyn lachte über ihn und das machte es nicht gerade leichter.
Giles war fast am Ziel, als Llevlyn Spike durch die Luft fliegen ließ und dann sich über ihn beugte. Doch Giles wollte Llevlyn töten. Egal wie und selbst wenn er damit mit seinen Leben bezahlen mußte. Er nahm all seinen Mut zusammen.
"Hey, Llevlyn! Vielleicht solltest du dich mal wieder deiner Beute widmen, bevor sie dir davon läuft." Sein Stimme war immer noch schwach. Trotzdem hörte Willow darin die leise Drohung, die Entschlossenheit. Llevlyn drehte sich ganz langsam zu ihm herum. Giles war auf seine Magie vorbereitet und als Llevlyn mit der Hand wedelte, trat Giles aus dessen Blickwinkel. Der Zauber prallte von der Wand ab und schoß unkontrolliert zwischen den Pfeilern um sie im Kreis herum und traf Llevlyn, der durch seine eigene Kraft zu Boden ging. Er kam aber schnell wieder in die Höhe.
"Nicht schlecht Wächter. Aber sag mir, wie du es bewerkstelligen willst, mich auszuscha...", ein Elektrostoß durchfuhr seinen Körper, als Xander hinzukam und Giles hilfreich zur Seite stand. Giles lächelte ihm dankbar zu. Llevlyn schüttelte benommen den Kopf.
"Was...", Giles war schneller an ihn herangetreten, als es Llevlyn bemerkt hatte. Sein Körper fühlte sich seltsam an, als wäre er gelähmt aber irgendwie doch nich. Noch konnte er auf den Beinen stehen, aber nicht handeln. Er mußte Giles vor sich ertragen, obwohl er den Geruch eines Menschen, eines Wächters, nur schwer ertrug, außer er hatte Hunger.
"Das ist für Buffy und Eileen, du Monster," Giles hob den Tetachlion weit hinter sein linkes Ohr, peilte den Drachen auf Llevlyns Brust an und stach dann zu. Llevlyn starte ihn für einen Bruchteil einer Sekunde erstaunt und verblüfft an, sah dann auf den Pflock, der genau in seiner Tätowierung, in seine einzige verwundbare Stelle, fuhr. Giles rammte ihn bis zum Anschlag in Llevlyns Brust, drehte ihn herum und zog ihn dann heraus. Llevlyn zerfiel mit einem lauten "PUFF" zu Staub. Der noch verbleibende Vampir nahm sofort Reißaus, als sein Boss nicht mehr war.
Giles hatte es geschafft. Er hatte eine Legende getötet und würde nun endlich ohne Alpträume und Ängste um Buffy leben können. Er sank zu Boden, auf die Knie. Er stützte sich mit den Händen ab. Ihm war schwindlig. Alles drehte sich. Xander legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter und Willow schlug vor, daß sie nach oben gehen sollten, um einen Rettungswagen, vielleicht auch die Polizei zu rufen. Xander wollte Giles die Treppe nach oben helfen, doch er bat Oz und Xander Buffy nach oben zu tragen, da sie es alleine nicht schaffte. Er selber blieb an der Tür gelehnt stehen und sah zu, wie sie vorsichtig Buffy hochnahmen. Als sie an ihm vorbei gingen, trafen sich die Blicke von Wächter und Jägerin. Und was er in ihren Augen sah, gefiel ihm nicht: Leere. Als sie ihn jedoch erkannte, blitzte für eine Sekunde Haß darin auf.
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Die Polizei suchte bereits nach Spuren, krempelte Unterstes nach Oberst, wühlten im Abfall und schossen Bilder von der "Folterkammer". Detc. Stein und Hamilton hatten versucht Fragen an Giles und Buffy zu richten. Giles hatte zwar Verständnis für die Beamten, die ihren Fall gelöst sahen, aber ihm war es nicht nach einer ideenreichen Geschichte. Er hatte ihnen zu verstehen gegeben, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür war. Überraschender Weise übernahm Xander für ihn die Klärung. Er erzählte den Beamten einfach, der Psychopath habe sich mit Benzin übergossen und sich selbst verbrannt. Als Beweis zeigte er ihnen die Asche. Ob sie es ihnen abkauften, war ihm jetzt recht egal. Buffy wurde von den Sanitätern gerade in den Rettungswagen geschoben. Man bat ihn einzusteigen und er folgte ohne zu protestieren. Die Schnitte hatten wieder begonnen zu bluten und ihm war noch immer schwindlig. Er wollte nicht wissen, wieviel Blut sie verloren hatten. Der Notarzt versorgte Buffy und gab ihm dann eine schmerzstillende Spritze. Der Wagen fuhr mit Blaulicht los und Giles sah aus dem Rückfenster zu dem alten Gebäude. Sie waren der Hölle entkommen.
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Buffy schlug die Augen auf und ihr Blick wanderte orientierungslos über die Decke. Wo war sie? War das das Leben nach dem Tod? Wo war Giles?
"Buffy?"
Giles Stimme drang zu ihr durch und ließ sie frösteln.
"Buffy?" Giles trat neben sie an ihr Bett und Buffy richtete ihren Blick auf Giles.
Giles war erleichtert. Seit drei Tagen warteten sie alle darauf, daß Buffy wieder zu Bewußtsein kam. Man hatte ihr, wie auch ihm Bluttransfusionen gegeben, ihre Rippen gerichtet und die vielen Wunden genäht, die es nötig hatten. Ihre zertrümmerte Kniescheibe wurde in einer zweistündigen Operation gerichtet und man hat Giles und ihrer Mutter versprochen, daß sie ohne Probleme und Nachwirkungen mit dem Knie wieder arbeiten konnte. Nur Leistungssport würde er ihr nicht raten. Beim Gedanken an Joyce lief Giles eine Gänsehaut über den Rücken. Buffys Mutter hat ihm, ohne Rücksicht auf seinen eigenen mißerrablen Zustand, Vorhaltungen gemacht, ihn angeklagt ihre Tochter fast umgebracht zu haben und im Grunde hatte sie ja recht. Deswegen hatte er ihr zugehört und nichts erwidert. Wie damals, als sie ihm die Schuld an Buffys Weglaufen gegeben hatte.
Buffys Augen blickten ihn eisig und voller Hass an. Das tat weh. Bevor einer der beiden etwas sagen konnte, platzten Willow und Oz ins Zimmer.
"Oh, hey Buffy. Wie geht es dir? Sicher, dummer Frage. Puh klar du mußt dich scheußlich fühlen. Von Xander und Anya sollen wir dich grüßen. Sie müssen leider heute mittag arbeiten, aber.." Willow verstummte als sie Buffys Blick bemerkte, mit dem sie Giles anstarrte. Sie sah fragend zum Morgenmantel bekleideten Giles, der nur Augen für Buffy hatte. Er ignorierte Willows und Oz Anwesenheit.
"Buffy...uh...bitte schau mich nicht so an. Ich kann doch auch nichts dafür, was paßiert ist, ist paßiert. Denkst du nicht, daß ich..."
"Giles? Halten sie die Klappe. Seien sie einfach still. Tun sie mir einen einzigen, letzten Gefallen und verschwinden sie aus meinem Zimmer und aus meinem Leben. Sie sind weder mein Vater noch sind sie noch mein Wächter. Sie, sie haben mich fast das Leben gekostet. Sie sind mit daran Schuld, dass ... dass ich hier liege...gehen sie." Buffy sah zur Seite, um ihre Tränen zu verstecken. Giles schluckte schwer. Unfähig etwas zu sagen. Ja, sie hatte recht. Er war schuld. Er hatte sie nie über Llevlyn aufgeklärt. Eine Gefahr, die immer über ihrer beider Köpfe geschwebt hatte. Aber es war doch nicht aus Absicht geschehen? Er hatte gehofft Buffy würde es verstehen. Aber er wußte auch, was es bedeutete seelische und körperliche Folter zu erleiden. Er hatte damals Angelus überlebt und lange danach sich kaum in das Leben zurück gefunden. Er war dadurch auf Llevlyn vorbereitet gewesen. Buffy jedoch nicht. Er war sich sicher, daß sich ihre Gefühle ihm gegenüber in einigen Tagen wieder ändern würden. Sie brauchte Zeit.
"Buffy, bitte. In ein paar Tagen..."
"Nein Giles. Nicht in ein paar Tagen, nicht in Monaten oder in Jahren. Ich will nichts mehr mit ihnen, ihren Büchern, Vampiren oder Dämonen zu tun haben. Ich arbeite nicht mehr für den Rat, daß wissen sie. Suchen sie sich für die eine andere, die den Job erledigt. Und ich werde auch nicht mehr für sie arbeiten. Ich habe genug von ihnen. Ich meine es so wie ich es sage. Gehen sie." Sie hatte sich nicht mehr zu ihm gewendet, Tränen liefen ihr über die Wangen. Giles sah betreten zu Boden und verließ sehr übereilt das Zimmer. Oz und Willow mußten nicht sehen, daß er nur sehr schwer gegen die Enttäuschung und Tränen kämpfte.
Ja, sie waren der Hölle entkommen. Doch die inneren Höllenqualen hatten erst begonnen.
-Ende von Kapitel 2-
Fortsetzung
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