Die Giles Triologie
Teil 3: No Way Out (5-9/?)
Credits
Autor:Melanie Laier
Teil:5-9/?
Inhalt:Giles und Buffy versuchen mit ihrer "Trennung" zu leben und erhalten vom Rat einen Besuch.
Spoiler:4.Staffel
Altersfreigabe:ab 12
Rechte:Buffy und ihre Charakterken sind rechtlich geschützt und sind Eigentum von Fox, WB, Joss Whedon, Mutant Enemy Productions und Kuzui Entertainment. Die Story dient nur dem Fun und nicht um damit Geld zu verdienen.
Danksagung:An dieser Stelle geht mein erneuter Dank für das Probelesen, an Little Shakespeare (Kathrin)
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Geschichte

Giles setzte Willow vor ihrem Wohnheim auf dem Campus ab. Doch Willow zögerte. Sie wollte Giles jetzt nicht alleine lassen, nachdem was Buffy ihm alles so Nettes um die Ohren gehauen hatte.

"Giles? Es, es tut mir leid, was Buffy gesagt hat. Also ich meine, was ich sagen will, wenn ich gewußt hätte, dass Buffy sich so aufregt und aufspielt, wäre ich nie auf die Idee gekommen sie anzurufen." Willow sah Giles an, doch dieser hielt sein Lenkrad eisern umklammert und fixierte einen unsichtbaren Punkt. Hörte er ihr überhaupt zu?

"Ich, denke, nein ich hoffe, dass sich Buffy wieder fängt."

"Willow?"

"Ja, Giles?" Sein Kopf drehte sich langsam zu ihr.

"Steig bitte aus. I-ich brauche eure Unterstützung nicht. Sei mir nicht böse und versteh mich bitte. Ich bin alt genug und das hier ist etwas, mit dem ich alleine fertig werden muß. Ja?"

Willow blickte völlig iritiert in Giles eisige Auge. Das konnte er unmöglich ernst meinen. Willow schüttelte unbeabsichtigt mit ihrem Kopf.

"Doch Willow. Bitte!" Giles wollte jetzt nur noch alleine sein und Zeit zum Nachdenken haben.

Willows Hand tastete nach der Tür, den Blick noch immer auf Giles gerichtet, stieß sie auf und stieg aus. Giles wartete keine Sekunde zu lang, nachdem die Tür zugeflogen war und gab Gas. Willow sah durcheinander dem Giles-Mobil hinterher.

*****

Buffy lief aufgewühlt durch die Straßen von Sunnydale. Sie ignorierte die fragenden Blicke oder Flüche von Passanten, die sie versehentlich anrempelte. Sie bemerkte auch nicht den dunkelblauen Van, der ihr seit dem Revier in Schrittempo folgte. Sie ging in Gedanken immer wieder das Gespräch durch. Wieso mußte sie Giles so verletzten? War das wirklich nötig gewesen? Giles war immerhin der Mann in ihrem Leben, der sich jederzeit bereit erklären würde sein Leben für ihres zugeben. Sie wußte das. Dazu brauchte sie keine Willow, die ihr deswegen mindestens einmal die Woche Vorhaltungen machte. Und sie war sich sicher, dass Giles dazu noch immer bereit war. Giles war es schießlich gewesen, der ihr nie Vorhaltungen oder Vorwürfe gemacht hatte. Er hatte schon immer ihre Entscheidungen akzeptiert. Als sie sich entschloß nicht gegen den Meister anzutreten, hatte Giles nicht seine Position als Respektsperson ausgenutzt, um sie zu zwingen. Nein, im Gegenteil. Er selbst war bereit gewesen, für sie den Meister zu töten. Sie mußte lächeln, als sie an den Kinnhacken zurück dachte, der der einzige Weg gewesen war, ihn davon abzuhalten. Nicht daran zu denken wie er sich schützend hinter sie gestellt hatte, als sie Wes und den Rat zum Teufel jagde. Es war auch nicht Giles gewesen, der ihr nach ihrem Verschwinden und ihrer plötzlichen Rückkehr Vorhaltungen und Vorwürfe machte. Das hatten ihre Mutter, Willow und Xander freiweillig übernommen. Er war einfach nur glücklich gewesen, sie wieder zurück zu haben. Und sie hatte damals schon gespürt, dass es ihm dabei nicht nur um die Jägerin Buffy ging sonder auch um die Person Buffy. So viele Erinnerungen schwabbten auf einmal über sie, dass es schon fast weh tat. Doch Buffy ließ es zu. Bilder von Angelus entstanden in ihrem Kopf und wie Giles sie zu nächst in ihrer Liebe zu Angel unterstützt hatte. Giles, der sich hinter sie stellte, als sie zu geben mußte, aus Angel Angelus gemacht zu haben. Giles, der Jenny Calendar die Freundschaft kündigte, als ihr Verrat Buffy und ihm gegenüber ans Tageslicht kam. Giles, der sein Leben beinahe weggeworfen hätte, nur um an Angelus Rache für Jenny zu nehmen. Und sie? Sie hatte ihn so oft verletzt, enttäuscht und auch belogen. Gerade als es um Angels Rückkehr ging oder als sie mit Faith ihre "Freiheit" auskostete.

"Aber leider muß ich dich daran erinnern, daß mich Angel gefoltert hat. Viele Stunden lang, nur zum Vergnügen. Du hättest mir sagen müssen das er wieder da ist. Du respektierst weder mich, noch die Arbeit die ich mache."

Diese Worte würde sie wahrscheinlich nie wieder in ihrem Leben vergessen. Giles war damals so verletzt, so enttäuscht von ihr gewesen, dass es heute noch schmerzte, daran zu denken. Nie hatte er ihr Vorwürfe gemacht mit Faith zu weit gegangen zu sein. Im Gegenteil, er hatte Faith vom ersten Moment an nicht ihre Lügengeschichte über Buffy und Finch geglaubt. Auch wenn es im ersten Moment danach ausgesehen und er ihr damit einen gehörigen Schrecken eingejagt hatte. In diesem Zusammenhang schwieg sich Giles bis heute darüber aus, was er empfunden hatte, als er erfuhr, daß Buffy offensichtlich rebellierte, die Schule schwänzte, ihn angelogen hatte. Buffy seufzte. Sie verdankte ihm so vieles. Einerseits konnte Giles nichts dafür, daß sie nun mal die Auserwählt war. Aber durch seine Toleranz und durch seine Führung war aus ihr geworden, was sie nun war. Es hätte auch anders kommen können. Was wenn sie nicht einen Wächter wie Giles gehabt hätte? Wäre sie so früh gestorben wie Kendra? Hätte sie sich wie Faith entwickelt? Eine Träne begann sich langsam ihren Weg über ihre Wange zu bahnen. Der einzige wahre Verrat, den Giles bisher an ihr begangen hatte, war gewesen, als er ihr für die Reifeprüfung im Auftrag des Rates ihre Kräfte genommen hatte. Ihr Leben war in Gefahr gewesen und Giles mußte schweigen.

"Rühren sie mich nicht an, sonst bring ich sie um."

Das waren ihre Worte gewesen, die sie in ihrer Enttäuschung über ihn, ihm an den Kopf geworfen hatte. Und trotzdem ließ es sich Giles nichtnehmen, ihr alles zu erklären, ihr sogar im Kampf zu helfen. Als dank verlor er seinen Job.

"Sie lieben dieses Mädchen wie ein Vater."

Trever Quentins Worte, die sie im ersten Moment nicht zu begreifen schien und dann doch einen süßen Nachgeschmack hatten. Ja, Giles liebte sie wirklich wie eine Tochter. Das hatte sie vorher schon geahnt, von da an war es Gewissheit. Llevlyn war nicht seine Schuld, dass sah sie nun langsam ein. Giles erzählte ihr von seinem Leben nicht viel, dass lag wohl auch zum Teil daran, dass sie nie fragte. Llevlyn wäre bestimmt eines Tages hier aufgetaucht und hätte die Jagd aufgenommen. Immerhin war es sein Hobby gewesen. Giles hatte es wirklich nicht verdient, dass sie ihn auf diese Art und Weise behandelte. Daran würde aber nur sie etwas ändern können.

*****

"Na, haben sie ihre Prinzessin befreit, sie Ritter in strahlender Rüstung," Spike stand bei Giles Rückkehr vor der Microwelle, die sich in diesem Augenblick mit einem "PING" bemerkbar machte. Spike nahm die gewärmte Blutkonserve heraus, biss sie mit den Zähnen auf und schüttete das Blut in eine bereitgestellte Tasse. Er grinste Giles an.

"Spike, tu mir einen Gefallen: such dir draussen was nettes zum spielen," Giles ging zu seiner Flaschensammlung auf der Küchentheke und schenkte sich ein Glas ein.

"Hey, schon vergessen? Ich bin auf der Flucht, hier ist mein Asyl..."

"Dann verzieh dich nach neben an, lös dich in Luft auf oder....vergiß es. Ich geh' schlafen." Giles nahm Flasche und Glas und ging die Treppe hinauf.

"Oh, die Hausherrin zeigte sich demnach von ihrer dankbaren Seite?" rief Spike Giles gehässig hinterher, der ihn jedoch ignorierte. Spike zog beleidigt mit Bluttasse und Keksen vor den Fernseher.

Giles ließ sich auf das Bett fallen und starrte zur Decke. Er hatte dieses Leben nicht verdient. Nein, ein solches Leben war nicht fair. Seine Träume, Wünsche und Zukunftsvorstellungen waren einmal abgesehen von Pilot und Kaufmann, in eine ganz andere Richtung gelaufen. Und schließlich war er Gelehrter geworden. Auch nicht schlecht. In seinem Pass stand sogar, dass er einen Professortitel besaß. Aber den hatte bisher noch nie jemanden interessiert, ausser den verstorbenen Kurator des Sunnydale Museums, als Acathlas Sakrophag gefunden worden war. Oh und er beherrschte die Magie, schwarze, weiße, egal, gerade das was er brauchte. Er war weit fähiger, als Willow ahnte. Doch sein Doppelleben als Wächter hatte ihm zum Babysitter gemacht. Zu erst von Eileen, und dann von Buffy. Letzteres hatte ihn nach Sunnydale verschlagen und ihm diesen schlecht bezahlten Job als Bibliothekar eingebracht. Das alles hatte ihn zu einem sehr einsamen Menschen gemacht, dessen einzige Liebe durch Buffys Ex-Freund Angelus brutal ermordert worden war. Die Erinnerung schmerzte und Giles verdrängte sie. Er schloß die Augen, stöhnte und trank weiter.

Sein Leben vor Sunnydale interessierte seltsamerweise keinen seiner "Freunde". Hatte Buffy bisher je groß Fragen gestellt? Als Eyghon zu einem Problem wurde, hatte Giles von sich aus Buffy ein wenig von seiner Vergangenheit erzählt. Aber Buffy hatte nie weiter gebohrt. Erst mit Llevlyns Auftauchen war er gezwungen gewesen einiges zu erzählen. Sein Vater, die Verwirrungen mit dem Dämon, die Wahrheit über Eileen und Llevlyn hatte sie näher zusammengebracht, nur um sie am Ende zu entzweien.

Sein Blick wanderte gelangweilt durch den Raum. Einsamkeit. Überall wo er hinblickte. Es gab keine Fotos von Familienangehörigen, keines mit Buffy, Xander, Willow und ihm, nicht einmal eines von Jenny. Seine kleine Wohnung kam ihm aufeinmal sehr kalt, beengend und unwohnlich vor. Er stöhnte leise, trank weiter.

Wie hatte sich Giles bemüht den Mittelweg zwischen Autoritätsperson und Freund zu finden. Im Nachhinein fand er, war ihm das sehr gut gelungen. Giles und Buffy hatten eine enge Bindung und er fand, dass sie sich blind vertrauen konnten, was für eine Beziehung zwischen Wächter und Jägerinn unbedingt wichtig war.

Doch Giles war sich nicht sicher, wie wichtig das je für Buffy gewesen war. Er erinnerte sich, wie er ihr nach Angels Rückkehr den Vorwurf gemacht hatte, dass sie ihn und seine Arbeit nicht respektieren würde. Damals war ihm das bitter ernst gewesen. Ihr Schweigen darüber hatte ihn so verletzt. Und trotzdem konnte er ihr schließlich verzeihen. Denn es war nun mal Buffy, die er bedingungslos liebte, die er als Tochter, die er niemals haben würde, angenommen hatte.

Die Flasche war leer, sein Kopf dröhnte, die Erinnerungen an die vergangenen Jahre brachen über ihn ein, als er in einen unruhigen Schlaf fand.

*****

"Oh, du hättest die beiden sehen sollen. Es sah fast so aus, als würden sie sich jeden Moment an den Kragen gehen." Willow ließ sich auf Xanders altes Sofas fallen und holte erst mal tief Luft. Xander stand an der Waschmaschine und kämpfte mit der nassen, frisch gewaschenen Wäsche.

"Ich wollte dir ja schon gestern von Giles Problem erzählen, daber du warst mit Oz so beschäftigt...."

"Oh, jemand eifersüchtig..."

"Willow bitte? Das Thema hatten wir doch schon mal." Xander klatschte eine bunte Boxer-Shorts mit Scoopy-Figuren auf die Leine und Willow musste schmunzeln, als ihr Blick darauf fiel. "Giles ist in letzter Zeit recht häufig über aus aggressiv und vor allem sehr empfindlich. Ich weiß nicht wie viel er trinkt. Aber es ist viel. Und wir sollten unbedingt Buffys Augen öffnen. Sie will ihn mit ihrem Verhalten dafür bestrafen, dass er sie über diesen recht wichtigen Vergangenheitspunkt angeschwiegen hat. Aber sie kann das doch selbst nicht bis zum Ende ihres Lebens durchhalten?"

Willow sah erstaunt zu Xander. Es war lange her, dass ihr Freund so viel und vor allem so Vernünftiges von sich gegeben hatte. Giles "Erziehung" bekam ihm doch recht gut.

"Aber was können wir dagegen tun? Giles von der Flasche wegzubekommen mag genauso schwierig sein, wie Buffy zu einer Entschuldigung zu überreden."

"Danke für die moralische Unterstützung, Willow. Wir werden einfach mit Buffy oder Giles, besser noch mit beiden reden."

*****

Giles stand an Ethans Bett und starrte auf den schlafenden Mann hinunter, der mal sein Freund gewesen war. Schläuche und Drähte führten von ihm weg an Maschinen, die piepsten und ihm nichts sagten. Die Krankenschwester hat ihm zehn Minuten erlaubt und er hoffte, dass Ethan in dieser kurzen Zeit zu sich kam. Und wenn es auch nur für den Namen des Täters reichte, sofern er ihn kannte.

Gestern hatte der kleine Streit es nicht mehr zugelassen Fragen zu stellen. Offensichtlich zog es Buffy ja auch vor, ohne seine Hilfe zurecht zu kommen. Ethans Atem war flach, sein Gesicht schimmerte, als wäre es aus Wachs und der Verband um seine Brust ließ ahnen, dass er noch mal Glück im Unglück hatte.

"Ethan?" Er reagierte nicht. Giles starrte Ethan an. Sie waren Freunde gewesen, enge Freunde sogar. Gemeinsam teilten sie sich eine Zweizimmerwohnung, verdienten sich ihr Geld mit schwarzer Magie und waren immer offen für Neues gewesen. Aber es war auch Ethan gewesen, der immer einen Schritt weiter gehen wollte. Eyghon war seine Idee gewesen. Ihm verdankte Giles die Tätowierung auf dem Unterarm, die er als Ermahnung und Warnung hatte stehen lassen. Bei Ethan prangte an deren Stelle eine Narbe von der Wegätzung, durch die eine Kanüle gelegt worden war. Giles würde Ethan nie verzeihen, dass er skrupellos Buffy tätowierte, um sie Eyghon auszuliefern.

Schließlich war Ethan an Llevlyns Erweckung und Eileens Tod schuld. Giles Hände ballten sich zu Fäuste. Er schloß die Augen für einen Moment und überlegte, ob es ihm gefiel Ethan hier so liegen zu sehen. Ob es ihm Genugtung bereitete. Er fragte sich, was wohl geschehen würde, wenn er diesen kleinen, gelben Schlach herausziehen würde. Giles riß sich aus seinen Gedanken und schritt unruhig durch das Zimmer. Sein Blick blieb an seinem Bild in dem kleinen Spiegel über dem Waschbecken kleben. Er hatte sich rasiert und auch endlich mal seine Kleidung gewechselt. Trotzdem übersah er die Ringe unter den Augen nicht, die Quittung für schlaflose Nächte. Und er hatte fürchterliche Kopfschmerzen, gegen die er sich von derselben Krankenschwester ein Aspirin hatte geben lassen. Es wirkte kaum.

Er setze seine kleine Wanderung zum Fenster weiter fort und starrte nach draußen auf die Straße. Es herrschte um diese frühe Morgenstunde reges Treiben. Schließlich sah er auf die Uhr. Fünf der kostbaren zehn Minuten waren verstrichen. Er ging zurück zu Ethan. Ethan lag mit offenen Augen da und starrte die Decke an. Überrascht und ungeduldig beugte sich Giles zu dem Chaosbringer hinunter.

"Ethan, hörst du mich? Kannst du sprechen? Oder mir sagen wer das getan hat? Ethan?"

Ethans Pupillen wanderten hektisch hin und her. Er versuchte Giles zu antworten, brachte aber nur ein leises Röcheln zustande. Giles sah ihn fragend in die Augen und erkannte, dass Ethan in Panik war. Egal wer es war, Ethan hatte Angst.

"D-der....das Tor du....vorsichtig, Giles," brachte Ethan schließlich unter Anstrengung hervor. "Spitzel, überall. D-die Sondereinheit." Etwas begann zu piepsen. Augenblicklich stand die Krankenschwester neben dem Bett und Giles befand sich kurz darauf verwundert auf dem Flur wieder, mit der Anweisung Mr. Rayne in nächster Zeit zu schonen.

Giles ging Richtung Fahrstuhl. Er war sich nicht sicher, was Ethan gemeint haben könnte, aber es hörte sich nicht gut an. Er rempelte mit jemand zusammen und sah hoch.

"E-entschuldigung i-ich...hm...Buffy?"

"Hi! Ich, ich wollte zu Ethan."

"Man wird dich kaum zu ihm lassen. Ich schätze mal der Beamte dort vor seiner Tür," Giles zeigte hinter sich zu dem Zeitung lesenden Mann. "Hat strikte Order, was dich und Ethan angeht. Er wurde fast ermordet und dich hält man für den Täter..."

"Danke fürs erinnern. Ich weiß das. Irgendwie wäre es mir schon gelungen, denke ich mal." Buffy starte finster zu Ethans Tür und dann zu Giles. "Wie, wie geht es ihm?"

"Den Umständen entsprechend ganz gut. Die Kugel war im Schulterblatt stecken geblieben. Sie wurde ihm operativ entfernt. Allerdings verlor er dabei recht viel Blut und ist ziemlich geschwächt. Wenn...hm...entschuldige, aber ich, ich hab's eilig." Giles war die Begegnung nach dem gestrigen Abend mehr als peinlich und er hatte nicht vor, hier auf dem Flur eine Fortsetzung zu spielen. Buffy spürte das deutlich, aber hatte nicht vor ohne Informationen das Krankenhaus zu verlassen. Selbst wenn sie damit erneut gezwungen war, mit Giles zu reden, dessen Hilfe sie gestern erst so überaus dankend abgelehnt hatte.

"Ehm, hat er was gesagt?"

Giles sah überrascht zu Buffy. Er hatte nicht damit gerechnet, das sie seine Hilfe annehmen würde.

"Nicht viel. Jedenfalls nichts verständliches. Sagte er gestern Nacht irgend etwas?"

Buffy nickte und versuchte sich zu erinnern.

"Er faselte etwas vom Rat. Das sie hier wären und er sie eigentlich warnen wollte. Dann kam schon Mr. Wichtig mit "Keine Bewegung und langsam niederknien" dazwischen. Meint er damit den Rat der Wächter? Würden die jemanden umbringen, Giles?" Sein Name ging ihr tatsächlich leichter von den Lippen, als sie gedacht hatte.

Giles sah nachdenklich in Richtung Fahrstuhl.

"Ich weiß nicht. Vielleicht. Aber das wirst du bestimmt herausfinden. Ich kümmere mich dann am besten uhm, um meinen eigenen Kram, ja?" Und mit diesem ungewollt harten Satz, ließ er sie einfach stehen, denn der Fahrstuhl war angekommen. Als er einstieg, starrte er Buffys Rücken düster an, die alle Überwindung brauchte, sich nicht zu ihm herum zu drehen.

*****

"Was...eh sie wollen verreisen?" Xander schloss die schwere Tür hinter sich und legte seine Tasche auf Giles Schreibtisch. Irritiert wanderte sein Blick zwischen Giles und dessen Koffer auf dem Esstisch hin und her.

"Mr. Englishman goes back," meldete sich Spike vom Sofa und tauchte kurz darauf mit einer Zeitung in der Hand auf.

"WAS? WIESO? WAS?" Xander verstand nicht oder besser gesagt er verstand sehr gut und geriet darüber in Panik.

"Spike sagt es. Ich fliege zurück nach England." Giles warf einen Schrankkoffer zu, der bisher Xander nicht aufgefallen war. Schrankkoffer? Da passte normaler weise ja jede Menge hinein und das würde bedeuten...

"Für immer?" fragte er entsetzt. Giles nickte stumm.

"Und was ist mir ihrer Arbeit hier?"

"Welche Arbeit Xander? Ich bin ein arbeitsloser, geduldeter Brite, schon vergessen? Ich hatte ein Visum in Verbindung mit einer Arbeitserlaubnis. Keine Arbeit, auch kein Grund die Greencard zu verlängern. Zudem läuft mein Visum demnächst aus. Ich gehe zurück. Buffy braucht mich offensichtlich nicht mehr länger. Ihr werdet erwachsen und geht euren eigenen Weg. In ein oder zwei Jahren wird Buffy mit eurer Hilfe auch ganz alleine mit Vampiren und Dämonen fertig. Keiner wird dann noch auf die Idee kommen, den alten Giles um Rat zu fragen. Und du Xander, wirst früher oder später zu der Einsicht kommen, dass ein Leben als Wächter frustrierend und zu aufopferungsbedürftig ist." Giles klang verbittert. Schließlich schloss er den Koffer und trug ihn zu einer kleinen Anhäufung von Reisetaschen.

"Wann? Ich meine wie bald?" keuchte Xander immer noch einer Panik nahe.

"Übermorgen geht mein Flug und morgen wird mein Gepäck verfrachtet. Uhm, Xander tu' mir einen gefallen und behalte es für dich. Ich will kein großes Abschiedstara oder etwas in dieser Richtung." Giles rückte seine Brille zu recht.

"Verstehe! Dann kann ich jetzt ja wohl wieder gehen?" Xander verbarg seine Enttäuschung nicht. Hatte er auch gar nicht vor. Es schien, als wäre Giles überhaupt nie scharf darauf gewesen ihn ernsthaft auszubilden. Das tat weh. Andererseits fiel ihm auf, dass Giles seit langem wieder mal gefasst wirkte und wie ausgewechselt war. Er schien nüchtern, ruhig und überlegend. Es war ihm somit todernst.

Giles schwieg. Er konnte ja Xanders Enttäuschung verstehen. Aber es gab gute Gründe von hier zu verschwinden und die wollte er nicht unbedingt jemanden auf die Nase binden. Zum einen gab es hier niemanden, der ihn noch mit Sunnydale verband oder gar hielt. Nicht das es jemanden außer seinen Vater und alten Freunden aus seiner Wächterzeit, in London gegeben hätte. Zum anderen hatte ihn das, was Ethan im Krankenhaus gesagt und das Wenige, was Buffy am Abend zu vor von Ethan erfahren hatte, in Alarm versetzt. Es genügte, von hier schnellstens zu verschwinden.

"Bitte, das fasse ich dann als ja auf," Xander schnappte sich seine Tasche und zog die Tür lauter als nötig ins Schloss.

"Ehm, ich will ja nichts sagen, aber..."

"Spike? Halt die Klappe!" Giles griff zum Telefon und wählte die Geheimnummer und wartete auf das Freizeichen.

*****

"Wenn ich es euch sage? Die Bücherregal waren zur Hälfte leer geräumt, Koffer standen abholbereit herum und selbst Spike wusste, dass Giles abhauen will," Xander lief nervös in seiner Kellerwohnung herum. Anya, Willow und Oz waren seinem Notruf gefolgt. Buffy hatte kommentarlos aufgelegt. Ob sie kam stand in den Sternen.

"Aber, aber, das kann er doch nicht so einfach tun, oder?" Willow sah flehend von Oz zu Xander. "Ich meine...das bedeutet keine Treffen, keine Sonntage einfach bei Giles herumhängen, seinen Tee trinken oder seine...er kann das nicht machen!"

"Willow, beruhige dich doch." Oz legte einen Arm um seine Freundin, deren Augen immer wilder hin und her zwischen den Freunden wanderten. Sie war einer Panik nahe.

"Beruhigen? Ich, ich meine Giles will gehen. Er will Amerika verlassen, Nachhause gehen. I-ich weiß nicht, wieso du da noch so ruhig bleiben kannst?"

"Oz hat recht Will," fiel ihr Xander in den Rücken und erntete einen entsprechenden, bösen Blick. "Giles ist wohl alt genug um Entscheidungen zu treffen und wir sind nun erwachsen genug mit diesen leben zu können...eh müssen wir wohl."

"Und was ist mit deiner Ausbildung?" Willows Verstand arbeitete auf Hochtouren. Irgendetwas musste Giles aufhalten oder irgendjemand. Buffy!

"Die ist Gott sein Dank dann gestrichen," strahlte Anya. "Das ist doch gut, oder?" setzte sie etwas vorsichtiger hinzu, als sie Xanders bösen Blick bemerkte.

"Keine Ahnung," Xander zuckte mit den Schultern. "Ich - hm, Giles glaubt wohl kaum, dass ich geeignet genug dafür wäre. Und irgendwie gebe ich ihm da fast recht. Seit nun über zwei Monaten versucht er mir einfache Dinge klar zu machen, und ich will sie nicht kapieren. Es scheint wirklich gute Gründe gegeben zu haben, warum vor so vielen Jahren mein Vorfahr sich aus den Chroniken hat streichen lassen. Ich denke, wenn Giles geht, ist dass das Aus für mich."

"Nicht wenn ich ihn daran hindern werde!"

Alle Augen richteten sich erstaunt auf Buffy, die gerade die Treppe nach unten kam.

"Und wie?" fragte Willow.

"Es ist doch offensichtlich, warum er von hier verschwinden will. Ich meine, ich denke - er geht, weil er sich überflüssig vorkommt. Es gibt hier nichts mehr, was ihn noch hält. Nach gestern habe ich mir meine Gedanken gemacht, Will. Genau so, wie du es die ganze Zeit von mir verlangt hast. Und es stimmt, ich war Giles gegenüber nicht fair. Wir haben so vieles gemeinsam durchgestanden und so vieles verbindet uns, dass ich ihn nicht mit Füßen treten sollte. Aber, aber ich - nein ihr könnt das nicht verstehen. Ihr habt Llevlyn nicht erlebt," für einen Moment huschte ein Schatten über ihr Gesicht und ihre Gedanken schweiften ab. Sie fing sich wieder und fuhr etwas ernster fort.

"Ich muss das mit Giles klären. Ich bin daran wahrscheinlich alleine schuld. Wenn ich es schaffe mich zu entschuldigen, dann kann sich Giles bestimmt aufraffen seine Entscheidung neu zu überdenken. Ich muss ihm nur meinen Standpunkt deutlich machen. Irgendwie. Dann funktioniert das schon. Hoffe ich jedenfalls. Kommt jemand mit...wenigstens bis zur Tür?"

*****

"Oh," Buffys Seufzer war mehr ein gequältes Winseln, als sie vor Giles Wohnungstür angelangten. "Ich weiß nicht warum, aber irgendwie fühle ich mich wie damals, im Sommer, nach meiner Rückkehr," Buffy hatte bereits den Türklopfer in der Hand und suchte mit den Augen Hilfe bei Xander.

"Jetzt mach schon, er wird dich nicht auffressen. Ich meine damals hat er es ja auch nicht getan. Und glaube mir er hatte jeden Grund ... den er im übrigen jetzt auch hätte, so neben bei bemerkt." Xander gab ihr einen auffordernden Schubser und grinste gehässig.

"Warum fühle ich mich auf einmal so ‚viel' mutiger," Buffy ließ den Türklopfer zweimal gegen das Holz fallen. Innerlich hoffte sie, er wäre nicht da. Die Vernunft jedoch ermahnte sie und erinnerte sie an die Wichtigkeit ihres Gespräches. Es rührte sich jedoch nichts im Inneren. Ihr Herz klopfte vor Aufregung. Es war ganz bestimmt nicht einfach für sie, hier zu stehen und auf Giles zu warten.

"Vielleicht ist er es nicht mehr gewohnt, das jemand klopft?" Buffy drehte am Türknauf, doch sie war abgeschlossen.

"Super, lasst uns gehen," und erleichtert drehte sie sich bereits Richtung Ausgang, wurde jedoch von Willow und Xander gebremst.

"Hey, nicht so schnell, Buffy. Wenn Giles Tür verschlossen ist, oder hin und wieder weit offen steht, was sagt uns das für gewöhnlich?" Willow sah sie fragend an.

"Hm, das Giles entweder langsam senil wird oder mal wieder betrunken ist?"

"Komm schon Buffy, bleib ernst," Willow verdrehte die Augen.

"Schon gut, Will." Sie versuchte durchs Fenster ins Innere zu spähen, entdeckte jedoch nichts Auffälliges. "Da drin scheint alles ruhig zu sein. Aber wo ist Spike?"

*****

"Kann mir mal einer sagen, was ich bitte schön dabei soll," Spike versuchte sich vergeblich mit der Decke aus Giles Wohnung gegen die Sonne zu verteidigen. Irgendwie war sie eindeutig zu kurz und die Sonne zu heiß.

"Ich brauche Verstärkung. Ich traue meinem Meeting nicht. A-auch wenn du nicht gerade mehr potent bist..."

"Hey, hey...nicht persönlich werden. Ich hab mich wegen meiner Großzügigkeit bereit erklärt..."

"Die 100 Dollar und ein Monat kostenlose Blutkonserven spielen dabei natürlich keine Rolle!" Giles verdrehte die Augen.

"Man muss schließlich von was leben," gab Spike beleidigt auf Giles ironische Bemerkung zurück.

"Wir sind da," Giles hielt hinter einer alten Lagerhalle am Hafen an. "Warte hier."

In Anbetracht der hochstehenden Sonne, tat Spike nichts lieber als das.

Giles stieg aus und sah sich kurz um. Aber es gab nichts, was hier draußen auf einen Hinterhalt hindeutete. Der Schuppen hatte keine Fenster nur diese eine Tür, durch die er gleich schreiten würde, der Hof lag offen zum Hafen hin und sie waren im Moment die einzigen, die parkten. Giles schritt zur Tür. Sie war nicht verschlossen und er öffnete sie langsam und einen Spalt breit. Im Inneren herrschte fahles Licht. Optimal für Spike. Kisten standen im hinteren Teil und rechts von ihm führte eine Treppe ins Büro. Die würde er unbedingt überprüfen müssen. Er war nicht umsonst früher, als ausgemacht, hier erschienen. Er winkte Spike.

"Oh, prima. Warum bin ich aber auch immer wieder so doof und gutmütig," Spike riss die Tür auf, zog die Decke enger an sich und rannte zu Giles und sprang ins Innere, genau in den einzigen Lichtstreifen, der durch ein Loch fiel. Seine Jacke qualmte und er schlug sich panisch mit der Decke auf die Stelle.

"Argh, wenn das so weiter geht, bringt eure Gang mich doch noch um die Ecke," Spike versuchte finster zu schauen, was bei Giles ein amüsiertes Lächeln hervor rief.

"Die Kisten dort hinten. Überprüf' sie bitte. Ich schau mich im Büro um." Und ohne Spikes Antwort abzuwarten, erklomm er die Stufe. Vertrauen war gut. Misstrauen rettete Leben. Und dem Rat traute Giles seit seiner Entlassung nicht mehr. Zudem war es ihr Vorschlag gewesen sich hier draußen zu treffen.

"Bin ich euer Maskottchen oder euer Diener," brummte Spike als er hinter die Kisten verschwand und nach einem befürchteten Hinterhalt suchte. Aber es war niemand da. Auch Giles fand das Büro leer vor. Sie trafen sich in der Mitte der Lagerhalle.

"Alles sauber, Sir," salutierte Spike mit einem Grinsen im Gesicht vor Giles. Giles verzog das Gesicht und bedachte Spike mit einem genervten Blick. Spikes' Grinsen wurde breiter. Es war amüsant zu zusehen, wie sich der Ex-Wächter langsam in eine Panik hineinsteigerte, die Spike nicht verstand.

"Bei mir auch. Warten wir hier." Dabei griff er in die Innentasche seiner Jacke und holte einen Revolver samt Schalldämpfer hervor, schraubte diesen auf, entsicherte und versicherte sich noch einmal, ob er geladen war, bevor Giles ihn wieder zurücksteckte.

*****

"Wo um alles in der Welt kann er hingefahren sein? Ohne sein Gepäck?" Buffy kam die Schlafzimmertreppe nach unten, Willow stand unschlüssig im Flur, Anya hatte bereits Platz genommen, Xander fummelte an Giles Koffern herum und Oz sah immer noch betreten zur Eingangstüre, die Buffy vor einigen Minuten eingetreten hatte.

"Vielleicht ist er nur mal schnell einkaufen gegangen?" Anya sah gelangweilt um sich.

"Mit Spike? Wohl kaum." Xander ließ sich neben Anya aufs Sofa fallen.

"Ich hoffe nur er macht keine Dummheiten," murmelte Buffy, die bereits in der Küche angelangt war und den leeren Kühlschrank quittierte. Erstaunt betrachtete sie die ausgeleerten Flaschen im Mülleimer. Sie nahm an, dass er sie ausgeleert hatte, so alkoholisiert, wie sein Abfluss roch. Sie zog die Augenbrauen überrascht hoch. Anscheinend hatte er sich wieder im Griff.

"O.k. hat irgendjemand einen Vorschlag?" Buffy sah resigniert durch die Durchreiche die anderen an.

*****

Ein dunkelblauer Van fuhr auf den Hof ein und hielt neben Giles altem Wagen. Zwei Männer stiegen aus der Fahrerkabine, beide in Jeans und kurzen Lederjacken gekleidet. Die Hintertür öffnete sich und zwei Männer in Anzügen kletterten heraus. Sie gingen auf die Lagerhalle zu. Als sie eintraten und Giles in Bekleidung von Spike sahen, blieben sie überrascht am Eingang stehen, kamen dann schließlich näher. Der Mann im grauen Anzug und Sonnenbrille lächelte Giles entgegen, während sein Begleiter in beigen Anzug und Aktenkoffer eher misstrauisch um sich sah, was die beiden Lederjacken ihm gleich taten.

"Rupert, schön dich wieder mal zu sehen." Er nahm die Brille ab und eine Narbe quer über das linke Auge hin zum Nasenansatz wurde sichtbar.

"Ja, die Freude ist ganz auf meiner Seite, Duncan." Der Sarkasmus war nicht zu überhören und Giles versuchte so unverkrampft wie möglich zu wirken. Er hatte nicht vor, dem Mordkommando des Rates verängstigt entgegen zu treten.

"Kann ich mir denken, alter Freund. Dein Anruf kam so überraschen," Duncan grinste. "Na, ist deine Treffsicherheit noch immer bei 99 Prozent?" Duncan war wohl auf small talk aus.

"Ich habe damals auch nur daneben geschossen, weil du diesen dämlichen Witz über Briten und Schotten erzählen musstest." Gab Giles etwas bissig zurück.

"Ruhig Blut, alter Freund..."

"Kommen wir zum Geschäft, ja?" Giles hatte nicht vor in der Vergangenheit zu schwelgen.

"Von mir aus gerne. Jason, der Koffer." Der Beige trat näher heran und übergab Duncan den Aktenkoffer.

"Bevor du anfängst, was genau willst du ... uhm ... wollt ihr hier?"

"Ein Problem lösen!" Duncan ließ den Aktenkoffer aufschnappen.

*****

Buffy war bereits beim dritten Koffer angelangt und hörte sich noch immer Willows Vorwürfe geduldig an.

"Du kannst doch nicht so einfach in Giles Sachen herumwühlen? Ich, ich meine er hat ja schließlich auch das recht auf ne Privatsphäre. Oder? Ieww..." Willow sah trotzdem neugierig Giles Boxershorts an.

"Der Mann trägt tatsächlich keine Tweedunterwäsche...", grinste sie Buffy an, die die Shorts recht schnell im Koffer verschwinden ließ und den Koffer etwas hastig zuschlug.

"Also gut, dann der nächste."

"Waren das echt seidene Boxershorts?" Xander sah fragend rüber. Erntete aber nur von Buffy und Willow ein Augenrollen.

"Ah, Bingo!" Buffy war auf Giles Notizbuch und Telefonbuch gestoßen. "Hier, Will. Such nach was Verdächtigen," und sie übergab ihr das Telefonbuch. Sie selbst nahm am Schreibtisch platz und blätterte das Notizbuch durch. In den letzten Tagen hatte Giles dort die Adresse des Polizeireviers, des Krankenhauses und die jeweiligen Telefonnummern dazu eingetragen. Und eine dritte Adresse, ohne einen Namen oder Vermerk.

"Ich denke das ist es. Kennt jemand die Lane Street?"

"Die ist unten am Hafen," antwortete ihr Oz.

"Sehen wir mal nach, ja?"

*****

Duncan wühlte noch immer in seinem Aktenkoffer herum, zog dann schließlich eine Akte hervor und schloss den Koffer, stellte ihn neben sich auf den Boden. Giles wartete geduldig. Etwas was man als Wächter wohl oder übel sehr gut beherrschte.

"Und das Problem heißt Buffy und Rupert!" Duncan genoss für einen Augenblick den überraschten Gesichtsausdruck von Giles. " Sieh mal Rupert, der Rat der Zwölf, deinen Vater ausgeschlossen, versteht sich, ist der Meinung, dass wir wieder eine Jägerin brauchen, die dem Rat und ihrem Wächter folgt. Nur dann ist sie unserer Pflicht und unserer Aufgabe dienlich. Buffy wird nie jemanden anderen, als dich akzeptieren und selbst wenn wir dich als Wächter zurückholen würden, würde Buffy nicht mehr für uns arbeiten wollen. Richtig?"

Giles schwieg. Er ahnte auf was das Ganze hinaus lief.

"Tja und Faith können wir wohl ganz vergessen. Nicht nur, dass sie noch immer im Koma liegt, sondern auch weil der Rat an eine Wiedereingliederung nicht so recht glaubt. Wir wollen es euch irgendwie leicht machen."

Giles schnaufte verächtlich und Spike schnitt einem der Bodyguards Grimassen, was Duncan kurz aus der Reihe brachte, sich dann schließlich wieder auf Giles konzentrierte.

"Interessante Bekleidung, Rupert," meinte er mit einem Kopfnicken zu Spike.

"Gib bloß acht was du sagst. Ich bin nämlich sehr böse und ein....", Spike versuchte eine Vampirfratze, aber Giles brachte ihn mit:

"SPIKE!" zum Einhalten. Giles wollte dem Mordkommando nicht gerade alles auf die Nase binden.

Spike zog ein beleidigtes Gesicht und verschränkte die Arme vor der Brust, versuchte cool zu wirken.

"Ihr wollt es uns leicht machen? Soll ich jetzt oder später lachen? Für wie blöde hält mich der Rat, dass ich seine Sturmtruppe nicht erkenne? Der Rat schickt nicht seine Mörder los, um mit uns im Sandkasten zu spielen..."

"Nicht doch Rupert, nicht doch," Duncan versuchte so gewinnend wie möglich zu lächeln, doch Giles täuschte es nicht hinweg und das spürte er auch. Deshalb fuhr er wieder ernster fort: "Du kannst mit uns nach London kommen und dich einem erneuten Test unterziehen. Bestehst du ihn, wirst du wieder aufgenommen. Wie es gestern schien, kommt die Jägerin auch ganz gut ohne dich aus. Nicht wahr?"

Der Treffer saß und Duncan quittierte Giles Zusammenzucken mit einem kleinen, siegesbewussten Lächeln.

"Wie...wo...ihr beschattet uns?" Giles Hand zuckte für einen Moment unkontrolliert. Am liebsten hätte er sich auf Duncan gestürzt. Es war lange her, dass die beiden Männer zusammen Pubs unsicher gemacht hatten und die Besten ihres Jahrganges gewesen waren. Nur hatte sich Duncan nach Giles Geschmack für die falsche Abteilung entschieden. Und das ließ für ihn keine Alternative offen, wie er mit ihm umzugehen hatte.

"Rupert, du kennst unsere Arbeitsweise. Wir lassen keine Hintertürchen offen. Sicher haben wir euch beschattet. Euch abgehört, Fotoaufnahmen gemacht, Gewohnheiten ausspioniert...", Duncan zuckte unschuldig mit den Schultern. Was wollte Rupert von ihm? Er hatte doch nur im Auftrag des Rates seinen Job erledigt. Im Gegensatz zu Rupert.

"Zurück zu Thema, ja? Buffy soll in deiner Abwesenheit in Ruhe über ihre Entscheidung von über einem Jahr nachdenken. Ändert sie ihre Meinung über den Rat und ihre Mitarbeit nicht, ist der Rat entschlossen, sie zur Wiedereingliederung nach London zu holen. Dir steht es natürlich frei mit ihr darüber zu sprechen. Vielleicht hilft ihr das sogar, ihre Meinung zu überdenken."

"Das bezweifle ich. Und was wäre die Alternative, wenn weder ich noch Buffy diesen Handel eingehen würden?" Nicht das Giles sich das nicht schon längst hätte denken können. Er kannte das Mordkommando. Er wusste, was mit Jägerinnen geschah, die das Wiedereingliederungsprogramm nicht bestanden. Giles wusste auch, dass es dieses Wiedereingliederungsprogramm nicht gab. Würde Buffy die Mitarbeit ablehnen, würde sie abgeholt und auf dem Weg nach London für immer verschwinden.

"Nun, du hast lange genug in unserer Abteilung die Grundausbildung durchlaufen, als das ich dir darauf eine Antwort geben müsste..."

"Und wie passt Ethan Rayne in das Bild," wechselte Giles plötzlich das Thema. Er spürte die Nervosität seines Gegenüber.

"Wer?"

"Der Mann, der in einer Hintergasse von dir oder einem deiner Männer angeschossen wurde."

"Scheiße Mann, ich dachte er sei tot. Wirklich Duncan, ich hatte keine Zeit mich zu überzeugen, es kam jemand dazwischen..."

"Ganz recht, euer "Problem" war zu fällig in der Gegend," konnte sich Giles nicht ein Grinsen verkneifen.

"Die Jägerin?" Duncan sah erstaunt zwischen Jason und Giles hin und her.

*****

"Wer zum Teufel ist das?" Xander blinzelte durch den Riss des Wellbleches und versuchte Genaueres zu erkennen.

"Spike und Giles?" fragte Oz ironisch.

"Die auch, die anderen. Die Finsteren, die mit den Waffen!"

Buffy stand etwas abseits. Sie hatte bereits in das Innere gespäht und sich ihre Gedanken gemacht. Offensichtlich schienen diese Männer etwas mit Ethans Unfall zu tun zu haben und auch mit Giles hastigen Aufbruch. Sie waren eben erst angekommen und alles was sie von dem Gespräch mitbekommen hatten, war, dass die Männer von ihrer Existenz wussten. Es waren offensichtlich Ratsmitglieder. Das beruhigte Buffy nicht im mindesten. Im Gegenteil.

Sie ging zu dem Van und versuchte ins Innere zu spähen. Aber die Scheiben waren getönt. Die Fahrertür war offen, aber im Inneren schien alles normal. Buffy hatte auch mit der Hintertür glück. Sie war offen. Sie stieß sie auf und kletterte ins Innere. Erstaunt blieb sie stehen und blickte sich um. Der gesamte Innenraum war mit technischen Geräten ausgestattet, die farbenfroh blinkten, piepsten und offensichtlich auf Hochtouren liefen. Eines der Geräte zog ihre Aufmerksamkeit sofort auf sich. Es war ein Monitor mit einem laufenden Videorecorder. Auf dem Bildschirm sah sie den Rücken des Mannes im grauen Anzug und Giles mit Spike. Der Ton war anscheinend ausgestellt, aber eine Kamera schien irgendwo an einen der anderen Männern versteckt zu sein, sonst könnte die Aufzeichnung aus diesem Blickwinkel heraus nicht funktionieren. Der Rat schien moderner zu sein, als Giles bisher behauptet oder gar selbst geahnt hatte.

"Hast du was entde...oh Mann, WOW!" Willow tauchte auf und ihre Augen begannen angesichts so viel Technik zu leuchten. "Das ist ja...haben die auch irgendwo einen PC oder Laptop? Lass mich mal vorbei, Buffy."

Und schon stand sie im Inneren und begann mit ihrer Suche. Ein leiser Freudenschrei bekundete, dass sie fündig geworden war.

"O.k. Will, beeil' dich. Ich überwache solange den Monitor hier."

Willow sah zu Buffy und quittierte den Überwachungsbildschirm mit einem Stirnrunzeln.

"Mal sehen, was die so zu verbergen haben. Übrigens, zu unserem Glück und deren Pech war der Laptop an, mit eingegebenen Passwort," Willow klang irgendwie enttäuscht. Buffy grinste.

Willow orientierte sich auf dem Bildschirm, klickte mit der Maus wild auf einige der Icons und wartete was geschah.

"Ups. Ich glaub ich bin auf eine Datenbank des Rates gestoßen. Schau dir das mal an, Buffy." Buffy schaute Willow über die Schulter.

"Wirklich interessant, lass mich mehr sehen, Will."

*****

"Was machen die beiden so lange im Wagen," Xander sah fragend zum Van, Oz zuckte mit den Schultern.

"Ich wüsste was ich da drin mit dir anstellen würde," Anya sah auffordernd zu Xander, der verlegen grinste und Oz mit einem Schulterzucken bekundete, dass ihm Anyas offene Art peinlich war.

"Lass uns nachsehen!" Oz ging zum Van.

"Hm, vielleicht sollte einer von uns das Geschehen da drin im Auge behalten. Geht ihr ruhig." Xander wandte sich wieder dem Spalt im Wellblech zu. Anya war erst etwas unentschlossen, entschied sich dann doch mit Oz im Wagen nachzusehen.

"Hey, was gibt es hier Aufregendes?" Oz kletterte in den Wagen, half Anya rauf und trat neben Buffy.

"Willow ist auf eine Personaldatenbank des Rates gestoßen. Findest du, dass ich aufmüpfig bin und Schwierigkeiten mit Autoritätspersonen habe?"

Oz sah Hilfe suchend zu Willow, die ihn angrinste. Er zuckte mit den Schultern.

"Ich wüsste nur mal gerne, ob die das aus Giles Berichterstattung haben oder selbst auf den Trichter gekommen sind. Aber schaut mal hier, meine Lieblingspassage: herausragender Kampfstil, überdurchschnittlich erfinderisch und überlebensfähig. Als wäre ich deren Besitz." Buffy starrte finster den Monitor an.

"Ja, und das beste kommt erst noch," wandte sich Willow wieder dem Monitor zu und klickte einige der bunten Bildchen an. "Hier!"

Oz und Anya starten auf den erscheinenden Text: Fahnenflüchtige. Auszulöschen!

"Reicht denen nicht, dass Giles und ich erst beinahe durch ihren dämlichen Übervampir das Leben verloren hätten? Ich wüsste mal gerne warum alle ständig hinter mir her sind...."

Erst da bemerkte sie Oz und Anyas erstaunten Blick.

"Ach ja, Willow hat eine Geheimakte geknackt, in der hervorgeht, dass der Rat mit viel Geld jemanden aufgetrieben hatte, der Llevlyn entfesseln kann. Sie wussten, dass Llevlyn auf jeden Fall auf Rache aus war und somit hätte der Rat, ohne sich die Finger schmutzig zu machen, zwei Probleme auf einen Streich gelöst. Aber zum Glück haben sie unsere Truppe unterschätzt." Erklärte sie den beiden.

"Und Giles?" Oz nickte Richtung Computer, als er die Tragweite des eben Gehörten zu verstehen schien. Der Rat der Wächter schien wirklich alles andere, als eine Zusammenkunft netter Menschen zu sein.

"Gute Idee, Will. Such mal Giles Akte." Das war spannender als Vampire jagen. Jedenfalls im Moment. Und sie konnten ja nichts anderes tun, als recherchieren und darauf warten, dass Giles irgendwann mal aus der Lagerhalle kam.

Willow rief das Suchprogramm auf, gab Giles vollen Namen ein und schickte die Suche los. Kurz darauf piepste es, das Bild eines Jahre jüngeren Giles baute sich auf.

"Niedlich!" bemerkte Anya sarkastisch und erntete grinsende Blicke.

"Hm...," Willow scrollte den Monitor weiter nach unten. Aber außer dem Bild erschien nichts weiter. "Das gibt es doch gar nicht. Meinst du, sie haben sie gelöscht, nachdem sie Giles gekündigt hatten?"

"Wenn der Rat aus lauter peniblen Menschen wie Giles besteht, bestimmt nicht. Versuch es noch mal Willow." Buffy war enttäuscht, wenigstens eine Beurteilung hätte sie gerne gelesen.

"Warte da!" Oz zeigte auf ein kaum sichtbares Icon am untersten Rand des Bildschirms.

"Oh, klasse, kaum zu übersehen," brummte Willow und klickte darauf. Der Monitor wurde schwarz und die Sanduhr mit "loading" erschien. Sie warteten geduldig. Die aufgebaute Information war sehr spärlich.

"Prima, die sind aber wirklich gemein. Da steht nicht mehr, als wir eh schon wissen. Und ich dachte endlich mal sein Geburtstagsdatum herauszufinden. Ich bekomme immer so nette Überraschungsparties und wir können uns nie revanchieren. Hey, nett..."strebt im Zweifelsfall immer das Gegenteil des Ratsbeschlusses an, Querulant, stur und dickköpfig. Schwierigkeiten mit Autoritätsperson. Kurzzeitige Entlassung auf Grund nicht mit den Ratsgesetzen übereinstimmenden Wächter/Jägerinnen Verhältnisses. Wieder eingestellt als Ausbilder...blablabla." .. . oh je, Giles und ich scheinen uns ähnlicher zu sein als gedacht." Buffy hatte versucht witzig zu klingen. Aber es gelang ihr nicht. Das Gelesene erinnerte sie zu sehr, an das, was sie gestern alles empfunden hatte und an was sie erinnert wurde.

"Willow scroll weiter," Oz tippte auf den Pfeil.

"Geht nicht, warte mal," sie versuchte eine andere Strategie, statt dessen erschien ein

"Akte abgeschlossen"

blinkend auf dem Monitor.

"Schade. Auf jeden Fall wissen wir, was die hier von euch wollen." Oz war im Begriff wieder nach draußen zu gehen.

"Ja, aber was bedeutet das "Akte abgeschlossen"? Das gibt doch keinen Sinn." Buffy gefiel das Ganze immer weniger.

"Fragen wir Giles?" Willow schloss das Programm und folgte Oz und Anya. Buffy sah sich noch einmal um, fand aber nichts verdächtiges, als der Schuss durch die Stille des Spätnachmittags hallte.

*****

"Ja, die Jägerin," Giles fand das Gespräch langsam ermüdend. Duncan und dieser Jason schienen ihm nicht mehr sagen zu können, als er eh schon wusste. Er sollte beseitigt und Buffy durch Erpressung an den Rat erneut gebunden werden. Funktionierte das nicht, würde auch ihre Akte für die Ewigkeit geschlossen werden.

"Was ist jetzt? Ihr habt mir gesagt, was ihr wollt. Ich war im Begriff...."

"Abzutauchen?" Duncan warf Jason noch einen vernichtenden Blick zu, ehe er sich wieder an Giles wandte.

"W-wie... oh, natürlich. Die Beschattung. Ich Idiot," Giles schlug sich gegen die Stirn. "Aber was ist jetzt mit Ethan? Früher oder später würde ich es sowieso erfahren."

"Nun Mr. Rayne war etwas auf der Spur, dass dem Rat sehr kostbar und lieb war. Als wir versuchten es uns zu holen, gelang es Mr. Rayne an einige Unterlagen des Rates zu gelangen und erfuhr von unseren Plänen. Der Rat sah keinen anderen Ausweg, als Mr. Rayne vor Erreichen seines Zieles zu eliminieren."

Giles sah besorgt zu Spike und wieder zurück zu Duncan. Er war sich recht unsicher, wie er weiter vorgehen sollte. Für ihn war es nicht im geringsten ein Problem für den Rat eine "Prüfung" abzulegen, wenn er damit Buffy raushalten konnte. Aber er hatte das Gefühl, dass Duncan etwas sehr Wichtiges verschwieg.

"Was genau, war es, dass Mr. Rayne gesucht hat?" Es schien der Schlüssel zu dem recht verworrenen Puzzle zu sein. Doch Giles bezweifelte, dass Duncan freiwillig mit der Wahrheit herausrückte.

"Sagen wir es mal so Rupert, wir haben es vor etwa zwanzig Jahre begonnen für zwei Jahre zu studieren, haben zwei Jahre lang versucht es zu vergessen und den Rest meines Lebens habe ich mit der Suche danach verbracht," Duncan legte den Aktenkoffer auf den Boden und öffnete ihn ein zweites Mal. Ein kleines, türkisfarbenes Kästchen lag auf einen Stapel Papiere. Giles Augen wurden angesichts des Artefakts vor Erstaunen groß.

"Das ist unmöglich," brachte er flüsternd über die Lippen. "D-das Tor von Iptehon?"

"Ja, Rupert. Wie ich sehe hast du damals deine Hausaufgaben wirklich gut gemacht. Ich müsste lügen, wenn ich abstreiten würde, dein damaliger Beitrag hätte mich nicht auf die Richtige Spur gelenkt. Danke übrigens."

"Der Rat schickt dich nicht, oder jedenfalls nicht wegen der Jägerin?" Giles wurde unruhig. Das kleine unscheinbare Kästchen besaß Kräfte, die jedes bisherige Abenteurer in Sunnydale, in den Schatten stellen würde. Er mußte es zerstören.

"Sagen wir mal so Rupert...der Rat hat meine Suche unterstützt, finanziert, bewilligt. Aber es gab ein Problem: das Tor kann nur am Höllenschlund geöffnet werden. Und seit deinem hier sein wissen wir in London Gott sei Dank wo wir nach diesem Schlund zu suchen haben. Aber der Rat denkt immer noch, dass am Höllenschlund das Tor ein für alle Male zerstört werden kann. Ich habe aber nichts dergleichen vor. Ich werde es öffnen und niemand wird sich mir in den Weg stellen. Schon gar kein abgehalfterter Wächter und eine fahnenflüchtige Jägerin. Mein Auftrag entsprach zwei. Das Tor zerstören und euch aus dem Weg räumen."

"Nicht wenn ich es verhindern kann," Duncan sah angesichts Giles verändertem Tonfall von seinem Artefakt auf und blickte in den Schalldämpfer von Giles Waffe. Für einen Moment schien er wirklich irritiert, doch dann lachte er schallend.

"Rupert, Rupert, du überrascht mich immer wieder. Schau dich doch um, Jason, Patrick und Sean, drei gegen dich und den Clown hier."

Spike wollte auffahren, aber beließ es bei einem leisen Knurren. Zwei Halbautomatiken wurden auf sie gerichtet und Jason zog betont langsam eine Magnum unter seinem Jackett hervor.

Doch Giles ließ sich nicht beirren. Er entsicherte. Duncan schluckte.

"Weißt du Duncan, mein Leben hätte nicht furchtbarer und grausamer verlaufen können, als man sich das Leben nun mal in der Hölle, in diesem Fall am Höllenschlund, vorstellen kann. Ich habe so viele Menschen in den letzten 20 Jahren beerdigt und viele gute Freunde verloren. Ich habe blind an den Rat, seine Lehren und seine Vorschriften geglaubt, dass man es schon fast als Naivität bezeichnen könnte. Ich habe die letzten Jahre für meine Jägerin geopfert, meine große Liebe verloren, erneut Freunde beerdigt, Dämonen, Vampire und meistens Schlimmeres in Sunnydale erlebt. In England gibt es außer meinen alten, sturen Vater und dem Rat niemanden, der auf meine Rückkehr wartet und hier gibt es keine Jägerin mehr, die mich braucht, die mit ihren Freunden ganz gut ohne mich auskommt...wer also glaubst du würde mir eine Träne nachweinen, wenn ich dich töte, und deine Leute dann mich, zur Rettung der Menschheit?"

Sein Finger zog sanft am Abzug, Die Trommel begann sich zu drehen.

Der Schuss löste sich unvorbereitet, hallte durch die Stille des Nachmittags.

Wird fortgesetzt...