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"Nein, nein, nein!" Giles warf seinen Degen entnervt ins Gras und stemmte sich die Fäuste in die Hüfte. Er funkelte seinen Gegenüber durch die Brille hindurch böse an. Dann entspannte er sich wieder und nahm die Brille ab, rieb sich mit Daumen und Zeigefinger erschöpft die Augen.
"Was denn?" fragte Xander erschrocken über Giles plötzlichen Ausbruch. Er ließ den Degen in seiner Hand zu Boden sinken und zog mit der Spitze kleine Kreise in den Waldboden.
"So ... so geht das nicht. Du kannst nicht losstürmen und schreien 'Tot den Untoden'." Giles seufzte. "Wir lernen uns zu verteidigen und bereiten uns vor allem auf das Training mit unserer Jägerin vor, Xander. Wir haben nicht vor mit unserem Wissen oder unserer Ausbildung ein Blutbad anzurichten. Dass überlassen wir der Jägerin."
Giles Tonfall verriet seine Verärgerung und Ungeduld. Den halben Vormittag verbrachte er nun schon mit Xander im Wald und versuchte ihm das Grundprinzip des Fechtens beizubringen. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn es ihre erste Stunde gewesen wäre. Aber seit 2 Woche schon, ging das Programm nach dem gleichen Schema und Xander wollte oder konnte es nicht aufnehmen und umsetzten. Welchen Teufel hatte ihn da nur geritten, als er dem Rat zugesagt und die neue Order akzeptiert hatte? Auf seine Anfrage hin, bestättigte ihm London, dass man wirklich nichts von dem Alleingang seines Vaters gewusst hatte. Aber dass Sir Giles ihnen von Xander berichtet hatte und Giles Wiederaufnahme in den Rat wahr ist, wurde von ihnen bejaht. Wenn er Xander so in seinen karierten Shorts und seinem knallig organge farbigen T-Shirt betrachtete, sah für Giles seine arbeitslose Zeit im Vergleich dazu wie das Paradies aus.
Zudem war es unerträglich heiß und Giles verfluchte sich dafür, nicht selbst etwas Leichteres angezogen zu haben. Seinen leichten Pulli hatte er bereits über einen Ast gehängt und sein weißes T-Shirt war Schweiß durchtränkt. Giles kritischer Blick fiel erneut auf Xander. Wenn sich Giles überlegte, dass er seit seinem 10 Lebensjahr die Schule des Rates durchlaufen hatte, von seinem Vater dazu gezwungen und Xander nun fast zwanzig war...nicht immer gerade der Hellste, dann sah er schwarz. Aber es steckte sicherlich mehr in ihm, als alle glaubten. Vielleicht würde Xander ja doch noch auf das College oder auf die Uni gehen. Solange würde eben Giles dafür sorgen müssen, dass er das Wichtigste von ihm lernte. Giles zog sein Taschentuch aus der Hose und wischt sich damit über die Stirn.
"Uh, was genau mach' ich den falsch, Giles?" fragte Xander etwas niedergeschlagen. Er fühlte, dass Giles mittlerweile immer mehr die Lust verlor, ihn zu trainieren.
"Ich weiß auch nicht, vielleicht machen wir einfach für heute Schluss. Gehen wir nach Hause. Zur Entspannung können wir ja noch ein wenig Quellenvergleiche üben, OAH," Giles griff zum Rücken, als beim Bücken nach der Ausrüstungstasche ihn ein höllischer Schmerz durchfuhr. Xander grinste. Giles gehörte auch nicht mehr zu den jüngsten und so ein Bandscheibenvorfall war nicht ohne. Trotzdem half er Giles, indem er für ihn die Tasche schnappte, ihm dann freundschaftlich einen Klaps auf die Schulter versetzte und grinsend meinte:
"Tja, Giles solangsam werden die Knochen wohl morsch!"
"Danke ... uh ... i-ich werde wohl auch nicht gerade jünger." Giles überging Xanders Spott und entledigte sich seines nassen Shirts und nahm ein frisches aus der Tasche. Unbeabsichtigter Weise vergaß er Xanders Blickwinkel und Xander erhaschte einen kurzen, ungewollten Blick auf eine lange Narbe die Giles als Andenken an Llevlyn behalten hatte. Xander sah verlegen zur Seite, als er bemerkte, dass es Giles nicht entgangen war, dass er die Narbe gesehen hatte. Xander zog es vor keine Fragen zu stellen, ihm war der Stimmungswandel nicht entgangen. Giles schwieg jedoch, hatte es nur auf einmal sehr eilig die einsame Waldlichtung zu verlassen.
*****
"Was macht ihr heute Abend," Buffy lehnte sich zurück und massierte sich ihren Nacken, der völlig verkrampft war. Sie hatte einfach zu viele Stunden gearbeitet. Aber sie hatte ja auch eine Menge nachzuholen, wenn sie am Ball bleiben wollte. Acht Wochen war eine lange Zeit, die sie verpasst hatte. Oz saß bequem auf Willows Bett und Willow selbst lag bäuchlings daneben. Oz zuckte mit den Schultern und sah Willow fragend an.
"Ach nicht viel. Ich gehe vielleicht mit Oz in den Proberaum oder treffe mich mit Anya im Bronze. Sie ist etwas sauer auf Xander und braucht in letzter Zeit häufiger eine Schulter zum Ausheulen. Denn Giles scheint ihn ganz schön in der Mangel zu haben und in Beschlag zu nehmen."
Willow grinste bei dem Gedanken daran, wie Xander erst vor zwei Tagen angerufen und sich über Giles verärgert Luft verschafft hatte. Er sei ein wahrer Sklaventreiber und Xander können nun immer besser verstehen, warum Buffy vor Jahren gegen Giles zu rebellieren versucht hatte. Der Mann sei einfach nur anstrengend. Willows Grinsen erlosch, als sie Buffys Blick begegnet und für einen Moment herrschte betretenes Schweigen zwischen ihnen.
"Entschuldige Buffy, ich vergaß, dass wir ausgemacht hatten nicht über Gil...über ihn zu sprechen. A-Aber du kannst nicht einfach so weitermachen, als existiere er nicht mehr und für dich...,"
"Verschon mich bitte mit deinem Vortrag, Willow. Wir haben vor 2 Monaten schon darüber diskutiert, vor vier Wochen und erst an diesem Wochenende, als ihr euch alle bei ihm getroffen habt. Ich weiß was ich tue," sie stand abrupt auf. "Ich muss zu meinem nächsten Kurs. Man sieht sich."
Willow sah ihr mit einem leisen Seufzer nach. Buffy war in letzter Zeit sehr anstrengend. Vor sechs Wochen war sie aus dem Krankenhaus entlassen worden, aber war erst zwei Wochen später zur Uni zurückgekehrt. Solange hatte sie zu Hause gewohnt. Erst seit dieser Woche war sie ihre Krücken losgeworden. Und Willow hatte Wochen damit verbracht Buffys Bruch mit Giles zu kitten. Aber vergebens. Sie war nicht interessiert und wollte von ihm nichts mehr wissen. Und das Schlimmste für Willow an dieser Angelegenheit war Giles Resignation. Er ließ Buffy in ruhe, wollte nicht einmal, dass Willow oder Xander in dieser Sache Vermittler spielten. Er hatte ihnen es sogar mit Nachdruck untersagt. Das ihn aber Buffys Verhalten tief verletzte, lag offensichtlich auf der Hand, so wie er sich auf Xanders Ausbildung stürzte. Armer Xander.
"Was ist Willow?" Oz war der Seufzer seiner Freundin nicht entgangen.
"Ach nichts, Oz ...nur, uh...Buffy hat sich so verändert. Und Giles erst," sie verarbeitete ihr Muffin vor sich in Kuchenkrümel.
"Ist ja auch kein Wunder. Nachdem was sie vor acht Wochen durchgemacht haben." Oz legte beruhigend seine Linke auf Willows Hand. Sie lächelte ihn dankbar an. Es war schön zu wissen, dass es jemanden wie ihn gab, der sie verstand und ihr vor allem immer Halt gab.
"Vielleicht sollte ich heute Abend wirklich mal wieder ins Bronze." Und mit Anya über die armen Schüler lästern, einfach so um auf andere Gedanken zu kommen, fügte sie in Gedanken hinzu.
*****
Giles stand neben der Eingangstür mit dem Rücken zu Xander am Fenster und starrte auf die Straße hinunter ins Leere. Xander nuschelte irgend etwas hinter ihm. Giles hörte nicht hin, auch nicht, als Xander offensichtlich seine Frage wiederholte. Giles war mit seinen Gedanken weit fort. An einem dunklen Ort, an dem er seit so vielen Tagen immer wieder verweilte, obwohl er sich jeden Morgen beim Aufstehen erneut verbat dorthin zurückzukehren, wo alles vor acht Wochen begonnen hatte. Der Rückenschmerz war der Auslöser gewesen. Es lag nicht am Alter oder am Training. Aber es musste ja nicht jeder wissen, was Llevlyn ihm angetan hatte. Er war sich nicht einmal sicher, ob Buffy es mitbekommen hatte.
"GILES!"
"Mhm?" Langsam wandte er sich Xander zu, der am Esstisch über einen Berg Bücher brütete. Xander entging nicht, dass Giles wie so oft mit seinen Gedanken in der Ferne weilte und nicht bei der Sache war.
"Das hier, Giles," Xander hob eines der Bücher hoch.
"Um Himmels willen Xander. Das ist ein Originalkodex aus dem 11. Jahrhundert. Würdest du bitte‚ etwas vorsichtiger damit umgehen? Danke." Giles stieß erleichtert einen Seufzer aus, als Xander mit entschuldigender Unschuldsmine das Buch übertrieben sorgfältig auf den Tisch legte. Giles kam zu ihm an den Tisch.
"Was ist damit?"
"Latein! Richtig?" Xander strahlte mit sich und seiner neu angelernten Fähigkeiten zu Frieden.
Giles warf einen flüchtigen Blick über Xanders Schulter auf das Buch, verzog die Mundwinkel nach unten und trat wieder zurück. Er verdrehte hinter Xanders Rücken die Augen.
"Wohl kaum. Altdeutsch, 10. - 11. Jahrhundert."
Xanders Mund klappte überrascht auf. Woher hatte dieser Mann nur sein ganzes Wissen?
"Ich denke wir schreiben dich doch für das nächste Semester an der Uni für Geschichte und Archäologie ein. Die mystische Seite und den nötigen Nachhilfeunterricht bekommst du dann von mir vermittelt." Xander entging nicht Giles Unterton. Was musste er noch alles anstellen, um den Mann zu beweisen, dass er bereit war hart zu arbeiten? Das er mehr auf den Kasten hatte, als sie alle von ihm dachten? War es seine Schuld, dass ihm der liebe Gott etwas zu wenig Gehirnmasse mit auf den Weg gegeben hatte?
"Na ob das was bei dieser Dumpfbacke nützt?" meldet sich Spike zu Wort, der seit Xanders und Giles Rückkehr recht genervt versuchte sich auf die laufende Folge von Friends zu konzentrieren. "Zudem Giles, sind die Kekse schon wieder leer." Dabei hob er anklagend die leere Packung hoch. Xander funkelte ihn böse an und pfählte Blondy in Gedanken.
"Ich denke wir machen für heute Schluss. Morgen, zur gewohnten Zeit. Und diesmal pünktlich." Ignorierte Giles Spike und begann die Bücher zurück ins Regal zu stellen.
"Bin ich doch immer." Xander packte seine Sachen zusammen. Giles warf ihn regelrecht aus seiner Wohnung. Gut, dann hatte er schon mal wieder mehr Zeit für Anya. Was auch nicht schlecht war, denn Anya war in letzter Zeit recht mies drauf, da er die meiste Zeit hier verbrachte, statt mir ihr.
"Oh, ich würde drei Stunden Verspätung nicht als ‚in der Zeit' betrachten."
Xander grinste Giles an, der ihn streng anfunkelte, was Xanders Grinsen breiter werden ließ. 6 Uhr morgens war auch einfach zu früh. Aber er nahm sich fest vor morgen mal wirklich rechtzeitig bei Giles aufzutauchen, um ihm seine guten Absichten zu zeigen.
Besorgt sah Xander beim Gehen zu ‚seinem' Wächter, der bereits an seinem Wohnschrank stand und sich einen Drink eingoss. Nachmittags um vier! Es wurde in letzter Zeit immer öfter und früher. Xander musste mit Willow darüber unbedingt einmal reden. Mit Buffy war ja in letzter Zeit nicht besonders viel los und über Giles Probleme zu reden, hatte sie sicherlich noch weniger Lust. Sie hatte es sich sogar verboten, dass man über ihn in ihrer Anwesenheit sprach.
"Bis morgen dann." Doch Xander bekam keine Antwort und als er die Tür zu zog, sah er Giles bereits nachgießen.
*****
Der Schlaf wollte nicht kommen. Wie schon so viele Nächte zu vor. Vertraute Geräusche verwandelten sich zu nächtlichen Schrecken, ließen ihn mehr als nur einmal hochfahren. Er warf sich von einer Seite zur anderen. Er hatte gehofft, die Flasche Whiskey am Vormittag würde helfen. Doch wahrscheinlicher war es, dass er weiterhin wach lag und am nächsten Morgen dafür mit einem gewaltigen Kater als Quittung aufwachen würde. Giles schloss die Augen. Doch dann kamen die Bilder, die Erinnerungen. Er hörte Buffy leise vor Schmerzen wimmern, sah Llevlyn auf sich zu kommen. Fühlte erneut den Schmerz. Er fuhr hoch. Schweißgebadet. Er stand auf, schwang seine Beine aus dem Bett und saß eine Weile vorn übergebeugt auf dem Bettrand. Ihm war schwindlig und bevor er aufstand, wollte er sicher gehen, dass er nicht beim ersten Schritt die Treppe nach unten fiel und sich das Genick brach. Langsam machte er sich auf den Weg ins Wohnzimmer, tastete sich an der Wand entlang. Obwohl es sehr ungklug war und er es eigentlich besser wissen mußte, nahm er die halbvolle Flasche aus dem Schrank, goß sich ein und spühlte die Angst hinunter. Aber es nützte nicht viel. Er schwankte mit der Falsche und dem Glas zu seinem Sofa und ließ sich hineinfallen. Er haßte sich in dem Moment selbst, als er das Glas wieder füllte und ansetzte. Er hätte es gerne gegen die Wand geworfen oder zumindstens die Flasche unberührt in den Schrank zurückgestellt. Statt dessen nagte ständige der Selbstzweifel über sein Verhalten gegenüber Buffy an ihm, machte ihm die Nachwirkungen in Form von Träumen und schattenhaften Erinnerungen zu schaffen und trieben ihn an den Rand der Verzweiflung, trieb ihn vor allem an die Falsche. Er hätte Buffy sicherlich genauso nötig gehabt wie sie Giles. Davon war er überzeugt. Schließlich waren sie die einzigen Personen, die dieses Intermezzo jemals überlebt hatten und somit sich die einzigen, die sich Trost zu sprechen konnten oder darüber miteinander hätten reden können. Es war seltsam. Er hatte den Wahnsinn mit Angelus überlebt, den Schmerz, den er mit dem Andenken an Jenny verband, das Leben am Rand des Höllenschlundes, aber nun war seine Kraft aufgebraucht. War es den wirklich so schwer, einfach nach dem Telefon zu greifen und anzurufen? Brauchte es wirklich so viel Überwindung den Campus aufzusuchen, um Buffy einen Besuch zu erstatten? Er mußte sich eingestehen, dass er Willow und Xander dankbar war, dass sie ihn in letzter Zeit nicht mehr zu setzten, den ersten Schritt zu machen. Er war feige. Das gab er sich in diesem Moment ganz offen zu. Und er hatte ganz einfach Angst, vor Buffys Reaktion. Sie wollte nichts mehr von ihm wissen und er hatte es akzeptiert. Er verzog bei diesem Gedanken schmerzhaft das Gesicht. Akzeptiert vielleicht, damit leben konnte er nicht. Er starrt in das halbvolle Glass, ließ die Flüssigkeit darin im Kreis schwappen. Was war aus ihrem "Verlassen sie mich nicht. Ich kann das nicht allein." geworden? Giles seufzte. Sentimentalität hatte ihm jetzt gerade doch gefehlt. Und er mußte sich eingestehen, dass sie sehr wohl ohne ich zurecht kam. Nicht er hatte sie letztendlich verlassen, sondern Buffy ihn. Nicht erst seit dem Vorfall mit Llevlyn, sondern von Beginn des Semesters an, war sie ihm fremd geworden. Ihre Besuche konnte er an zwei Händen abzählen, wenn es sich nicht gerade um ein Meeting drehte. Unkontrolliert warf er schließlich das Glas doch gegen die gegenüberliegende Wand, lauschte dem Zerspringen des Glases, dem Herunterregenen der Splitter und starrte für einen Augenblick den feuchten Fleck an, bevor er sich wieder taumelnd auf den Weg ins Bett machte.
Buffy warf sich unruhig hin und her. Die Träume kamen immer wieder und sie hatte nicht vor einzuschlafen. Willow schlief bereits fest, bekam von Buffys nächtlichen Schrecken nichts mit. Wenn sie schweißgebadet aufschreckte, verfluchte sie zum tausendsten Mal Giles. Gab ihm alleine die Schuld an den Geschehnissen vor acht Wochen. Doch sie wusste es besser. Auch wenn sie den anderen gegenüber dies nie zugeben würde - sie vermisste Giles. Seit sie ihm im Krankenhaus gesagt hatte, er solle sich zum Teufel scheren, hatte sie Giles nicht mehr gesehen. Er hatte keinen einzigen Versuch gestartet, sie eines Besseren zu belehren. Das tat weh. Obwohl sie genau wusste, dass er nur ihrem Wunsch folgte, so wie er das Jahre zu vor immer getan hatte, konnte sie sein Verhalten nur schwer akzeptieren. Aber es war ja ihr Wunsch gewesen. Und sie war noch nicht bereit den ersten Schritt zu unternehmen. Es war einfach alles nur so kompliziert geworden, nachdem er ihr Zimmer schweigend verlassen hatte. Damals wahrscheinlich schon mit der Hoffnung, dass sich Buffy beruhigen würde, früher oder später vielleicht einsehen würde, dass es nicht seine Absicht und seine Schuld gewesen war. Aber sie hatte es todernst gemeint und das hatte Giles recht schnell zu spüren bekommen. Es war nicht so, dass es ihr nicht leid tat, was sie gesagt hatte. Und alles in ihr schrie danach sich zu enschuldigen oder ihn zumindestens anzurufen. Aber es ging nicht. Sie hatte ihren Stolz. Alles Drängen von Willow und Xander, rief das Gegenteil in ihr wach. Irgendwann hatten sie es eingesehen und ruhe gegeben. "Alles was du bei mir findest, ist meine Sympathie... und meinen Respekt." Dieser Satz war aufeinmal aus ihrem Gedächtnis aufgetaucht, lastete schwer auf ihrem Gewissen. Denn genau das war es, was Giles in den letzten Jahren immer wieder versucht hatte, ihr zu vermitteln. Dieser Respekt hielt ihn von ihr fern, denn er respektierte einfach ihren Wunsch und schien zu warten, was sie als nächstes tat. Ob er wohl auch Nächte lang wach lag, nicht schlafen konnte oder gar von Alpträumen geplagt wurde? Buffy starrte die Zimmerdecke düster an und versuchte sich Giles vorzustellen. Es tat weh und während sie noch darüber zum hundertsten Mal nachgrübelte, wie sie die Situation klären könnte, schlief sie doch ein, gejagt von einem Schatten, von dem nur sie wusste, das es Llevlyn war, der sie seit Wochen in ihren Träumen immer wieder heimsuchte.
*****
Die Tage vergingen für Xander wie im Flug. Er nahm sich kaum Zeit für Freizeitaktivitäten. Das Bronze kannte er nur noch vom Namen her, Willow bekam er nur noch per Telefon zu hören, Anya lebte im Moment im Streik, da er selbst für sie kaum Zeit hatte und Buffy mied ganz den Kontakt. Was wohl daran lag, dass er im Moment der einzige war, der ständig im Kontakt zu Giles stand. Er hätte ihr ja etwas von ihm erzählen können, was sie nicht hören wollte z.B. dass er nachmittags bereits zu trinken begann und tags darauf ihn immer später zu sich bestellte. Erst gestern war es Giles gewesen, der verschlafen und ihm mit einem gewaltigen Kater die Türe geöffnet hatte. Oder das Giles nie von ihr sprach. Das er sich verändert hatte. Aber Buffy rief nie an. Sie ließ nicht einmal schöne Grüße durch Willow ausrichten. Xander tat das weh, akzeptierte aber ihren Trotzkopf, da er hoffte, dass sich das auch mal wieder legte.
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In der Nacht, am selben Tag. Buffy schlenderte mit Mr. Pointy in der Hand über den Friedhof. Seit einer Stunde schon. Aber die Alternative bestand entweder im Wälzen von Büchern oder einer alptraumreichen Nacht. Nichts was sie davon vorziehen würde. Missmutig ließ sie den Pflock immer wieder gegen ihren Oberschenkel klatschen. Eigentlich war es Zeitverschwendung, aber Willow hatte heute Abend unbedingt mit Xander ins Bronze wollen und Anya war angeblich schon im Bett, irgendein Virus. Sie hatte kein Interesse daran, Xanders Flüchen über Giles zu lauschen. Na ja, vielleicht gab es ja den einen oder anderen Vampir zum aufmischen und an dem sie ihre Aggressionen auslassen konnte. Der Arzt hatte zwar etwas von Schonung für die nächsten sechs Monaten gesagt, aber das konnte sie einfach nicht einhalten. Immerhin war sie nun mal die Jägerin, auch wenn sie Giles gesagt hatte, dass nun endgültig Schluss sei. Es kam einer Sucht gleich. Aber auf dem Friedhof herrschte im wahrsten Sinne des Wortes Totenstille. Und Buffy wurde zunehmend deprimierter. Es gab keinen Ort an den sie gehen und ihre Sorgen los werden konnte. Angel weilte nach wie vor in L.A., außer einem Anruf im Krankenhaus und zu Hause, bei dem sich Angel besorgt um ihr Wohlbefinden erkundigte, hatte sie nichts mehr von ihm gehört. Ihre Mutter war ihr in den letzten Wochen ziemlich auf die Nerven gegangen und zudem war Joyce nicht besonders gut auf Giles zusprechen, also konnte sie auch nicht zu ihr. Sie hätte wenig Verständnis gezeigt, wenn Buffy sie um Rat für eine Aussöhnung gebeten hätte. Und den einzige Ort an dem sie so oft Zuflucht suchte und um Rat bat, hatte sie sich selbst verwehrt: Giles Wohnung. Giles Wohnung? Seltsam, irgendwann hatte sie wohl den Friedhof verlassen und gedankenverloren, automatisch den Weg dorthin eingeschlagen. Sie stand auf der gegenüberliegenden Straßenseite und sah zu dem Gebäude. Sollte sie den ersten Schritt machen? Immerhin war es ja ihre Schuld gewesen, dass es soweit gekommen war. Aber es war auch seine Schuld, die sie zu diesem konsequenten Schritt veranlasst hatte. Sie starrte noch einen Augenblick nachdenklich zu der erleuchteten Treppe und drehte sich in Richtung Stadt. Sie war noch nicht soweit.
Sie war fast in der Stadtmitte angelangt, als sie aus einer Seitenstraßen Kampfgeräusche vernahm, Mülltonnen schepperten, leise Stimmen schienen zu argumentieren, ein Knall, möglicherweise ein Schuss. Buffy rannte los ohne nachzudenken. Sie bog in die Seitenstrasse ein, von der sie glaubt, dass die Geräusche kamen.
*****
"Hey Xander," Willow winke hektisch zur Eingangstür des Bronze, durch die gerade Xander recht müde wirkend, getreten war. Er hörte das Rufen seiner Freundin und bahnte sich seinen Weg durch die Anwesenden.
"Wo ist Anya? Wollte sie nicht mit dir kommen?" Enttäuschung lag in seiner Stimme.
"Uhm, weißt du, sie war müde und fühlte sich nicht so toll. Irgendein Virus. Und dein "möglicherweise" hat sie auch nicht gerade überzeugt. Aber eh ja, jetzt bist du ja doch noch gekommen. Ruf sie doch an," Willow war wirklich vor Freude ganz aus dem Häuschen. Xander war seit drei Wochen das erste Mal wieder abends frei, hatte sie angerufen und gefragt, ob die Mädels nicht Lust hätten mit ins Bronze zukommen.
"Ich glaube, dass lass ich lieber mal, Anya kann...uh...ja, und wo steckt Buffy?"
"Sie hatte keine Lust dich über Giles reden zu hören." Sie zuckte entschuldigend mit den Schultern und Xander ging sich erst mal etwas zu trinken holen. Toll. Die Frauenwelt mal wieder gegen Xander. Aber wenigstens war Willow gekommen. Doch bis er sich wieder zurück an den Tisch gekämpft hatte, stand Oz bereits bei ihr und sie hingen sich an den Lippen. Und dabei hatte er doch unbedingt mit Willow über Giles sprechen wollen. Alleine.
"Hi, Oz," Oz riss sich von Willow los, lächelte verlegen und nickte ihm zur Begrüßung zu.
"Na, was liegt an?" Oz Arm lag um Willows Hüfte und erneut ertappte sich Xander bei dem Gedanken, dass er an Oz Stelle wäre, wenn man ihm nur ein wenig früher die Augen geöffnet hätte.
"Uh nichts besonderes. Wißt ihr schon das Neuste? Unten beim Motel soll das Autokino geschlossen werden. Und ich habe es noch nicht mal getestet. Nicht mal mit Cordelia." Xander fühlte sich irgendwie fehl am Platz. Er konnte sich nicht erklären an was das lag. Ob es die Schüler der SHS waren, die das Bronze bevorzugten, Oz und Willows Geturtel oder sein ‚erweiterter Horizont', wie es Giles heute genannt hatte.
"Willst du was zu trinken," ignorierte Oz Xanders ‚Neuigkeit', die schon seit einer Woche ein alter Hut war. Xander verbrachte offensichtlich wirklich viel zu viel Zeit mit Giles. Willow nickte und Oz verschwand.
"Was ist los Xander? Du, du wirkst auf einmal etwas angespannt. Ist was mit dir und Oz?"
"Hm, was? Nein, Willow...wie kommst du...es ist nur so, daß ich mit dir über Giles reden muß, alleine."
"Hey, Oz gehört doch dazu." Willow fühlte sich verletzt. Immerhin hatte Oz so vieles für die Gang getan, dass Xanders Worte ihm unrecht taten.
"Tut mir leid, Willow, so habe ich das nicht gemeint. Aber es ist sehr...eh...persönlich. Normalerweise würde ich Buffy deswegen belästigen, aber...na ja du weißt ja, Madame zieht es vor mich zu meiden und über Giles zu schweigen." Xander spielte verlegen an seinem Glas.
"O.k. hier, Willow," Oz kam zurück noch bevor Willow antworten konnte und deshalb lächelte sie Xander verständnisvoll zustimmend zu.
"Können wir darüber auch noch morgen reden Xander?"
"Auf einen Tag mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an," Xander war enttäuscht. Er hatte so gehofft mit Willow einen Plan auszuhecken, wie man Buffy und Giles helfen konnte. Oz war zwar ein Freund, ja, aber er war nicht von Anfang an dabei gewesen. Er hatte nicht gegen den Meister gekämpft und er war auch nicht immer bei ihren Meetings dabei gewesen. Und dann stand immer noch der Kuss zwischen Willow und Xander zwischen den beiden Männern. Ihn wollte er wirklich nicht unbedingt in Giles offensichtliche Trinkprobleme einbeziehen.
*****
Als Buffy um die Straßenecke bog, prallte sie gegen eine Gestalt. Buffy taumelte und fing sich sofort wieder. Die Gestalt ebenso. Es war zu dunkel, um zu erkennen, ob es sich um einen Menschen oder um einen Vampir handelte. Aber es war ein Mann, ein recht starker Mann. Noch bevor sie zum dem Entschluss kam, ob Feind oder Freund, griff der Unbekannte an. Er schlug hart zu und Buffy flog weit nach hinten. Sie kam leichtfüßig wieder hoch und deckte ihren Angreifer mit einer Kombination an hohen Kicks ein. Er wurde nach hinten geprügelt und bevor er eine Deckung aufbauen konnte, setzte Buffy mit einem kräftigen Mae-washi gegen die Brust nach und er stürzte. Doch sofort war er wieder auf den Beinen und griff nun mit starken Faustschlägen auf ihren Kopf an. Doch Buffy blockte die Angriffe, ging seitlich an ihrem Gegner vorbei, rammte ihm seinen eigenen Schwung nutzend das Knie in den Magen und schlug zusätzlich ihre Handkante dem Unbekannten in den Nacken. Er klappte zu nächst zusammen, stolperte dann vorwärts und knallte mit dem Kopf gegen die defekte Straßenlaterne.
"Na, haben wir nun endlich genug?" Buffy stand bereit, sollte er immer noch nicht an ein Ende denken. Der Unbekannte drehte sich ihr zu. Es schien Blut an seiner Stirn herunter zu laufen. Bei dem Licht war es Buffy unmöglich etwas zu erkennen. Ein Grund, warum sie ihren Pflock nicht zog. Sie wollte nicht wie Faith im Effekt einen Menschen töten. Doch der Mann schien einzusehen, dass er hier den Kürzeren zog und entfernte sich mit Blick auf sie gerichtet, Richtung Straße. Dann drehte er sich abrupt um und rannte davon.
"Na das war ja mal wieder merkwürdig," ein Stöhnen hinter ihr rief ihr wieder in Erinnerung, warum sie eigentlich in diese miese Gegend gekommen war. Sie ging dem Geräusch nach. Hinter einer Anhäufung von Müllsäcken lag eine zusammen gekrümmte Gestalt. Buffy eilte zu ihr.
"Hey, alles in Ordnung mit ihnen?" Buffy kniete sich nieder und drehte vorsichtig die Gestalt auf den Rücken.
"Ethan?!"
*****
Der dunkel gekleidete Mann bremste augenblicklich sein Tempo, als er auf die recht belebte Straße einbog. Er spürte das Blut, dass ihm an der Wange entlang lief. Er zog ein Taschentuch und wischte es sich ab. Einige er Passanten warfen ihm misstrauische Blicke zu, doch die überwiegende Mehrheit beachtete ihn nicht einmal. Er lief schnell auf den dunkel blauen Van zu, der auf der gegenüberliegenden Seite parkte. Die Fensterscheiben waren getönt, doch er wußte, dass die beiden Insassen ihre Augen auf ihn gerichtet hatten. Er ging um den Wagen und schloss die Hintertür auf, stieg in den mit elektronischen Geräten vollgestopften Wagen ein und schloß die Tür.
"Wir können fahren," rief er nach vorn. "Auftrag erledigt."
*****
"Oh, hallo Jägerin. Zum ersten Mal, dass ich mich in meinem Leben freu' dich zu sehen," Ethan hustete und versuchte sich aufzurichten. Buffy drückte ihn sanft zurück.
"Was ist passiert? Sind sie verletzt?" Buffy sah nicht viel und wollte lieber nicht Gefahr laufen, Ethan noch mehr Schaden zu zufügen...auch wenn ihr dafür einige Gründe einfielen, die dafür sprachen.
"Eh, ich glaube der Kerl hat mich ziemlich übel zu gerichtet und ich denke mal die Kugel hier oben in der Schulter spricht dafür, dass es mir beschissen geht," Ethan hatte wahrlich schon bessere Tage erlebt und das ausgerechnet Rippers Kleine ihm das Leben rettete trug nicht unbedingt zu seiner Besserung bei.
"Oh, er hat auf sie geschossen? Wieso nur tut mir das irgendwie kaum leid? Sollte ich vielleicht lieber einen Krankenwagen rufen gehen und die Polizei..."
"NEIN," Ethan ergriff sie am Arm, ignorierte ihren Spott und hielt sie zurück. "Keine Polizei...i-ich wollte eigentlich zu Ripper eh Giles. I-ich muss euch warnen...", Ethans Stimme wurde schwächer und seine Augen begannen zu flackern. "Der Rat....sie sind ... hier," hauchte er Buffy zu, bevor er das Bewusstsein verlor. Na prima. Jetzt konnte sie sich tatsächlich für diesen kleinen Wahnsinnigen um einen Arzt kümmern. Als sie aufstand, kickte ihr Fuß gegen einen Gegenstand, der vorwärts rutschte. Buffy bückte sich danach und stellte erstaunt fest, daß sie eine Waffe in ihren Händen hielt.
"Keine Bewegung, junge Lady. Waffe weg und mit hinter dem Kopf verschränkten Arme niederknien!"
Die Stimme erschreckte Buffy zu tote. Es erinnerte sie an damals, als man sie mit Kendra in der Bibliothek gefunden hatte. Es war schon fast absurd, wie sich die Situation ähnelte. Doch sie kam der Aufforderung nach, warf die Waffe zur Seite, auf die dummer Weise nun ihre Fingerabdrücke waren, verschränkte die Arme und kniete nieder.
"Fein, und nun mach bloß keine Zicken," sie hörte sich jemand von hinten nähern, hörte das Klirren der Handschellen, die sich augenblicklich um ihre verschränkte Arme schlossen. Sie wurde grob nach oben gerissen und herum gewirbelt. Ein Beamter stand mit gezogener Waffe in sicherer Entfernung und sein Partner direkt vor ihr.
"Was haben wir da? Einen offensichtlich toten Mann, eine junge Frau, Blut an ihren Händen und eine Waffe. Sieht fast so aus, als hätten wir nicht viel Arbeit mit dem Bericht, Bob," der Beamte grinste zu seinem Partner hinüber und Buffys Augen verengten sich. Sie hätte ihm gerne ihre Meinung gegeigt, zog es aber vor zu schweigen. Trotzdem erinnerte sie sich wieder an das, was sie mit Faith erlebt hatte. Wie sie einfach aus dem Polizeiwagen geflohen waren. Es könnte auch diesmal klappen. Aber es gab diesmal keine Faith, die ihr solche Flausen in den Kopf gesetzt hatte, noch war sie dazu bereit. Sie ließ sich ohne Widerstand abführen.
*****
"Eh - sie sind also ‚NICHT' ihr Vater? Wie eh, warum...", der junge Polizist kratzte sich verlegen am Kopf und versuchte sein anzügliches Grinsen zu verbergen. Der Mann vor ihm war Mitte 40, die Verhaftet nicht mal Anfang 20. Er hofft inständig niemanden zu nahe zu treten.
"Ich bin ein Freund der Familie. Ihr Vater lebt in L.A., ihre Mutter ist heute Abend ausgegangen. Sie hat mich gebeten, mich darum zu kümmern. Kann ich Ms. Summers nun mitnehmen?" Giles versuchte sich auf die Zunge zu beisen. Diesem frechen Kerl hätte er gerne sein anzügliches Grinsen...Giles unterbrach sich selbst im Gedankengang. So viel Aggression hatte er in letzter Zeit nicht mehr häufig an sich gespürt. Er zwang sich zu einem kleinen, freundlichen Lächeln.
"Sicher, Mr. Giles. Wenn sie hier gerade noch unterschreiben würden, dann kann ich ihnen eine Quittung ausstellen." Giles unterschrieb auf dem Feld, wo es ihm gezeigt wurde, steckte die Quittung mit einem gequälten Lächeln ein und folgte der Aufforderung zu warten.
Nach einer kleinen Ewigkeit trat ein kleiner, drahtiger Beamter in zivil vor ihn und riß ihn aus seinen Gedanken.
"Mr. Giles? Sie sagten sie wären ein Freund der Familie? Dürfte ich einen Moment mit ihnen sprechen? Ein, zwei Fragen?"
"Könnte ich Buffy eh Ms. Summers zuerst sehen?" Giles stand auf. Es ging ihm nicht besonders gut. Die Schmerzen hatten in den letzten Tagen zugenommen und der Alkohol tat schon lange nicht mehr seine Wirkung. Nichts desto trotz hatte er bereits eine halbe Flasche geleert, als Willows überaus hektischer und panischer Anruf ihn aus seinem Dämmerzustand gerissen hatte.
"Bitte, erst die Fragen." Dem Beamten war nicht entgangen, dass Giles nach Alkohol roch und nicht unbedingt standfest war. Doch er war höfflich genug, diese Tatsache zu ignorieren.
"Nun, gut von mir aus. Was wollten sie wissen?"
"Kommen sie, Mr. Giles." Er führte Giles in ein Nebenzimmer und schloss die Tür. "Ms. Summers hat eine interessante Akte." Der Mann klopfte auf eine Mappe, die auf dem Tisch lag. "Ihre frühere Schule verwies sie, wegen Brandstiftung..."
"..das wurde nie bewiesen," fiel ihm Giles ins Wort, der sehr gut wusste, dass es stimmte, jedoch die Umstände entsprechend gewesen waren. Eine Turnhalle voller Vampire rechtfertigte nun mal so eine Tat.
Der Detectiv schüttelte kaum merklich den Kopf.
"Vor über etwa einem Jahr wurde eine Fahndung ausgeschrieben, nachdem man sie des Mordes verdächtig hatte. Sie schlug einen Beamten zusammen. Und dann ist hier ein älterer Eintrag, fast zwei Jahre alt, als man sie und ihre Mutter hier zur Befragung hatte, weil der Freund ihrer Mutter mit einem gebrochenen Genick aufgefunden wurde. Ich weiß," wehrte der Mann, laut dem Schild auf seinen Schreibtisch Dtc. Roos, Giles angesetztes Aufbrausen ab. "Es wurde nie beweisen und die Anklagepunkte wurden fallen gelassen. Trotzdem, sie leugnet nicht diesen Ethan Rayne zu kennen..."
"Ethan?" Giles war auf einmal hellwach. "Ethan Rayne ist in der Stadt?" Giles war aufeinmal von einer panischen Unruhe ergriffen.
"Sie kennen ihn also auch," Dtc. Ross zog erstaunt die Augenbrauen hoch und quittierte Giles Unruhe mit ernster Mine.
"Er ist...er war mal ein sehr guter Freund. Jetzt würde ich ihn nicht mehr als solchen bezeichnen. Was hat er mit Buffy zu schaffen?" Giles nahm seine Brille ab und spielte nervös an ihr herum. Eine Geste, die den Verdacht des Polizisten bestimmt nicht unbedingt zerstreute.
"Er wurde angeschossen in einer Hintergasse gefunden. Ms. Summers stand mit der Tatwaffe neben ihn. Gab es irgendwelche Gründe, wieso Ms. Summers Ethans Tod gewollt hätte?"
Giles Gedanken überschlugen sich. Ethan hier? Angeschossen? Buffy und die Tatwaffe? Hasste sie ihn unter umständen mehr, als er ihn? Nein, nicht Buffy. Sie würde nie einen Menschen töten. Dazu war sie nicht im Stande.
"Nun, uhm...," Giles Zögern war dem Mann Antwort genug. Giles zog es vor zu schweigen.
"Auf der Waffe waren nur Ms. Summers Fingerabdrücke. Ich muß sich nicht darauf hinweisen, dass Ms. Summers die Stadt bis zur ersten Anhörung nicht verlassen darf?"
Giles nickte stumme. Er war durcheinander. Ethan, Buffy, eine Waffe? Wieso sollte sie ihn töten wollen? Jemand oder etwas anderes musste seine Finger im Spiel haben. Oh, sein Kopf. Er dröhnte und er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Zudem ging es ihn ja nichts mehr an. Buffy wollte ihn nicht mehr in ihrem Leben haben. Das er hier war, verdankte sie alleine der Tatsache, dass sie Willow um Hilfe gebeten hatte und diese Buffys Mutter nicht erreichte.
"Dann holen wir mal Ms. Summers. Sie wird froh sein sie zu sehen." Roos ging voraus und Giles folgt.
<Darauf würde ich nicht wetten>, fügte Giles in Gedanken hinzu.
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"Oh...mein...Gott...Gil...sie," Buffy hatte mit jedem gerechnet, vor allem mit dem wütenden Anblick ihrer Mutter. Aber nicht mit Giles. Aber eigentlich war das zu erwarten gewesen. Sie hatte ja Willow um Hilfe gebeten. Willow dachte bei Hilfe immer zu erst an Giles.
Sie starten sich für einen unendlich langen Moment an und Buffy war schließlich die erste die ihren Blick senkte. Er sah so verändert aus. Sein Zustand war regelrecht miserabel und eine innere Stimme flüsterte ihr ein, dass sie daran Schuld trug. Es war ihr zudem peinlich, dass Giles sie aus dem Gefängnis holen mußte. Sie war schließlich immer die artigere Jägerin gewesen. Und nun dieses Schlamassel.
"Ehm...geht es dir soweit gut," richtete Giles schließlich das Wort an sie, kam ein Stück näher und legte kurz, aufmunternd seine Hand auf ihre Schulter. Es war eine gut gemeinte, vertraute Geste und Buffy wäre es ein leichtes gewesen es geschehen zu lassen, als Zeichen eines "es wird schon wieder alles gut werden". Doch statt dessen zog sie ihre Schulter zurück und blickte Giles finster an. Giles zog enttäuscht seine Hand zögerlich zurück.
"Tut, tut mir leid," er trat einen Schritt zurück. Giles seufzte leise. Er hatte sich bis jetzt nicht versucht vorzustellen, wie es wäre, wenn sie sich das erstemal wieder trafen. Giles Angst vor diesem Zusammentreffen war immens gewesen.
Buffys finstere Mine hellte sich keines wegs auf. Sie zog es vor zu schweigen. Zu seinem mieserablen Aussehen hatte sie eben, als er ihr näher gewesen war, einen bekannten Geruch wahr genommen: Alkohol. Giles war offensichtlich betrunken! "Können wir gehen?" fragte er den Beamten, der Buffy zu ihm gebracht hatte.
"Sicher, sie gehört ihnen. Haben ja auch schließlich dafür gezahlt." Grinste der Mann über seinen eigenen schlechten Witz. Giles war es nicht nach Scherzen, schluckte aber seine bissige Bemerkung hinunter. Denn zum Streiten hatte er noch weniger Lust.
"Gehen wir? Willow wartet im Auto. Sie war zu aufgeregt um mit hineinzukommen." Buffy sah ihn erstaunt von der Seite an. Giles bemerkte ihren Blick.
"Eh..uhm, ja tatsächlich ... streng genommen wollte sie nicht dabei sein, wenn du ... wenn wir uns begegnen." Er schritt schneller aus und Buffy hatte alle Mühe ihm zu folgen. Sie holte ihn erst wieder beim Wagen ein. Willow saß tatsächlich auf der Beifahrerseite, stieg aber aus, als sie sie kommen sah.
"Hi Buffy. Alles klar?"
"Wie...wie konntest du nur...wieso hast du nicht meine Mutter angerufen," fuhr sie statt dessen Buffy an.
"A-aber, aber das habe ich doch getan. Sie war nicht zu Hause. Und wen hätte ich sonst anrufen sollen?" verteidigte sich Willow, die Giles Schmerz in seinen Augen sah.
"Laß es gut sein Buffy. Willow...", versuchte Giles zu beschwichten, wurde jedoch von Buffy einfach ignoriert.
"Jedenfalls nicht den Trunkenbold hier." Buffy wollte nicht so verletzend klingen, aber sie konnte sich nicht bremsen oder gar beherrschen. Die ganze Wut über die Situation, in die sie Ethan gebracht hatte, brauchte ein Ventil. Und wer war besser geeignet als Giles, der sich für gewöhnlich immer alles von ihr hatte Gefallen lassen?
Giles blinzelte erstaunt. War es so offensichtlich? Er hatte tatsächlich geglaubt es unter Kontrolle zu haben.
"Meinen Vater zum Beispiel."
"Wirst du jetzt nicht etwas verletztend?" Willow nickte in Richtung Giles, doch Buffy schien das Signal ignorieren zu wollen. "Hm, glaubst du, dein Vater wäre von L.A. sofort hergekommen." Willow zuckte dabei mit den Schultern. Buffy war offensichtlich mit sich und der Welt in letzter Zeit unzufrieden. Es war besser Buffy nach Hause zu fahren, als sich mit ihr auf eine Diskussion einzulassen.
"Steig ein, Buffy. Wir bringen dich nach Hause, in Ordnung?" Giles war bereits am Einsteigen und schien offensichtlich in Willows Richtung zu denken. Er klang recht reserviert, fast kalt. Buffy war darüber etwas erschrocken, doch gewann das kleine Biest in ihr wieder die Oberhand. "In Ordnung? Ha - was soll in Ordnung sein? Man verdächtig mich eines Mordes. Schön, nichts Neues, denkt ihr vielleicht. Aber das belastet langsam..."
"Wir werden eine Lösung finden. Ich- ich werde am besten Ethan morgen im Krankenhaus besuchen und ihn ausfragen." Giles wollte hier und jetzt nicht diskutieren. Er war betrunken, sein Kopf dröhnte, der Rücken tat ihm weh. Er wollte nach Hause. Sie konnten im Auto oder bei ihm weiterdiskutieren. Nicht aber vor Publikum.
"Wir, Giles? Ich wüsste nicht, dass es ein wir noch gibt. Glauben sie nur, weil ich da drin keine andere Wahl hatte, und ihr Hilfe annehmen musste, ist alles vergeben und vergessen?" Buffy blickte in die entsetzten, weit aufgerissenen Augen von Willow und Giles stieg wieder etwas schwankend aus dem Auto aus. Er baute sich vor ihr auf und nahm seine Brille mit einem heftigen Ruck von der Nase. Eine Bewegung, die Buffy immer wieder als Signal drohender Standpauken gesehen hatte oder wenn Giles all zu sehr wütend war, aber zu sehr beherrscht, um es herauszulassen. Die Rechte, die sich um seine Brille schloss, stützte er in der Hüfte auf und gestikulierte mit der linken Hand in der Luft.
"Ich habe nicht vor mit dir zu diskutieren, Buffy. O.k.? Ich bin hier, weil, weil mich Willow um Hilfe gebeten hat und nicht du," was sagte er da eigentlich? Er schalt sich selbst einen Narren, aber das bremste ihn nicht. Er hatte so viel Frust und Enttäuschung die letzten zwei Monate in sich hineingefressen, dass er jetzt nicht anders konnte, als Buffy zu verletzten. Was ihm auch offensichtlich gelungen war. Buffy zuckte erschrocken zusammen. Das war es nicht unbedingt, was sie von ihm hören wollte.
"Hey, Leute, sollen wir vielleicht nicht woanders eh streiten?" Willow sah sich peinlich berührt auf dem Parkplatz um. Einige Beamte auf dem Weg zu ihren Dienstfahrzeugen, blieben kurz neugierig stehen, gingen dann jedoch weiter.
Willow wurde von beiden ignoriert.
"Ich hätte weiß Gott was besseres zu tun, als hier..."
"Ach ja? Und was wäre das? Die nächste Flasche? Sie kommen ja nicht mal ohne zu schwanken aus dem Wagen. Wollten sie damit nicht aufhören?", Buffy tat es im selben Moment leid, als sie es sagte, doch da war es schon zu spät. Giles schluckte, unfähig etwas darauf zu erwidern, weil es ja genau genommen die Wahrheit war. Trotzdem begann er innerlich vor Wut immer mehr zu beben. Und unter dem Alkoholeinfluss war er sich nicht mal sicher, ob er sich beherrschen konnte. Giles eisiger Blick traf Buffys Blick, der ihm signalisiert ‚Es tut mir zwar leider, trotzdem bin ich zum Streiten bereit'.
"Leute....", Willow wurde unruhig, doch brachte eine schneidende Handbewegung von Giles Willow sofort zum Schweigen.
"Ich habe das mal einer Buffy versprochen, die noch an meinem Leben interessiert war," Giles erinnerte sich gut an das Gespräch, nachdem sein Vater abgereist war und an sein Versprechen. Es herrschte eisiges Schweigen. Buffy wußte, dass sie eben zu weit gegangen war und sich sowohl im Tonfall, als auch in ihrer Wortwahl eindeutig vergriffen hatte.
"Ach wissen sie was? Kümmern sie sich doch um ihren eigenen Kram," warf sie ihm hinterher, bevor er die Tür zu ziehen konnte.
"Du kannst gerne laufen, wenn es dir lieber ist," ignorierte er Buffy und damit schlug er die Türe zu. Willow sah noch einmal fragend zu Buffy, die aber mit dem Kopf schüttelte. Jetzt zu Giles in den Wagen zu steigen, wäre einem Eingeständnis der Niederlage gleich gekommen. Giles wartete bis Willow eingestiegen war, sah noch kurz durch den Rückspiegel und fuhr dann los. Bitte, wenn sie nach wie vor schmollen wollte, war das nicht sein Problem. Doch er gestand sich im gleichen Moment ein, dass das so nicht ganz stimmte.
Fortsetzung
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